Ein Hertha-Fan zieht am Trikot von Lucas Tousart. Einige Chaoten überschritten nach der Derby-Pleite gegen den 1. FC Union mal wieder eine Grenze. Foto: Imago

Der Derby-Frust ist bei den Hertha-Fans groß. Sehr groß. Und bei einigen zu groß: Nach dem 1:4-Debakel im Stadtduell gegen den 1. FC Union zwangen einige Ultras die Spieler vor der Ostkurve, ihre Trikots ausziehen. So eine Demütigung gab es bei Hertha noch nie.

Tausende wollten das Gekicke ihrer Mannschaft nicht mehr bis zum Schluss sehen, verließen das Olympiastadion bereits Minuten vor dem Abpfiff. Zu groß war die Enttäuschung über die wiederholte miese Leistung, über die dritte Derbypleite in dieser Saison, über Tabellenplatz 17 und den drohenden Abstieg bei nur noch fünf ausstehenden Spielen.

Die, die noch in der Ostkurve, dort wo Herthas eingefleischteste Fans Stimmung machen, blieben, ließen ihrer Enttäuschung freien Lauf. Mit einem Pfeifkonzert wurden die Spieler empfangen – und im Anschluss gedemütigt: Die Fans sprachen den Spielern das Recht ab, die blau-weißen Trikots zu tragen, forderten aufgebracht und lautstark, dass die Profis ihre Trikots ausziehen sollten. Was einige dann auch taten.

Hertha-Fans werden handgreiflich

Dabei überschritten einige im wahrsten Sinne des Wortes wieder einmal eine Grenze. Einige Ultras sprangen über den Graben, standen plötzlich vor den Spielern auf der Tartanbahn und wurden sogar handgreiflich.

Besonders bitter: Die Wut traf vor allem die jüngsten Hertha-Profis. Torhüter Marcel Lotka, ohne den Hertha bereits zur Pause mit mindestens 0:3 zurückgelegen hätte, Abwehrmann Linus Gechter (18) und Bundesliga-Debütant Julian Eitschberger (18), der eigentlich noch in der A-Jugend spielt.

Hertha-Torwart Marcel Lotka weint

Lotka hatte anschließend Tränen in den Augen als er zurück in die Katakomben lief, erklärte: „Wir sollten die Trikots ausziehen. Dann habe ich das auch gemacht, da es von den Fans gefordert wurde. Man sieht den Fans an, dass sie enttäuscht sind. Sie haben alles gegeben und uns über 90 Minuten gepusht. Die Fans geben alles für den Verein.“

Das tut auch Maximilian Mittelstädt seit seiner Kindheit. Der Verteidiger: „Was mit den Fans genau besprochen wurde, erzähle ich lieber nicht. Ich habe nur gehört, dass wir das Trikot ausziehen sollen und hinlegen sollen. Nach dem Spiel ist klar, dass die Fans sauer sind, daher habe ich es gemacht.“ Mittelstädt weiter: „Ob das was mit Demütigung zu tun hat oder nicht – ich möchte einfach eine Konfrontation verhindern.“

Zur Erinnerung: Bereits nach der Derbypleite im Pokal gegen Union im Januar überschritten einige Chaoten eine Grenze, marschierten beim Training auf, betraten den Schenckendorffplatz und drohten den Spielern.

Hertha benötigt Polizeischutz

Sportchef Fred Bobic wäre der Aufforderung der Fans nicht nachgekommen: „Nein – ich ziehe mein Trikot mit Stolz an.“ Cheftrainer Felix Magath verspricht, die Vorfälle zu besprechen: „Die Enttäuschung der Fans muss man verstehen. Wir bitten sie um Geduld. Mit den Spielern werden wir die Ereignisse verarbeiten.“

Klar ist: Neben der sportlich bedrohlichen Situation herrscht bei Hertha BSC auch neben dem Platz Alarmstufe Rot. So sehr, dass in der kommenden Woche beim Training wohl erneut Polizeischutz nötig ist.

Wie Bobic am Sonntag auf die Demütigung reagierte, lesen Sie hier.

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