Hängende Köpfe, ernste Mienen! Die Hertha-Profis Belfodil, Tousart, Serdar und Ascacibar (v.l.) nach dem Abpfiff der Derby-Demütigung. Foto: dpa

Satte 157 Minuten Krisensitzung in der Kabine, danach eine Stunde Lauftraining für Herthas Profis am Sonntagmittag. Nach der 1:4-Derby-Demütigung gegen den 1. FC Union ist die blau-weiße Depression wieder da – weiter auf Platz 17. Die große Chance, zwei Ränge nach oben zu hüpfen, vertan. Wie kann Hertha diesen Abstiegskampf noch gewinnen?

Felix Magath: „Wir haben es selbst in der Hand“

Herthas Trainer Felix Magath am Sonntagmorgen auf dem Weg zum Trainingsplatz. Foto: Imago Images/Nordphoto/Engler

Die Mathematik nach der nächsten Klatsche sieht auf dem Papier ganz einfach aus. Jetzt drei Siege in Serie in Augsburg (Platz 14), gegen Stuttgart (15) und in Bielefeld (16) und die Rettung ist nah. Darauf spekuliert auch Trainer Felix Magath: „Wir haben noch alle Vereine, die in Reichweite sind, als Gegner. Wir haben es selbst in der Hand, uns von dem Tabellenplatz zu lösen und einen der rettenden Plätze zu erreichen.“

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Das klingt aber eher nach Zweckoptimismus. Der Magath-Effekt, der bei seinem ersten Spiel, dem 3:0 gegen Hoffenheim aufflackerte, ist nach diesem 1:4 gegen Union auch schon wieder verpufft. Der erfahrene Coach steht vor dem gleichen Dilemma wie seine Vorgänger auch. „Wie kriege ich die Spieler dazu, dass sie auf dem Platz zusammenarbeiten, zusammen sich wehren, zusammen kämpfen?“, fragt er sich und ist selbst ins Grübeln gekommen.

Hertha BSC: Verkraftet das Team diesen Tiefschlag?

Das 0:2-Derby im Hinspiel im November 2021 kostete Pal Dardai mit Verspätung den Job. Nach der 2:3-Pokalpleite gegen Union im Januar spielte sich das Team, das bis heute keine Mannschaft ist, noch tiefer in die Krise. Der überforderte Tayfun Korkut durfte noch viel zu lange weiterarbeiten. Kann Magath nach seiner Derby-Pleite die Mannschaft so schnell wieder aufrichten?

Die Stimmung ist im absoluten Keller. Die Spieler mussten sich auch noch von den Fans demütigen lassen, sie wurden nach dem Abpfiff aufgefordert, ihre Trikots in der Ostkurve auszuziehen. Sie taten es, damit die Wut nicht eskaliert. Manager Fredi Bobic: „Da wurde eine Linie überschritten, die nicht okay ist. Das macht auch etwas mit den Spielern, und zwar nichts Positives.“

Hertha trainiert unter Polizeischutz

Hemmende Angst vor den eigenen Anhängern. Sie war auch Sonntag noch da. Auf dem Schenckendorffplatz wurde unter Polizeischutz trainiert. Krawallbrüder kamen aber nicht.

Das ist alles, was man nicht im Abstiegskampf braucht. Mindestens drei Siege müssen in den letzten fünf Spielen her, sonst ist der Abstieg besiegelt, vielleicht ist das Unglück auch schon nach den nächsten drei Partien da. Die Lage ist mehr als bedrohlich. Magath strich für Montag den freien Tag. Geredet wurde Sonntag genug, jetzt geht es nur noch ums Kämpfen.

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