Mit dem damals 19-jährigen Sebastian Deisler verlor Hertha BSC zwar beim FC Chelsea, erreichte aber dennoch die Zwischenrunde in der Champions League.  Imago

Oft geriet Hertha BSC, so wie diesmal im Kampf um den Klassenerhalt durch die Quarantäne, in Not. Fast immer, und das soll Mut machen, ziehen die Blau-Weißen den Kopf aus der Schlinge. Hertha kann Wunder – Nr. 7.

Fast wäre Jürgen Röber zusammengebrochen unter dem Hieb, den er da von einem eigenen Mann versetzt bekommt. Der Trainer beobachtet am 3. November 1999 die letzten Aktionen im Spiel beim FC Chelsea. Längst stehen die Londoner nach Toren ihres französischen Weltmeisters Didier Deschamps sowie des Spaniers Ferrer als 2:0-Sieger fest, sie haben im Italiener Gianfranco Zola den alles überragenden Mann in ihren Reihen – und die Blau-Weißen aus Berlin haben ihre letzten Minuten in Europas Königsklasse zu spielen. Wäre da nur nicht der Hieb, den Hans-Georg Felder dem Coach verpasst.

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Der Pressesprecher hat ein Auge auf das Parallelspiel zwischen Galatasaray Istanbul und dem AC Mailand geworfen. Die Türken sind ohne Chance, in der Champions League zu überwintern, wohl aber dabei, als Tabellendritter in den Uefa-Cup zu schliddern. Das aber ist blanke Theorie, denn sie sind raus. Eigentlich. Für die Mailänder hingegen stehen nach Toren von George Weah, dem Weltfußballer von 1995, und Federico Giunti bei einem Gegentor des Brasilianers Capone mit einer 2:1-Führung die Zeichen auf Königsklasse.

Vier Minuten nur sind im Stadion Ali Sami Yen, wo Hertha zum Auftakt der Gruppenspiele nach 2:0-Führung ein 2:2 erreicht hatte, noch zu spielen. Schon da ist Felder nahezu aus dem Häuschen, denn Hakan Cükür, die Galatasaray-Legende, gleicht aus. Das 2:2 würde Hertha in die Zwischenrunde, in der es weitere sechs Spiele und einen Haufen Geld zu verdienen gibt, hieven. Derweil setzt Milan-Coach Alberto Zaccheroni 2500 Kilometer entfernt alles auf die Angriffs-Karte. Zu Kapitän Paolo Maldini – der Abwehrmann stürmt nunmehr wild mit, in der Defensive räumt nur der spätere Weltmeister Gennaro Gattuso noch auf – und zum Ukrainer Andrij Schewtschenko bringt er für den Endspurt mit Oliver Bierhoff ein weiteres Angriffs-Ass.

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Dann passiert das für Hertha überaus Glückliche: Ümit Davala schafft in vorletzter Minute per Elfmeter das 3:2 für Galatasaray. Röber bekommt den Einschlag im Kasten von Milan-Keeper Christian Abbiati nur als Hieb auf seinen Rücken mit und will seinem Adjutanten fast an den Kragen.

Sekunden später, der schwedische Schiri Karl-Erik Nilsson hat an der Stamford Bridge noch nicht abgepfiffen, der spanische Schiri Antonio Jesus Lopez Nieto in Istanbul aber wohl, liegen sich beide in den Armen und können ihr Glück kaum fassen. Hertha hat, wenn in dieser Partie auch ohne eigenes Zutun, die Sensation geschafft und darf sich auf weitere Spiele gegen den FC Barcelona, den FC Porto und Sparta Prag freuen.