Noch ohne Dach, dafür aber sogar in der 2. Liga ausverkauft: Das Olympiastadion beim Hertha-Spiel gegen Kaiserslautern 1997. Foto: Imago/BK

Oft geriet Hertha BSC, so wie diesmal im Kampf um den Klassenerhalt durch die Quarantäne, in Not. Fast immer, und das soll Mut machen, ziehen die Blau-Weißen den Kopf aus der Schlinge. Hertha kann Wunder – Nr. 4.

Die ersten Pflaumen sind ziemlich madig im Spieljahr 1996/97. In der Vorsaison haarscharf dem Abstieg aus der 2. Bundesliga entronnen, tut sich das Team um den erst seit einem halben Jahr im Amt befindlichen Trainer Jürgen Röber schwer, seinen Rhythmus zu finden. Nach dem mageren 1:0 zum Saisonstart gegen Mainz, das im Olympiastadion gerade von 11.548 Fans begleitet wird, gibt’s vier Spiele ohne Sieg und – Platz 14.

Kapitän Axel Kruse

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Dabei ist vom „schlafenden Riesen“ die Rede und davon, dass der neue Aufbruch sofort und dauerhaft in die Erstklassigkeit führen soll.

Ein halbes Jahr später sieht die blau-weiße Welt dafür umso freundlicher aus. Sie strahlt geradezu. Hertha ist souveräner Tabellenzweiter, liegt nur zwei Punkte hinter Tabellenführer Kaiserslautern, aber sechs vor Wolfsburg, dem Tabellendritten, der damals noch direkt aufsteigen darf. Eintracht Frankfurt, als Bundesliga-Absteiger der Topfavorit auf die Rückkehr in die Erstklassigkeit, ist als Tabellenneunter abgeschlagen und bildet keine Gefahr mehr.

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Ihr Meisterstück machen die Männer um ihren Kapitän Axel Kruse am 7. April 1997, einem Montag, gegen die roten Teufel vom Betzenberg. Der Olympische Platz wimmelt nur so vor Menschen, die heiß sind auf sehenswerten Fußball ihrer Helden und voller Vorfreude die Bundesliga herbeisehnen. Schiedsrichter Hartmut Strampe hat ein Einsehen, wartet, bis alle Fans in der Arena sind und gibt die Partie vor 75.000 Zuschauern erst mit 15-minütiger Verspätung frei.

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Herthas Wiedergeburt

Was sich danach abspielt, mit einem 2:0 endet und letztlich zum Aufstieg führt, geht als magische Nacht in die Klubhistorie ein und ein wenig auch als Wiedergeburt des Vereins insgesamt. Es entwickelt sich ein neues Berlin-Gefühl.

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Marc Arnold, der Mittelfeldmann, von Borussia Dortmund gekommen, spielt in Minute 25 einen zentimetergenauen Pass in die Tiefe auf Kruse. Der umkurvt Lautern-Schlussmann Gerry Ehrmann und schießt – wie in Zeitlupe kullert die Kugel zum 1:0 in die Kiste. Doch Minuten später muss Herthas Torschütze verletzt raus und wird vom blutjungen Pal Dardai ersetzt. Auch dieses Zeichen – das 21-jährige Küken kommt für den 29-jährigen Routinier – ist eines für die Zukunft.

Die hat spätestens mit dem zweiten Treffer, einem Eigentor des Lauterers Axel Roos, und mit der sechs Wochen danach feststehenden Rückkehr in die Bundesliga begonnen.