Engagiert, lautstark und ein echter Stuttgart-Kenner: Herthas neuer Cheftrainer Tayfun Korkut. City-Press

Tayfun Korkut legt bei Hertha los. Der Nachfolger von Klub-Ikone Pal Dardai löste bei den Fans bisher keinen Jubelsturm aus. Doch der neue Cheftrainer kennt sich bestens mit Kurzzeit-Jobs aus und hat noch nie ein Debüt vergeigt. Der KURIER nennt sechs Gründe für einen super Hertha-Start.

Um Punkt 14.14 Uhr betrat Korkut zusammen mit der Mannschaft nach einer rund zehnminütigen Kabinenansprache und seinem Blitz-Wechsel das erste Mal den Schenckendorffplatz, nachdem er am Montag nur fünf Stunden nach der Dardai-Demission offiziell vorgestellt wurde. 

Und Korkut legte sich im schwarzen Trainingsanzug bei besten Berliner Schmuddelwetter mächtig ins Zeug. „Bleibt klar“ und „fordert die Kugel“, rief der Schwabe lautstark seinen neuen Spielern zu und war nach rund 70 Trainingsminuten offensichtlich zufrieden. „Ich habe keine lange Unterhose an“, scherzte er mit den anwesenden Reportern. 

Skepsis herrscht noch bei vielen Fans angesichts Korkuts überschaubarer Trainer-Vita (Korkut blieb bei keinem Klub länger als eineinhalb Jahre) und vor allem, weil der gebürtige Stuttgarter seit mehr als drei Jahren nicht mehr als Chefcoach an der Linie stand. Dabei kann Korkut einiges nachweisen.

Korkut kann Kalt-Start

Ungeschlagen: Das wichtigste aus Hertha-Sicht und vor dem Spiel beim VfB Stuttgart (Sonntag, 15.30 Uhr, DAZN) angesichts der bedrohlichen Tabellensituation ist: Korkut hat noch nie ein Bundesliga-Debüt verloren. Mit Hannover gewann er in der Saison 2014 mit 3:1 in Wolfsburg, mit Leverkusen holte er 2017 ein 1:1 gegen Bremen und mit Stuttgart 2018 ein 1:1 in Wolfsburg.

Interimstrainer: Alle drei genannten Klubs übernahm Korkut während der Saison, kennt sich also bestens mit dem Sprung ins kalte Wasser aus. Korkut: „Es gibt Muster, auf die ich zurückgreifen kann. Mein Ansatz ist pragmatisch. Wir müssen die einfachen Dinge außergewöhnlich gut machen.“

Korkut und Ascacibar kennen sich

VfB ein offenes Buch: Korkut kennt Herthas kommenden Gegner vielleicht so gut wie kein anderer aktueller Trainer in der Liga. Beim 2:1-Sieg der Schwaben gegen Mainz am vergangenen Freitag war Korkut sogar im Stadion. Die Erkenntnisse seiner Beobachtungen werden Hertha am Sonntag helfen.

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Mit Santiago Ascacibar arbeitete Korkut bereits beim kommenden Hertha-Gegner VfB Stuttgart zusammen.

Santiago Ascacibar: Mit dem giftigen Gaucho arbeitete Korkut bereits beim VfB sehr erfolgreich zusammen. Der Mittelfeldabräumer war unter Korkut gesetzt und hatte großen Anteil an der überragenden Rückrunde (zweitbestes Team). Zusammen holten sie 1,64 Punkte pro Spiel, führten den VfB von Platz 14 (da steht auch Hertha) noch auf Platz sieben. Das ist auch Sportchef Fredi Bobic in Erinnerung geblieben. „Das war eine starke Leistung und auch fußballerisch überzeugend.“

Belebt Korkut Herthas Offensive?

Neue Spieler besser machen: Bobic behauptet, die Mannschaft sei intakt. Ein Grund für „Dardais“ Rauswurf war aber, dass er „nicht das Gefühl hatte, dass sich die Dinge verbessern. Da geht es auch um die Integration neuer Spieler“. Das dürfte vor allem für Flügelstürmer Myziane Maolida und Spielmacher Jurgen Ekkelenkamp gelten, die beide bisher mehr Mitläufer als Anführer sind. Korkut spricht mehrere Sprachen (Deutsch, Türkisch, Spanisch, Englisch), gilt als Menschenfänger und verspricht, alle Spieler mitzunehmen.

Offensiv-Fußball: Um Spiele zu gewinnen und zu punkten braucht Hertha dringend mehr Durchschlagskraft in Angriff. Mit Korkut soll endlich wieder mehr Schwung in Herthas Spiel kommen. Bobic: „Tayfun steht für einen gepflegten Fußball, offensiv und aggressiv.“

Beste Voraussetzungen also, dass Korkuts Weste auch bei seinem Hertha-Debüt weiß bleibt. 

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