Laut dem Wahrsager Nestrovos darf sich Union-Trainer Urs Fischer freuen. Die Eisernen spielen eine bessere Saison als Pal Dardai mit Hertha BSC. City-Press/Imago

Spitzenfußball in der Hauptstadt – das sind der 1.FC Union hier und Hertha BSC da. Die dritte Saison kicken beide nun gemeinsam in Deutschlands höchster Spielklasse. Gegensätzlicher aber könnte die derzeitige Entwicklung nicht laufen. Die Rot-Weißen geben ihre Visitenkarte in Europa ab, sind aktuell in der Bundesliga ungeschlagen. Die Zeichen bei den Blau-Weißen – drei Spiele, null Punkte, Letzter – stehen wie zuletzt ziemlich häufig auf Sturm.

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Star-Wahrsager Nestrovos – langjährige KURIER-Leser wissen, dass er in vergangenen Jahren ab und an bei Hertha schon den Finger in die Wunde gelegt hat – ging der Sache auf den Grund.

Er hat die Elemente untersucht („Das Geburtsdatum ist wie ein Fingerabdruck“) und hat gependelt, er hat japanische Tarotkarten und die Karten der Unterwelt gelegt, er hat Feng Shui zu Rate gezogen und das Salzorakel befragt – herausgekommen ist ein Kaleidoskop an Details, an Stimmungen und Schwankungen, an Gefühlen und Gedanken, an Erlebtem und Erlittenem, an Erfolg und Enttäuschung, an Traum und Trauma.

Wahrsager Nestrovus gibt Antworten auf viele Fragen. zVg

Nestrovos gibt Antworten auf viele Fragen. Gibt es als Trainer bei Hertha eine Alternative zu Pal Dardai? Kann Fredi Bobic bei den Blau-Weißen für neue Impulse sorgen? Hat das Team aus Charlottenburg immer die richtigen Kerle am richtigen Platz? Warum funktioniert in Köpenick das Männerbündnis zwischen Präsident Dirk Zingler und Trainer Urs Fischer so fabelhaft? Worin liegt das Geheimnis von Max Kruse? Und er sagt, dass ein Spieler aus dem Olympiastadion viel besser in die Alte Försterei passt, die Eisernen die Saison wieder vor Hertha beenden und mit etwas Glück sogar an der Champions League schnuppern können.

Bobic besteht Feuertaufe, Zingler wie ein Schach-Genie

Fredi Bobic ist als Manager veranlagt, er ist bodenständig, vertrauenswürdig und zuverlässig. Seine praktische Veranlagung und seine Kreativität, Probleme anzugehen, kommen ihm zugute. Aber: Er soll nicht nur nach der großen Chance suchen, auch viele kleine Chancen ergeben zusammen großes Potenzial. Er wird kleine Rückschläge erleiden, aber ab 2022 hat er die Möglichkeit, manches neu zu ordnen und umzusetzen.

Die Vision: Seine körperliche Beanspruchung wird viel höher ausfallen als er es bei Eintracht Frankfurt je erlebt hat. Hertha wird seine Feuertaufe – er besteht sie!

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Union-Boss Dirk Zingler denkt viel weiter als die meisten anderen. Er ist, ähnlich eines Schach-Genies, stets einige Züge voraus. Zingler hat die Elemente Feuer und Holz, das ist eine gute Kombination, um nicht übermütig zu werden und in manchen Situationen auch mal zurückhaltend zu sein. Gemeinsam mit Urs Fischer ist er der ideale Mann, um auf dem Boden zu bleiben und nicht Geld rauszuballern, das man nicht hat.

Die Vision: Am besten, der Präsident verlängert mit Urs Fischer gleich um fünf Jahre.

Dardai unter Druck, Fischer in Fahrt

Pal Dardai hilft Hertha, wo er nur helfen kann, es mangelt ihm nicht an Mitgefühl und Stärke. Aber: Wenn es schwierig wird, würde er am liebsten seine Sachen packen und gehen, und wenn es zur U 16 ist. 2021 wird kein Jahr für besondere Leistungen, im Moment sind seine Möglichkeiten erschöpft, deshalb bringt er das Team nicht weiter. Das, was die Fans und was vor allem Investor Lars Windhorst von ihm erwarten, wird er nicht schaffen. Obwohl er ein hohes Verantwortungsgefühl besitzt, wird er die verfahrene Situation nicht meistern.

Die Vision: Aktuell gibt es zwei Trainer, die es packen: Mirko Slomka mit seiner Diplomatie und Kooperation, auch ist er ein Friedensstifter. Noch besser passt Florian Kohfeldt mit seiner Energie, mit Power und der Gabe, etwas in Gang und zum Fließen zu bringen. Wichtig bei Kohfeldt: Er lässt sich gerade dort nicht reinreden, wo viele Köche den Brei verderben. Hertha und Kohfeldt – das ist die denkbar beste Konstellation. Er würde Hertha entwickeln und unter die Top Ten bringen.

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Schauen laut Nestrovos in eine unterschiedliche Zukunft: Union-Trainer Urs Fischer und Herthas Chefcoach Pal Dardai. 

Mit Urs Fischer haben die Eisernen den Mann auf der Trainerbank, der genau richtig ist. Der Schweizer ist weitsichtig, er denkt modern, er macht aus wenig viel und verkörpert genau das, was ein Verein wie Union braucht. Seine absolute Stärke: Sogar in Momenten, in denen er explodieren könnte, bewahrt er die Ruhe.

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Die Vision: Es wird ein Drahtseilakt, alle Spieler bei Laune zu halten und am Ende der Saison wird ein Spieler gehen, von dem das niemand erwartet. Fischer gewinnt an Status und er wird von anderen Vereinen, darunter aus England, umschwärmt. Aber: Beim anderen Verein würde ihn ein Knochenjob erwarten, gegen den der in Köpenick ein wahrer Kindergeburtstag ist.

Herthas Torwart-Duo: Schwolow zweifelt, Jarstein klopft an

Alexander Schwolow und Hertha – das ist alles andere als eine ideale Konstellation. Die Nummer 1 ist fair und besitzt ein gutes Urteilsvermögen. Des Torhüters größtes Problem ist die Empfindsamkeit fast mit Hang zu Lethargie und Pessimismus. Weil er nie an die Leistung aus seiner Zeit in Freiburg herankommt, verliert er an Konzentration und Selbstkontrolle. Er zweifelt an sich und an der Situation und braucht bei Herthas hohen Ansprüchen fehlerlose Auftritte, am besten Zu-null-Spiele und sollte deshalb richtig in den „Tunnel“, sonst endet es enttäuschend.

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Nestrovos sagt voraus, dass bei Hertha der Kampf im Tor zwischen Rune Jartsein (l.) und Alexander Schwolow noch längst nicht entschieden ist. 

Rune Jarstein lässt Corona hinter sich. Wenn der Norweger Vertrauen spürt, wird es für ihn noch ein sehr gutes Jahr, weil er das Gefühl bekommt, er würde über die Saison hinaus gebraucht. Er kehrt fast zu alter Stärke zurück, ist körperlich so da wie vor seiner Erkrankung und klopft wieder an. Für ihn aber stellt sich zunehmend nicht die Frage, wie geht es mit mir im Tor weiter, sondern: Wie geht es in meinem Leben weiter?

Die Vision: Hertha sollte nach einem neuen Torwart mit gewisser Grundklasse Ausschau halten.

Unions Stürmer-Duo: Kruse der große Gönner, Awoniyi der Nutznießer

Vom Traum-Duo sind beide nicht weit entfernt, Max Kruse und Taiwo Awoniyi verstehen sich in der Tat prächtig: Zwar wird Kruse nicht Torschützenkönig, aber er gönnt seinem Partner die Show. Dem Tausendsassa muss man die lockere Leine lassen, dann ist er am stärksten. Auch sollte man ihm den Spiegel vors Gesicht halten, das ist durchaus positiv zu sehen. Ihn fragen und auch ein klein wenig piksen: Was kannst du dir noch vorstellen, welche Idee hast du noch? Wichtig ist es, ihn einzubinden und die jungen Spieler zu führen. So wie seinen Sturmpartner. Awoniyi braucht eine Gruppe um sich, er braucht Akzeptanz. Von Kruse bekommt er sie, erwartet aber manchmal, dass der ihm das Tor auf dem Silbertablett präsentiert. Die Gefahr: Weil Awoniyi übersensibel ist und schnell verletzlich, rutscht er bei ausbleibendem Erfolg genauso schnell in Apathie und wird ein großer Zweifler.

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Unions Stürmer Taiwo Awoniyi (r.) weiß, bei wem er sich bedanken muss. Zusammen mit Max Kruse (2.v.r.) bildet er derzeit ein kongeniales Duo. 

Die Vision: Von Mitte November bis Ende Januar sollte Kruse vorsichtig sein, in keinen Geschwindigkeitsrausch verfallen, sonst kommt es zu einem Erlebnis, das niemand braucht. Damit Awoniyi seinen Ehrgeiz behält, seine Stärke, benötigt er vor allem die Akzeptanz des Trainers. Am besten wäre, aber das ist nicht realistisch, Awoniyi würde bei Urs Fischer einziehen und mit ihm eine Trainer-Spieler-WG bilden. In der Rolle eines Ziehsohnes ist der Stürmer auf dem Platz am besten.

Das Finale: Union furios, bei Hertha ist nix los

Das Salzorakel samt Kräutern (Rosmarin, Thymian, Oregano, Basilikum, Majoran, Bohnenkraut) und mit der linken, der Herz-Hand, ausgeführt, bringt es an den Tag: In der Status-quo-Situation, mit den aktuellen Trainern und Spielern, steht Union deutlich über Hertha. Beide liegen nicht einmal ansatzweise auf gleicher Höhe. Die Tendenzen bei den Eisernen sind aufstrebend, sie kratzen trotz Dreifachbelastung an der Champions League.

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Hertha wird zwar nicht in den Abstiegskampf verwickelt, aber nur irgendwo bei den Plätzen 15, zwölf oder elf landen. Mit viel Glück werden die Blau-Weißen Zehnter, aber für die obere Tabellenhälfte wird es nicht reichen.

Was beim Orakeln auch noch rauskam...

Hätte Hertha Jerome Boateng zurückgeholt, hätte er gemeinsam mit Bruder Kevin-Prince viel Kraft gehabt, die anderen verunsicherten Spieler zu stärken.

Aus Marvin Friedrichs Flirt mit Hertha wäre nie Liebe geworden. Er hätte nie zu den Blau-Weißen gepasst. Dafür passt der Abwehrmann zu Union wie die Faust aufs Auge.

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Im Wedding vereint, bei Hertha BSC nicht. Die Boateng-Brüder. 

Santiago Ascacibar kommt bei Hertha nicht zum Strahlen. Weil Union-Präsident Zingler die Elemente Feuer und Holz hat, diese gute Kombination, und der Argentinier Holz und Feuer, passt er viel besser zu den Eisernen. In der Alten Försterei wäre er längst ein Leistungsträger.

Herthas Lucas Tousart hat Weitblick und Stabilität und damit Potenzial zum Führungsspieler. Ihn sollte jeder Trainer noch mehr einbinden.

Bekommt Stevan Jovetic mehr Spielraum, wird Hertha an ihm Freude haben. Er wird nie hektisch, behält auch beim 0:1-Rückstand in der 88. Minute die Ruhe und schafft trotzdem noch das Tor.

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