Herthas Marco Richter traf mit einem Traumtor gegen Bayer Leverkusen zum zwischenzeitlichen 2:1. 
Herthas Marco Richter traf mit einem Traumtor gegen Bayer Leverkusen zum zwischenzeitlichen 2:1.  Imago/Matthias Koch

Ein Fußballspiel zum mit der Zunge schnalzen. Hertha BSC und Bayer Leverkusen liefern sich im Olympiastadion einen offenen Schlagabtausch, trennen sich nach einem irren Spektakel mit zwei Traumtoren 2:2 (0:0). Die Mannschaft von Trainer Sandro Schwarz verpasst damit den zweiten Sieg in Serie, besiegt aber eine absolute Grusel-Statistik. Für Ärger sorgt nur noch der Videobeweis.

Diese Handregel versteht kaum noch jemand: Bayer-Verteidiger Odilon Kossounou vereitelt mit seinem Unterarm kurz vor der Torlinie Herthas Siegtor zum 3:2. Doch statt Elfmeter gibt Schiedsrichter Benjamin Brand Eckball. Schwarz bedient: „Das ist ein klarer Elfmeter. Dass der Schiedsrichter in der schnellen Aktion falsch liegen kann, verstehe ich. Aber dafür ist der VAR ja da. Wie er das bewertet hat und gesehen hat, dafür habe ich wenig Verständnis.“

Anders als mit dem Ergebnis war Schwarz mit der Leistung seiner Mannschaft äußerst zufrieden. „Wie wir heute mit dem Rückstand umgegangen sind, dass wir den Glauben aufrechterhalten an unserer Art, wie wir Fußballspielen und verteidigen wollen festgehalten haben, – das war alles sehr gut“, erklärte Herthas Cheftrainer nach einer wilden 94-minütigen Achterbahnfahrt.

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Hertha besiegt gegen Leverkusen Grusel-Statistik

Das Spektakel stieg nach einer sehenswerten, aber noch torlosen ersten Halbzeit im zweiten Durchgang. Erst geriet Hertha durch einen wunderschönen direkten Freistoß von Kerem Demirbay in Rückstand, der den Ball aus 18 Metern unhaltbar für Hertha-Keeper Oliver Christensen ins rechte obere Eck zirkelte (49.).

Die kalte Dusche verhieß eigentlich nichts Gutes: 14-mal lag Hertha im Jahr 2022 zurück – und verlor jedes Spiel. Doch dieses nicht: Gemeinsam und direkt nach dem Rückstand wehrten sich die Herthaner gegen die Grusel-Statistik und spielten einen blitzsauberen Angriff über die rechte Seite. Über Kanga und Ejuke landete der Ball bei Serdar, der nicht lang fackelte und trocken zum 1:1 ins Tor traf (56.).

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Das Hertha-Märchen von Marco Richter geht weiter

Der offene Schlagabtausch setzte sich fort, Schick schüttelte Uremovic ab und verpasste die erneute Führung nur knapp (62.). Besser, um nicht zu sagen, viel besser, machte es dann Herthas Richter. Das Märchen des vor zwei Monaten an Hodenkrebs erkrankten Flügelflitzers geht immer weiter. Der Matchwinner von Augsburg brachte das ohnehin schon einem Tollhaus gleichende Olympiastadion mit einem Traumtor zum Beben, traf fulminant und aus vollem Lauf und 25 Metern zum 2:1 in den Winkel (74.).

Hertha-Stürmer Wilfried Kanga hatte die beste Chance in der ersten Halbzeit gegen Leverkusen, scheiterte aus kürzester Distanz am Pfosten. 
Imago/Contrast
Hertha-Stürmer Wilfried Kanga hatte die beste Chance in der ersten Halbzeit gegen Leverkusen, scheiterte aus kürzester Distanz am Pfosten. 

Die irre Achterbahnfahrt war jedoch noch nicht vorbei. Leverkusen steckte nicht auf. Schick, vom eingewechselten Ex-Unioner Robert Andrich bedient, zog den Hertha-Fans kurzeitig den Stecker, traf eiskalt zum 2:2 (79.).

Nur noch der Video-Bewies sorgt bei Hertha BSC für Frust

Wie viel Moral in der Mannschaft von Schwarz mittlerweile steckt, bewies die Schlussphase einmal mehr: Hertha legte alles rein und hatte nur drei Minuten später die Tripple-Chance durch den eingewechselten Jean-Paul Boetius, der erst zweimal an Bayer-Keeper Lukas Hradecky und dann – nach Kossounous Hand – auch noch am Pfosten scheiterte (83.).

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Die Zuschauer honorierten das Mega-Spektakel, feierten die Mannschaft in der Ostkurve nach Abpfiff frenetisch. Ganz klar: Bei Hertha BSC ist endlich wieder Musik drin. Schwarz stolz: „Die Zuschauer waren überragend. Wir sind auf einem guten Weg, aber es ist ein langer, harter Weg, auf den wir uns einstellen müssen.“ 

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