Wirkt entschlossenen: Stürmer Davie Selke (25) hat sich in dieser Saison viel vorgenommen. Foto: Imago Images

Ohne Wut, aber hochmotiviert geht Stürmer Davie Selke in das Duell (Sonnabend, 15.30 Uhr) gegen seinen Ex-Klub. Dem KURIER nennt der 25-Jährige die Gründe für seinen Blitz-Abschied, warum er nichts Schlechtes über Jürgen Klinsmann sagen kann und sich Hertha trotz 23 Grad in Bremen warm anziehen muss.

„Die 8500 werden richtig für Furore sorgen. Das wird gut und das wird Hertha spüren“, schwärmt Selke über die Zuschauer-Rückkehr. Die besondere Weserstadion-Atmosphäre, die Fans, die Werder-Familie: Das waren die Hauptgründe für seine Rückkehr an den Ort, wo er 2013 sein Profi-Debüt feierte. Noch ist Selke nur ausgeliehen, bleibt Bremen auch diese Saison erstklassig, greift eine Kaufpflicht, die Hertha rund zehn Millionen Euro in die Kasse spült.

Doch anders als gegen viele seiner Ex-Klubs, Hertha-Fans werden sich besonders an den 3:2-Auswärtscoup 2017 bei RB Leipzig erinnern, geht Selke ohne Wut in die Partie gegen seine alten Mitspieler: „Berlin ist ein toller Verein, eine tolle Stadt. Ich freue mich auf das Wiedersehen. Aber klar: Ich will treffen und ein gutes Spiel machen“, kündigt er an.

Warum er trotz eines Fünfjahresvertrag seine Zelte in Berlin (84 Spiele/ 19 Tore/ 15 Vorlagen) vorzeitig abbrach? Am damaligen Trainer Klinsmann lag es nicht. „Ich habe mich sehr wohl gefühlt unter ihm, wir hatten ein gutes Verhältnis. Ich habe ihn als supersmarten Typen kennengelernt, der Bock auf Fußball hat, jede Menge Erfahrung und eine große Strahlkraft mitbringt“, blickt Selke zurück und ergänzt: „Die Phase danach habe ich nicht mehr miterlebt. Aber ich kann kein negatives Wort über ihn sagen.“ 

Selke war unter Ex-Hertha-Trainer Jürgen Klinsmann gesetzt – bis der Klub im Winter Kris Piatek und Matheus Cunha kaufte. 
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Vielmehr hatte er schon vor Klinsi das Gefühl, „dass nicht komplett auf mich gesetzt wird. Ich war am Ende sportlich nicht mehr zufrieden. Die Spielweise hat nicht gepasst, um meine Stärken auszuspielen. Ich habe gespürt: Ich brauche einen neuen Impuls“, erklärt Selke.

Den sollte ihm eigentlich ein England-Klub geben. Wie kurz Selke davor war, sich seinen Premier-League-Traum zu erfüllen, verrät er im KURIER: „Ich war schon in Tegel am Flughafen am Gate und auf dem Weg nach London. Als dann der Anruf aus Bremen kam, habe ich meine Sache gepackt und bin los. Das war wild.“

Doch auch in seiner grün-weißen Wohlfühloase fand Selke nicht wieder in die Spur. Kritik kam auf, die ihn bereits als Fehleinkauf abstempelte. Umso mehr schuftete er diesen Sommer bereits vor dem Vorbereitungsstart mit einem Personal-Trainer. „Das war verdammt anstrengend, aber auch verdammt gut.“

Und es scheint sich gelohnt zu haben. In den Testspielen war Selke mit fünf Toren treffsicherster Werderaner. Nachdem er das erste blau-weiße Wiedersehen im März (2:2) noch wegen der berühmten Klausel verpasst hat, kündigt er vor dem Hertha-Duell an: „Ich merke, dass ich jetzt wieder Kraft und Luft habe und die Wege gehen kann. Ich bin mir sehr sicher, dass man das sehen wird.“

Weil auch alle Werder-Fans und der ganze Klub auf Wiedergutmachung für das vergangene Jahr aus sind, wird sich Hertha warm anziehen müssen.

Das ganze Interview mit Davie Selke lesen Sie hier.