Herthas Dodi Lukebakio, Kevin-Prince Boateng und Krzysztof Piatek schauen gespannt auf den Saisonstart.
Herthas Dodi Lukebakio, Kevin-Prince Boateng und Krzysztof Piatek schauen gespannt auf den Saisonstart. City-Press

Montag wird Hertha BSC 130 Jahre alt. Am 25. Juli 1892 wurde der Verein nach dem Ausflugsschiff „Hertha“ benannt und gegründet. Doch wo geht es in dieser Saison mit dem alten Dampfer hin? Sechs Tage vorm ersten Pflichtspiel, der Pokalpartie bei Zweitligist Braunschweig am Sonntag (18 Uhr), sagt der KURIER sechs Dinge, die gut und die schlecht laufen.

Das ist schon mal prima

Mehr Teamgeist ist da

Nach drei Katastrophen-Jahren entwickelt sich endlich wieder ein Teamspirit. Die Relegationsschlacht gegen Hamburg ließ die Spieler zusammenrücken. Der neue Trainer Sandro Schwarz nimmt jeden Profi bei seinen Gedanken mit: „Die Mannschaft ist engagiert, jeder einzelner Profi.“

Kapitänsfrage geklärt

Marvin Plattenhardt trägt ab sofort die Kapitänsbinde.
Marvin Plattenhardt trägt ab sofort die Kapitänsbinde. imago images/Räppold/Koch

Dedryck Boyata war zwei Jahre wegen vieler Verletzungen eigentlich nur Teilzeit-Kapitän. Eine Hierarchie konnte so nicht wirklich entstehen. Jetzt hat Marvin Plattenhardt die Binde und einen Stammplatz. Schwarz: „Platte genießt ein hohes Ansehen bei seinen Mitspielern.“

Zug im Team

Wenn ein fast schon abgeschriebener Spieler wie Deyo Zeefuik jeden Tag Vollgas gibt und sogar von Manager Fredi Bobic gelobt wird („Positiver Junge, der immer mit Spaß dabei ist“), erkennt man, dass Schwarz in Sachen Motivation die Spieler im Griff hat.

Stabilere Abwehr

Es soll ein aggressiver, offensiverer Fußball gespielt werden. Ohne löcherige Abwehr. Das klappte in der Sommervorbereitung schon sehr viel besser als im Vorjahr mit 71 Gegentoren.

Neuzugänge im Team drin

Jonjoe Kenny überzeugte bisher voll. Er bringt als rechter Außenverteidger mehr Schwung auf der Außenbahn.
Jonjoe Kenny überzeugte bisher voll. Er bringt als rechter Außenverteidger mehr Schwung auf der Außenbahn. City-Press

Innenverteidiger Felip Uremovic, Außenverteidiger Jonjoe Kenny oder Mittelfeldabräumer Ivan Sunjic integrierten sich megaschnell. Flügelflitzer Chidera Ejuke war bei seinem Debüt im 1:2-Test gegen West Bromwich auch sofort drin im Team.

Gute Chemie zwischen Manager und Trainer

Bobic und Schwarz verstehen sich prima. Der Coach hat einen Härtejob, weil er auf neue Spieler warten muss und andere gehen werden. Das hat er in den ersten Wochen gut moderiert. Es gab nie ein Klagen und Drängeln wegen der Transfers.

Das läuft noch nicht rund

Es fehlt noch ein Stürmer

Neuer Offensivfußball ist gut, doch da muss auch ein echter Knipser her. Der Sturmhüne Ludevic Ajorque (28) von Racing Straßburg soll’s werden. Doch er braucht, wenn er denn da ist, Zeit, um das Spielsystem von Schwarz zu verinnerlichen.

Lähmender Transferstau

Stellvertretend fürs größte Dilemma bei den Abgängen steht Angreifer Kris Piatek. Ein Wechsel des Polen zieht sich wie ein Kaugummi. Verkaufen, wieder verleihen? Italien oder doch eventuell Dortmund? Das Thema muss schnell vom Tisch.

Drei Pleiten in England

Dodi Lukebakio, Marc Oliver Kempf und Ivan Sunjic waren nach dem 1:2-Test gegen West Bromwich etwas bedient.
Dodi Lukebakio, Marc Oliver Kempf und Ivan Sunjic waren nach dem 1:2-Test gegen West Bromwich etwas bedient. imago images/Räppold/Koch

Es waren nur Testspiele. Ergebnisse sind da zweitrangig. Trotzdem nagt das 0:1 gegen Derby, das 1:3 gegen Nottingham und besonders das 1:2 gegen West Bromwich ein bisschen am Selbstbewusstsein. Es war eine misslungene Generalprobe fürs Pokalspiel.

Keine Durchschlagskraft

Die Spieler haben das Schwarz-System verinnerlicht. Hohes Pressing, frühes Attackieren des Gegners. Doch gelungene Angriffe sind zu selten. Weiß auch Schwarz: „Nach vorne müssen wir noch konsequenter, präziser sein. Einige Automatismen sind da, aber das muss besser werden. Es ist ein Entwicklungsprozess.“

Lukebakios langsamer Lernprozess

Dodi Lukebakio ist ein brillanter, schneller Techniker, doch er scheitert zu oft an sich selbst. Von der Laufbereitschaft fürs Team hat er zugelegt, doch er spielt oft immer noch zu umständlich und verliert sich in unnützen Zweikämpfen, anstatt zum Mitspieler zu passen.

Stimmung der Fans

Die Hertha-Fans in der Ostkurve geben vollen Support, doch viele andere Anhänger sind noch skeptisch.
Die Hertha-Fans in der Ostkurve geben vollen Support, doch viele andere Anhänger sind noch skeptisch. dpa

Viele Anhänger sind nach drei miesen Jahren skeptisch und sehen schon wieder den Untergang, obwohl die Saison noch nicht begonnen hat. Ändern können das in erster Linie nur die Profis. Den Rucksack haben sie erst mal zu tragen.

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