Im September 2018 blieb Bayerns Torjäger Robert Lewandowski (r.) ohne Treffer, weil ihn Niklas Stark ausschaltete. Hertha gewann 2:0. Foto: imago images/Popow

Hertha BSC liegt am Boden, der FC Bayern ist der Überflieger der Bundesliga. Für den Tabellenführer soll der Auftritt im Olympiastadion am Freitag um 20 Uhr so aussehen: Einfliegen, siegen und schnell zum Wüstentrip nach Katar abdüsen, wo die Klub-WM wartet. Hertha sagt: Bayern, nüscht da, dit könnt ihr knicken!

Damit der Rekordmeister am Freitagabend noch mit dem Charterflieger aus Berlin wegkommt, wurde die Partie um eine halbe Stunde vorverlegt. Für die Bayern soll die Krisen-Hertha nur eine kleine Zwischenstation und Punktelieferant sein. Doch wird es wirklich so eine einfache Zwischenlandung für die Münchner?

„Wenn die Bayern ein guten Tag erwischen, hast du kaum eine Chance, etwas zu holen. Haben sie einen mittelmäßigen oder schlechten, dann musst du deine Chance nutzen“, erklärt Trainer Pal Dardai.

Die Vorzeichen für einen Bayern-Patzer sind durchaus da. Die Klub-WM in der Wüste wäre der sechste Titel innerhalb von acht Monaten, ein Vereinsrekord. Der Fokus liegt bei Trainer Hansi Flick und den Profis seit Tagen darauf. Hertha könnte nicht ganz so ernstgenommen werden.

Bayern hat in der Bundesliga ein beruhigendes Sieben-Punkte-Polster vor Verfolgerchen Leipzig. Könnte auch zu Nachlässigkeit führen.

Der Triple-Gewinner kommt nicht mit der vollen Truppe. Leon Goretzka und Javi Martinez dürfen nach einem positiven Corona-Test nicht antreten.

Dazu könnten Niklas Süle, David Alaba wegen Wechselgerüchten abgelenkt sein. Und Jerome Boateng hat den Kopf wegen seines Rosenkriegs mit seiner Ex-Freundin voll.

Noch entscheidender: In den vergangenen Jahren haben sich die Bayern oft schwergetan gegen Hertha. Das Hinspiel gewannen die Münchner in der Nachspielzeit nur glücklich mit 4:3. Dardai holte in seiner ersten Amtszeit gegen Bayern in neun Spielen drei Unentschieden und einen 2:0-Heimsieg im September 2018.

Eine Wiederholung in der Krise ist nicht ausgeschlossen. Dardai krempelt das Team seit dreizehn Tagen um und er hat mit Rio-Weltmeister Sami Khedira (33) endlich einen Leitwolf für die bisher führungslose Truppe. Seine ruhige Souveränität im Spielaufbau und sein Selbstbewusstsein beeindruckt selbst die Superstars der Bayern.

„Du musst effektiv sein und dich ins Spiel reinbeißen. Wir sind vorbereitet und ich habe ein gutes Gefühl“, erklärt der Coach. Momentan sind die Blau-Weißen krasser Außenseiter, doch das kann der entscheidende Vorteil sein. Es gibt keinen großen Druck. Sportdirektor Arne Friedrich betont: „Ich wünsche mir, dass wir mutig sind und mehr Lust haben zu gewinnen, als Angst davor zu verlieren.“

Das Heimspiel gegen Bayern: Es ist der beste Zeitpunkt, mit einem Wundersieg den Weg aus der Krise zu schaffen und Bayern mit einer Pleite in die Wüste zu schicken.