Hertha-Trainer Bruno Labbadia kann es nicht glauben. Seine Spieler bringen sich immer wieder um den Lohn ihrer Arbeit.  Foto: Imago Images

Zu einfach, zu billig! Cheftrainer Bruno Labbadia führt seinen Spielern die schmerzhaften Fehler der vergangenen vier Spiele per Video vor Augen. Damit es auch wirklich in den Köpfen der Herthaner klick macht und sie endlich die Früchte ihrer Arbeit ernten, fordert der KURIER: Schluss mit dem Slapstick, Zeit über einen Sieg zu lachen!

Dass Fehler im Profi-Fußball knallhart bestraft werden, bekommt Hertha diese Saison bisher schonungslos vor Augen geführt. Würde es für jeden Bock einen Punkt geben, Herthas Konto wäre prallgefüllt. 12 Gegentore nach fünf Spielen sind deutlich zu viel. Defensiv schlechter sind nur die sich seit mehr als neun Monaten im freien Fall befindenden Schalker (19) und die kriselnden Mainzer (15). 

Bereits drei Elfmeter verursacht 

Zu viel gewollt: Stürmer Jhon Cordoba foulte Leipzigs Willi Orban und verursachte den entscheidenden Elfmeter. 
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Dabei muss Labbadia jedes Wochenende wie ein fieses Déjà-vu vorkommen. Zuletzt kassierten die Blau-Weißen mal wieder zwei Gegentore der Marke „absolut unnötig“ bei der 1:2-Pleite bei RB Leipzig. „Es war eindeutig mehr drin. Aber wir bekommen beide Gegentore wieder zu billig“, fasst er die individuellen Fehler enttäuscht zusammen.

Denn wie schon gegen Frankfurt und beim FC Bayern war es mal wieder ein Strafstoß, der Hertha das Genick brach. Drei Elfer nach fünf Spielen sprechen eine eindeutige Sprache und sind Liga-Höchstwert. Weil jedes Wochenende ein anderer Spieler einen kapitalen Bock schießt, bringt sich Hertha um den Lohn der eigenen Arbeit. „Das macht es uns derzeit schwer“, gesteht Labbadia.

Zur Wahrheit gehört trotz der angespannten Lage im Westend aber auch, dass die Blau-Weißen meist besser gespielt haben, als es die Tabelle hergibt. Besonders in der Offensive ist die Qualität groß: Mit neun Toren liegt Hertha auf dem geteilten 5. Platz.  Klar ist aber auch: Gegen den VfL Wolfsburg (Sonntag, 18 Uhr) müssen Punkte her! Gelingt der erste Dreier seit dem ersten Spieltag in Bremen (4:1), rückt Hertha den Wölfen auf die Pelle. Folgt das nächste Slapstick-Spiel, klafft bereits eine Sieben-Punkte-Lücke auf den VfL. 

Ohne Fans, mit Guendouzi?

Daran will Labbadia nicht denken. „Die Mannschaft hat sehr viel richtig gemacht, selbst in Unterzahl top verteidigt“, schöpft er lieber Hoffnung aus dem RB-Spiel. Gegen Wolfsburg könnte Arsenal-Leihgabe Mattéo Guendouzi (21) erstmals dabei helfen, die Fäden im Mittefeld zu ziehen und die Schotten vor der Abwehr dicht zu machen.

So paradox es nach vier Pleiten aus fünf Spielen klingt: Tatsächlich läuft bei Hertha immer mehr zusammen. Taktisch machten seine Spieler ein starkes Spiel. Ebenso besser: die Körpersprache. Gingen die Köpfe nach den (billigen) Gegentoren gegen Stuttgart (0:2) direkt nach unten, wehrten sich die Herthaner lange gegen übermächtige Leipziger – selbst in Unterzahl. „Daran müssen wir anknüpfen und keinen Deut nachlassen“, fordert Labbadia, dessen Spieler ohne die Unterstützung der Fans auskommen müssen. 

Setzt seine Mannschaft das um und macht Schluss mit dem Slapstick vor dem eigenen Tor, stehen die Chancen gut, dass alle Herthaner am Sonntag endlich mal wieder über einen Sieg lachen!