Hat das Kommando von Herthas Cheftrainer Pal Dardai während der Quarantäne übernommen: Athletik-Coach Henrik Kuchno. Foto: City-Press

Verkehrte Welt im Hause von Herthas Fitness-Trainer Henrik Kuchno! Der blau-weiße Schleifer macht während der Quarantäne den Profis im Homeoffice Beine und nimmt, neben dem Homeschooling seiner beiden Kinder, auch noch Herthas Spielerfrauen unter seine Fittiche. 

„Bei manchen Einheiten machen sogar die Familienmitglieder der Spieler mit“, berichtet Kuchno und scherzt: „Vielleicht habe ich doch einen anderen Ruf, als man glaubt.“

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Der Grund: Der 47 Jahre alte Athletik-Coach wird von Profis geschätzt wie gefürchtet. Neben vielen kreativen und harten Übungen sorgt vor allem seine tiefe, basslastige Stimme dafür, dass die Spieler ganz offen von einer „Hassliebe“ zu ihm sprechen.

Jetzt im Homeoffice strapaziert er allerdings die Nerven seiner Frau und Kinder. „Ich glaube, die eigene Familie kann mich nicht mehr hören. Das ist eher ein Problem, das ich habe“, unkt Kuchno, dessen Sohn und Tochter derzeit von zu Hause unterrichtet werden. „Aber sie wissen, dass es dazugehört und wie ich bin. Von daher noch alles gut“, sagt Kuchno mit einem Schmunzeln.

Ich habe keinen Zauberstab. Sicherlich wird uns irgendwas passieren.

Henrik Kuchno

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Zum Glück ist ein Ende absehbar. Bereits in einer Woche endet Herthas 14-tägige häusliche Isolation. Bis dahin hat Kuchno das Kommando von Cheftrainer Pal Dardai übernommen. Um für den Horror-Spielplan mit sechs Spielen in drei Wochen gerüstet zu sein, drillt Kuchno die Spieler genauso intensiv wie auf dem Platz. „Was die Kondition betrifft, habe ich keine Bauchschmerzen", sagt er und erklärt: „Was spannend wird, sind die intensiven fußballspezifischen Sachen wie schnelle Richtungswechsel, Abstoppen oder Sprints.“ 

So bitter es ist, Kuchno rechnet mit Verletzungen zum Restart: „Ich habe keinen Zauberstab. Sicherlich wird uns irgendwas passieren. Das wird eine Gratwanderung der Beanspruchung.“

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Damit die bevorstehende Belastung so gut es geht simuliert wird, greift Kuchno neben zwei Apps, die ihm Daten wie Herzfrequenz und gelaufene Kilometer liefern, auch auf seine kreativen Ideen zurück. Kuchno: „Es kommt immer auf die Möglichkeiten zu Hause an. Manche haben einen Garten, bei anderen müssen Möbel verrückt werden oder es muss in die Tiefgarage ausgewichen werden.“

Den Gute-Laune-Onkel will Kuchno aber nicht spielen. „Dafür bin ich auch nicht bekannt“, sagt er und macht noch mal klar, dass die blau-weiße Stunde der Wahrheit geschlagen hat: „Es bleibt auch keine Zeit für Befindlichkeiten. Wir müssen Spiele gewinnen.“