Krzysztof Piatek erzielt per Elfmeter den Ausgleich für Hertha BSC. Matthias Koch

Das ist der schönste Blitzrücktritt bei Hertha BSC – der Rücktritt als taumelnde Chaos-Truppe der Bundesliga in nur 45 Minuten. In der Pause sah es nach der nächsten Klatsche (vergangene Woche 0:5 gegen Köln) für Blau-Weiß – 0:3-Rückstand bei Fortuna Düsseldorf. Doch dann schlugen die Hertha-Profis trotzig und kämpfend zurück und retteten ein 3:3.

Unruhestifter und Ex-Trainer Jürgen Klinsmann hat mit seinem üblen Nachtreten gegen den Verein ordentlich dazu beigetragen, dass die Profis sich von ihrer eigenen schlechten Leistung ablenken konnten. So sah nämlich das schlechte blau-weiße Gesicht in der ersten Halbzeit aus. Interimstrainer Alexander Nouri wechselte auf sieben Positionen, darunter auch Torwart Thomas Kraft für Rune Jarstein. Doch es brachte zunächst nichts. Die erste Halbzeit war eine Kopie des 0:5-Desasters gegen Köln. Früher Rückstand nach nur sechs Minuten, weil Lukas Klünter beim Steilpass schlief und Gegenspieler Kenan Karaman fast ungehindert den Ball durch die Beine von Kraft zum 1:0 schob.

Vier Minuten später liefen die Blau-Weißen nach eigener Ecke in einen Konter. Erik Thommy spazierte durch den Hertha-Strafraum ohne nennenswerte Gegenwehr und traf aus halblinker Position zum 2:0. Den bitteren Nachschlag gab es dann durch Karaman zum 3:0 (45.+1).  In dem Moment hätte keiner mehr an irgendeine Wende im Spiel geglaubt.

Doch nach der Pause bäumte sich das Team auf. Und wurde in der 64. Minute belohnt. Düsseldorfs Thommy machte per Hand ein Eigentor zum 1:3. Drei Minuten später traf Neuzugang Matheus Cunha aus sechzehn Metern flach ins rechte Eck zum 2:3. Plötzlich waren die Blau-Weißen wieder im Spiel drin und wurden mutig. Verteidiger Jordan Torunarigha mit starkem Pass auf Stürmer Krzysztof Patek. Der Pole wird von Fortuna Keeper Kastenmeier zu Fall gebracht – Elfmeter! Piatek verwandelte zum 3:3 (75.). Ein irres Spiel, eine moralisch starke Aufholjagd. Hertha hält immerhin den Sechs-Punkte-Vorsprung auf den Tabellensechzehnten vom Rhein. Das Remis ist wie ein gefühlter Sieg, der wichtig für das Selbstvertrauen im Abstiegskampf ist. Das ist ein Mega-Punkt mit Mehrwert.