Eine Bild des Jammers! Herthas Profis sitzen tief enttäuscht nach dem 1:2 in Dortmund auf dem Rasen. Die Werbebande im Hintergrund wirkt wie blanker Hohn: „Karte für mehr Events“. dpa/Inderlied

Brutaler kann kein Team noch auf den Relegationsplatz stürzen. Hertha BSC hatte drei Matchbälle in Bielefeld (1:1), gegen Mainz (1:2) und jetzt beim 1:2 in Dortmund, um den Klassenerhalt klarzumachen. Alle vergeben in den letzten Spielminuten! Stuttgart setzte mit dem Siegtreffer zum 2:1 gegen Köln in der zweiten Minute der Nachspielzeit den endgültigen Schlag in die Magengrube der blau-weißen Profis. Schafft es Trainer-Guru Felix Magath (68), die Köpfe vor dem Relegations-Hinspiel im Olympiastadion gegen Tabellendritten der Zweiten Liga, den Hamburger SV am Donnerstag (20.30 Uhr, Sat.1) wieder hochzubekommen?

In Dortmund flossen bei einigen Spielern Tränen, andere schüttelten fassungslos den Kopf wegen des Tiefschlags. 17 Stunden später standen die Profis wieder auf dem Schenckendorffplatz. Ob sie wirklich noch mal aufstehen können?

Magath im Freizeitlook

Felix Magath: statt Trainingsklamotten am Sonntag mit grauer Hose und weißem Polo-Shirt auf dem Trainingsplatz Imago Images/Nordphoto/Engler

Magath versucht alles. Der Schleifer hat selbst noch mal eine Bewährungsprobe und sein Führungsstil hat sich noch mal schlagartig geändert. Keine Peitsche, sondern eher Zuckerbrot. Er trat ein paar Minuten später auf den Trainingsplatz, nicht in Sportklamotten, sondern im Freizeitlook mit grauer Hose und weißem Polo-Shirt. Eine Viertelstunde redete er auf die Spieler ein, machte ihnen Mut.

Magath: „Das ist nicht der Worst Case“

Er erinnerte noch mal an das Positive in Dortmund: „Unsere Mannschaft hat sich als Erstligist präsentiert. Deshalb bin ich zuversichtlich. Das ist nicht der Worst Case. Jetzt haben wir die Chance, zweimal zu zeigen, dass wir ein Erstligist sind. Ich sehe uns gewappnet für die Relegation!“ Magath hatte schon vorher mehrmals verkündet, dass er sich darauf freue. Psychologische Weitsicht …

„Wir haben ja von Platz 17 aus den direkten Abstieg vermeiden können“, ist seine Argumentation. Verordneter Positivismus, damit die Spieler nach dem Relegationsschock wieder an sich glauben – so schnell wie möglich. Deswegen geht es ab Dienstag auch ins Mini-Trainingslager im Olympia-Zentrum nach Kienbaum – bis Donnerstag, dem Tag des Relegations-Hinspiels gegen den HSV, gegen Magaths Heimatklub.

Nach zehn Jahren wieder Relegation

Für Hertha ist es nach 2012 das zweite K.-o.-Spiel-Drama um den Klassenerhalt. Vor zwölf Jahren waren die Vorzeichen sogar positiver, weil sich das Team unter Trainer Otto Rehhagel am letzten Spieltag noch von Platz 17 auf Rang 16 retten konnte. Die Stimmung war da optimistischer. Trotzdem nützte es nichts.

Die Blau-Weißen verloren das Hinspiel 1:2 gegen Düsseldorf und das Rückspiel (2:2) endete im Skandal mit einem Platzsturm der Fortuna-Fans. Über Wochen klagte Hertha BSC damals beim DFB-Sportgericht. Es half nichts. Hertha stieg zum sechsten Mal in der Vereinsgeschichte ab. Jetzt droht der siebte Absturz in die Zweite Liga …

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