Chefcoach Felix Magath erklärt Co-Trainer Vedad Ibisevic, worauf es im Fußball ankommt. Seine Kniffe machen den Hertha-Profis endlich Beine. Foto: imago

Der erste große Matchball auf den Klassenerhalt wurde beim 1:1-Drama in Bielefeld leichtfertig verspielt. Doch statt dem verschenkten Sieg nachzutrauern, geht Hertha-Cheftrainer Felix Magath sofort in die Offensive, legt das nächste Strohfeuer, indem er kräftig gegen den FC Bayern austeilt. Wenig später legt der Trainer-Guru sogar noch einen drauf: Relegation gegen den HSV? So brutal manipuliert Magath die Hertha-Stars!

Während vielen Fans und auch noch den Hertha-Profis die Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben war, wusste der 68 Jahre alte Magath nur wenige Minuten nach dem Abpfiff auf der Alm, was zu tun war: Von den eigenen Fehlern ablenken und seine Spieler aus der Schusslinie nehmen. Mit seiner Bayern-Schelte und dem Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung durch die 1:3-Pleite der Münchner B-Elf in Mainz machte Magath ein neues Fass auf, über das ganz Fußball-Deutschland am ersten Mai-Wochenende diskutierte.

Der Plan ging also auf – und war beileibe nicht Magaths erster gelungener Psycho-Trick. Der KURIER zeigt, mit welchen Kniffen der Trainer-Guru seine Mannschaft im Kampf um den Klassenerhalt manipuliert. Denn Magath hat so einige Methoden.

Magaths Methoden wirken bei Hertha

Suspendierungs-Signal: Ishak Belfodil, zuvor unter Magath in zwei von drei Spielen in der Startelf, wurde vor der Partie in Augsburg angeblich wegen mangelnder Trainingsleistung rasiert. Magaths eigentlicher Plan: Noch einmal jeden wachrütteln, keiner soll sich zu sicher sein. Mit doppeltem Erfolg: Hertha fightete wie seit Jahren nicht mehr, gewann mit 1:0 in Augsburg. Und eine Woche später machte der zuvor ausgebootete Algerier das erlösende Tor zum 2:0 gegen Stuttgart.

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Hertha-Trainer Felix Magath setzte mit der Suspendierung von Ishak Belfodil ein Zeichen und rüttelte den Algerier aber auch die Mannschaft wach.

Premium-Plattenhardt: Der Linksverteidiger war bis zum 27. Spieltag ohne Torbeteiligung. Seit Magath das Hertha-Zepter schwingt, ist Platte förmlich explodiert. Magaths Kniff beim sensiblen Ex-Nationalspieler: Platte auf eine Stufe stellen wie David Beckham. „Sein linker Fuß ist eine Waffe. Die müssen wir nutzen“, redete Magath Plattenhardt stark. Und siehe da: Platte und sein linker Fuß sind wieder da (drei Torvorlagen in fünf Spielen).

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Marvin Plattenhardt blüht unter Trainer Felix Magath endlich wieder auf, auch weil der Trainer-Guru Platte unglaublich starkredete.

Boss Boateng: Weder Pal Dardai noch Tayfun Korkut wussten etwas mit dem Routinier anzufangen. Nicht fit genug oder zu langsam, so das unisono Urteil. Magath drehte den Spieß um, machte den Teilzeit-Profi wieder zum richtigen Anführer und nutzte die unbestrittenen fußballerischen Qualitäten des 35 Jahre alten Prince Boateng trotzdem, indem er Boateng offensiver spielen lässt. Seitdem überzeugt Boateng nicht nur mit Sprüchen, sondern auch mit Leistung.

Magath droht Hertha mit der Relegation

Teenager Wollschläger: Der 19 Jahre alte Nachwuchsstürmer Luca Wollschläger war nach seiner mit Mittelstädt verdaddelten Mega-Möglichkeit am Boden zerstört. Magath sprach den Teenager aber von jeder Schuld frei: „Ich habe keine Ahnung, warum er bedröppelt sein sollte.“ Wollschläger habe beim Debüt „eine klasse Partie gemacht und alles, was ich mir gewünscht habe. Mit seiner Leistung war ich so was von zufrieden, das können Sie sich gar nicht vorstellen.“

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Hertha-Trainer machte Prince Boateng wieder zum Anführer auf dem Platz. Der Mittelfeldmann bedankt sich mit Leistung.

Relegations-Drohung: Magaths jüngster Kniff beweist, dass er seine Tricks auch für sich selbst anwendet. Nichts wird ihn mehr motiviert haben, als Hertha mindestens auf Platz 15 zu retten, um so in jedem Fall einem möglichen Relegationsspiel gegen den Hamburger SV, seinem Herzensklub, zu verhindern. Mit seinem persönlichen Worst-Case-Szenario kokettierte er nun nach dem Bielefeld-Spiel, obwohl das angesichts von vier Punkten Vorsprung auf Stuttgart weit weg ist: „Als ich diesen Job übernommen habe, war ich sicher, dass wir in der Relegation gegen den HSV spielen. Darauf arbeite ich nicht hin. Aber es würde mich auch nicht überraschen, wenn es zu dieser Konstellation käme.“

Magath manipuliert Hertha zum Besseren

Damit motiviert er sich nicht nur selbst, sondern stachelt seine Spieler vor dem nächsten Matchball gegen Mainz (Sonnabend, 18.30 Uhr) sogar an, ihn eines Besseren zu belehren.

Kurzum: Manipulation wird häufig als etwas Negatives angesehen. Laut Definition ist es aber nur „die Beeinflussung anderer Personen zum eigenen Vorteil“. Für Hertha sind Magaths Methoden sogar überlebenswichtig. Denn damit hat er der lange Zeit als untrainierbar geltenden Truppe neues Leben, neuen Mut und neuen Glauben eingehaucht – und Hertha damit so gut wie gerettet.

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