Plötzlich im Rampenlicht: Auf Kay Bernstein (41) kommt als neuer Präsident von Hertha BSC viel Arbeit zu.
Plötzlich im Rampenlicht: Auf Kay Bernstein (41) kommt als neuer Präsident von Hertha BSC viel Arbeit zu. City-Press/Jan-Philipp Burmann

Jung, frisch, aber auch unerfahren! Bei Hertha BSC beginnt nach der bleiernen Zeit unter Ex-Präsident Werner Gegenbauer (72) eine neue Ära mit dem Ex-Ultra Kay Bernstein (41). Kann er aus der grauen Maus bis Lachnummer der Nation wieder einen erfolgreichen, stolzen Verein machen? Diese und sechs weitere Fragen stellen sich jetzt.

Geht es endlich wieder aufwärts?

Nach drei Fastabstiegen trotz 374 Millionen Euro durch Investor Lars Windhorst muss Bernstein es schaffen, den Boss-Zoff endlich zu beenden, damit die Profis wirklich keine Alibis mehr haben. „Ich werde Mittwoch bei unserer Präsidiumssitzung alle einschwören. Nur gemeinsam geht es.“

Wie ist Bernsteins Führungsstil?

Anders als Gegenbauer ist Bernstein absoluter Teamplayer. Das hat er als Chef bei seiner Agentur bewiesen. So will er es auch bei Hertha. „Ich alleine kann es nicht. Ich brauche alle, jeder soll im Präsidium seine Stärken aktiv einbringen“, so Bernstein. Seine Hauptfähigkeit haben viele unterschätzt, auch bei der Wahl: Bernstein kann mit seiner authentischen Art Leute begeistern und mitnehmen.

Sind Ängste wegen Bernsteins Ultra-Vergangenheit berechtigt?

Eindeutige Antwort: nein! Bernstein war Ende der 90er Mitgründer der Fangruppe Harlekins und der Vorsänger in der Kurve. Spaß und Support steht dort im Vordergrund und nicht Gewalt. Zum Thema Pyrotechnik machte er seine Meinung eindeutig klar: „Pyrotechnik gibt es seit 25 Jahren im Stadion. Es geht um eine Debatte, wie verantwortlich damit umgegangen wird.“ Heißt: Geordnet unter Sicherheitsvorschriften ja, aber ein klares Nein gegen Leuchtraketen auf dem Spielfeld oder in Tribünen, wo Menschen verletzt werden können. Mit der Ansicht steht er als Vereinsboss in der Bundesliga sicher nicht alleine da.

Kann er die Mitglieder wieder vereinen?

Viele hegten vor der Wahl eine Skepsis gegenüber Bernstein, weil er aus nur aus einer Fangruppierung kommt und unerfahren ist. Bernstein: „Für mich steht nicht Ultra im Vordergrund, sondern Herthaner. Das sind wir alle!“ Erste Reaktionen im Internet von Mitgliedern deuten an, dass er es packen kann. „Ich war vorher nicht für Bernstein. Aber jetzt, wo er gewählt wird, sollten wir ihn alle unterstützen“, heißt es da von zahlreichen Mitgliedern.

Bekommt Bernstein einen Schulterschluss mit Präsidiumsmitglied Ingmar Pering hin?

Die Szene hatte Symbolkraft, als sich Bernstein mit den sieben weiteren Präsidiumsmitgliedern zum Gruppenfoto im CityCube aufstellte. „Jetzt alle mit Schulterumarmung“, sagte er. Alle machten mit, nur einer nicht. Ingmar Pering. Erst war er Gegenkandidat, dann koalierte er mit dem unterlegenen Frank Steffel. Da gibt es neue Überzeugungsarbeit zu leisten …

Wie ist das Verhältnis zu Manager Fredi Bobic?

Kein Geheimnis: Bobic hätte sich Steffel als scheinbar soliden Präsidenten gewünscht. Jetzt hat er Bernstein. Der sagte dem Manager bereits volle Unterstützung zu. Bobic ist ein Pragmatiker. Die beiden werden einen kollegialen Umgang der schnellen, direkten Kommunikation pflegen.

Wird die Zusammenarbeit mit Lars Windhorst endlich besser?

Bernstein steht für Fankultur, Windhorst steht für Geld. In einer ersten Reaktion sagte Windhorst nach Bernsteins Wahl: „Wir gehen offen und ohne jeden Vorbehalt in die kommenden Gespräche. Es kann ja nur besser als früher werden.“

Mit Gegenbauer hatte Windhorst die Zusammenarbeit eingestellt. Auch Bernstein ist moderat: „Mit Lars Windhorst hinsetzen, Vertrauen aufbauen, abstimmen.“ Klingt erst mal gut, noch besser, was viele noch unterschätzen: Bernstein und Windhorst (45) sind fast gleich alt. Da gibt es bei der Kommunikation weniger Generationskonflikt.

Klar ist aber auch: Viel Zeit bleibt Bernstein nicht. Nach Gegenbauers Rücktritt wird bereits in zwei Jahren wieder ein neuer Präsident bei Hertha BSC gewählt.

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