Trainer Bruno Labbadia (r.) hat die nächste Baustelle. Er muss Cunha zum Teamplayer umerziehen. Foto: dpa

Wenn Bruno Labbadia am Montag die Hertha-Profis zum Training bittet, ist es sein 260. Tag als Cheftrainer der Blau-Weißen. Zum Jubeln ist dem Coach nicht. Dafür waren die bisher 13 Punkte in 13 Hinrundenspielen zu wenig. Was hat der Coach in 260 Tagen geschafft? Der KURIER schaut noch mal zurück.

Es war Ostermontag, der 13. April. Deutschland war wegen Corona zum ersten Mal im Ausnahmezustand. Doch den hatte Hertha schon länger. Nach drei Trainern (Ante Covic, Jürgen Klinsmann, Alexander Nouri) lag die Mannschaft verunsichert auf Platz 13. Labbadia verzichtete für die restlichen Saisonspiele auf sein Gehalt. Zunächst musste er ohne physischen Kontakt nur per Videokonferenzen die Spieler kennenlernen. Ein vollständiges Training war kurze Zeit später noch nicht wieder erlaubt. Nur Achter-Gruppen waren zulässig. Dazu sorgte Salomon Kalou mit seinem Kabinen-Video für einen Eklat. Der Ivorer wurde suspendiert.

Länderspiele stören Rhythmus

Trotz der enormen Widrigkeiten gelang Hertha beim Restart der Liga am 16. Mai ein 3:0 in Hoffenheim. Es war der wichtigste Sieg der Saison. Es folgte der schönste – 4:0 im Derby gegen Union, Klassenerhalt gesichert. Am Ende standen die Blau-Weißen auf Platz 10 mit 41 Punkten.

Labbadia setzte dabei auf seine Erfahrung und Routine. Kapitän Vedad Ibisevic, Per Skjelbred, Vladimir Darida und Peter Pekarik, die vorher bei den anderen Trainern so gut wie aussortiert waren, gaben dem Team wieder Ordnung.

Die Rettung war aber nur ein Teil seines Jobs. Zum gleichen Zeitpunkt musste er mit Manager Michael Preetz und Sportdirektor Arne Friedrich an einer Mannschaft für die neue Saison arbeiten. Ohne Ibisevic, Skjelbred und Kalou. Jünger, offensiver sollte sie sein. Millionen Euros waren dafür dank Investor Lars Windhorst da. Doch die große Sommer-Shopping-Tour fiel aus. Labbadia war damit einverstanden: „Die Preise sind während der Pandemie überhöht.“

Beim Trainingsauftakt war gerade mal ein neuer Profi dabei. Der französische Mittelfeldspieler Lucas Tousart, der von Olympique Lyon kam. Immerhin konnte Labbadia eine Woche später Außenverteidiger Deyo Zeefuik und Torwart Alexander Schwolow begrüßen. Zum Saisonstart war Stürmer Jhon Cordoba vom 1. FC Köln an Bord. Erst Anfang Oktober stießen Verteidiger Omar Alderete, Mittelfeldspieler Matteo Guendouzi als Leihspieler und der vom FC Augsburg zurückgeholte Eduard Löwen als Last-Minute-Zugänge dazu.

Labbadia platzt der Kragen wegen Cunha

Eine richtige Chance, dass sich das Team mit teuren, talentierten Einzelkönnern einspielt, gab es nicht. Dieser Prozess wurde auch noch bis November durch drei Länderspielpausen unterbrochen. „Das soll keine Ausrede sein, aber diese Pausen treffen uns gerade besonders, weil wir eine neue Mannschaft entwickeln“, erklärte Labbadia.

Erst im November waren zaghafte Fortschritte sichtbar, die erahnen ließen, dass Labbadia einen schnellen, aggressiven Offensivfußball spielen lassen will. Doch da verletzte sich Stürmer Cordoba beim 3:0 in Augsburg. Der erste echte Rückschlag. Labbadia übte sich in Geduld und verteidigte immer wieder das Team: „Wir sind in einer Entwicklung. Aber natürlich brauchen wir mehr Punkte. Damit sind wir nicht zufrieden.“

Doch mit der gütigen, väterlichen Friedfertigkeit war nach dem 1:4 in Freiburg Schluss. Labbadia platzte der Kragen, weil sich Matheus Cunha nicht an taktische Anweisungen hielt und lustlos spielte. Hertha kann sich keine Ich-AGs auf dem Rasen leisten. Das wird ab Montag erst mal die Hauptarbeit sein. Problemlösebär Labbadia muss seine Tatzen ausfahren.