Hertha-Manager Michael Preetz sieht den 1. FC Union auf Augenhöhe. Foto: dpa

Bruno Labbadia holte tief Luft. Die anhaltenden Corona-Debatten scheinen Herthas Cheftrainer vor dem Derby gegen den 1. FC Union langsam zu ermüden. „Es ist natürlich schade“, sagte Labbadia über das Berliner Stadtduell, das am Freitagabend anstatt vor fast 75.000 Zuschauern bekanntlich ohne Publikum stattfindet. „Wir können uns wollen uns damit nicht mehr beschäftigen“, erklärte Labbadia.

Gleichwohl weiß Labbadia um den Stellenwert des Spiels – unter normalen Umständen. „Für mich sind diese Spiele das Salz in der Suppe. Ein Derby ist immer etwas Besonderes. Die ganze Stadt fiebert daraufhin“, sagte Labbadia, der sowohl als Spieler als auch als Trainer schon einige Nachbarschaftsduelle erlebte. „Für mich fehlt etwas, keine Frage. Es wäre eine gigantische Kulisse unter Flutlicht geworden. Da hätte ich total Bock drauf gehabt.“ Einen Vorteil für seine Spieler, die in der Vergangenheit des Öfteren in Drucksituationen Nerven zeigten, sieht Labbadia durch das Geisterspiel nicht.

Das war ein dürftiger Auftritt von uns, ein rabenschwarzer Tag. Keine Frage, das hatte Nachwehen.

Michael Preetz über das verlorene Derby im November

Auch für Manager Michael Preetz sei das Duell gegen die Eisernen „kein Derby, wie wir uns das alle wünschen. Aber es bleibt ein Spiel, das eine hohe Brisanz hat“. Besonders für die Blau-Weißen. Tief sitzt der Stachel des verlorenen Hinspiels (0:1) im November an der Alten Försterei. „Das war ein dürftiger Auftritt von uns, ein rabenschwarzer Tag“, erinnert sich Preetz: „Keine Frage, das hatte Nachwehen.“

Nicht nur wegen des Hinspiels sind die Herthaner gewarnt. „Union ist ein guter Gegner. Sie sind verdient aufgestiegen und machen es dieses Jahr sehr gut“, lobte Labbadia: „Urs Fischer macht dort tolle Arbeit. Sein Team macht es jedem Gegner schwer. Wir sind gefordert viel Bewegung reinzubringen und kämpferisch abzuliefern.“ Preetz sieht Union gar auf Augenhöhe: „Union hat gegen Bayern (0:2) ein gutes Spiel gemacht. Wir müssen davon ausgehen, dass es ein komplett offenes Spiel wird.“

Fans kritisieren Geisterspiele scharf

Sorgen, dass Fans zum Stadion pilgern, sich in der Stadt versammeln oder dass es wie im Hinspiel zu Ausschreitungen kommt, hat Preetz keine: „Wir sind mit der aktiven Fanszene und den Sicherheitsbehörden im Austausch und erwarten außerhalb des Platzes einen ruhigen Ablauf.“ Er gehe davon aus, dass alle die gerne dabei gewesen wären, das Spiel zu Hause verfolgen werden. Den Zuschauern am Fernsehen verspricht Preetz „ein intensives Spiel, einen packenden Kampf“.

Bereits am Dienstag teilte ein großer Teil der blau-weißen Fanszene mit, dass sie die Fortsetzung der Fußball-Bundesliga unter den derzeitigen Bedingungen auch nach dem ersten Geister-Spieltag strikt ablehnen. „Dieses ganze Schauspiel hat nichts mit dem Fußball zu tun, den wir lieben und unterstützen“, erklärte der Förderkreis Ostkurve, ein Zusammenschluss verschiedenster Fanclubs. Es sei zudem offen, „ob mit den Geisterspielen das Überleben der Vereine oder doch schlichtweg die Rettung der bestehenden Gehaltsstrukturen in Millionenhöhe gesichert werden soll“, schrieb die Hertha-Fanorganisation auf Twitter: „Die Bundesligen sind abhängig von den TV-Geldern. Deshalb soll nun allein für das Fernsehen Fußball gespielt werden.“