Hertha-Präsident Kay Bernstein legt Wert auf eine neue Verabschiedungskultur – Skandal-Investor Lars Windhorst bekommt sie allerdings nicht zu spüren.
Hertha-Präsident Kay Bernstein legt Wert auf eine neue Verabschiedungskultur – Skandal-Investor Lars Windhorst bekommt sie allerdings nicht zu spüren. Imago/Matthias Koch, Imago/Nordphoto

Seit seinem Amtsanritt im Sommer versucht Kay Bernstein als neuer Präsident von Hertha BSC mit einem vorgelebten Kulturwandel vor allem Wärme in den Klub zu pumpen. Dass der Nachfolger von Werner Gegenbauer aber auch eiskalt sein kann, bekommt nun 374-Millionen-Invetsor Lars Windhorst zu spüren. Präsident Bernstein knallharrt: Windhorst bekommt keinen Hertha-Abschied!

Bernstein hält bisher Wort. „Die Verabschiedungskultur ist bei Hertha ein Teil des Problems“, erklärte der Ex-Ultra im Wahlkampf, versprach eine blau-weiße Zeitenwende und lieferte: Kaum im Amt verabschiedete er im August verdiente Herthaner, darunter auch Ex-Manager Michael Preetz, der bereits im Januar 2021 beurlaubt wurde.

Das Ziel: Bernstein will Brücken bauen, auch dort, wo bei Hertha BSC besonders tiefe Gräben verlaufen.

Hertha BSC: Kay Bernstein will Lars Windhorst nicht verabschieden

Blau-weißer Kulturwandel: Hertha-Präsident Kay Bernstein verbabschiedet Ex-Manager Michael Preetz zu Beginn der neuen Saison.
dpa/Soeren Stache
Blau-weißer Kulturwandel: Hertha-Präsident Kay Bernstein verbabschiedet Ex-Manager Michael Preetz zu Beginn der neuen Saison.

Skandal-Investor Windhorst wird jedoch nichts von der neuen Hertha-Wärme zu spüren bekommen. Bernstein eiskalt: „Ich kann es mir nicht vorstellen, weil dafür zu viel passiert ist. Dafür hat Hertha BSC am Ende von der ganzen Unruhe nicht wirklich profitiert. Das frage ich mich in der Tat auch, wie man in der Situation die Abschiedskultur wirklich leben soll.“

Das Ausmaß von Windhorsts Spionage-Affäre sorgte für einen Bruch, die Trennung ist jedoch noch nicht perfekt. Windhorst will seine 64,7 Prozent der Anteile an der ausgegliederten Profiabteilung trotz eines drohenden Mega-Verlusts verkaufen, hat mit der US-Firma 777 Partners einen neuen Investor an der Angel.

Bernstein blickt nach seinem Blitz-Besuch in Miami und einem Geheimtreffen mit 777 Partners in Berlin positiv in die Zukunft. Ein Wechsel von Windhorst zu 777 Partners würde dem Verein „erst mal mehr Ruhe, mehr Sachlichkeit und ein größeres Miteinander für die beste Lösung für Hertha BSC“ bescheren.

Hertha BSC: Bernstein verteilt Spitze gegen Windhorst

Bernstein verrät weitere Details der Treffen mit 777 Partners: „Sie haben ebenso wie wir ihre Hausaufgaben gemacht und bringen an ganz vielen Stellen eine Expertise mit, von der wir durchaus profitieren können. Sie haben ein Netzwerk an Datenanalysten, Finanzexperten, an sportlicher Expertise.“ Und Bernstein sieht noch einen weiteren Vorteil: „Sie bringen andere Blickwinkel mit. Und ich finde, dass man oft für die beste Entscheidung unterschiedliche Blickwinkel braucht.“

Ein solcher Prozess hätte Hertha wohl auch vor dem Deal mit Windhorst gutgetan. Anderseits rettete der zwielichtige Finanzjongleur Hertha mit seinen Millionen-Zahlungen vor einer möglichen Insolvenz.

Dass weiß auch Bernstein, der die Zusammenarbeit mit Windhorst als „für alle Seiten gescheitert“ ansieht und den Pleitier dann doch noch verabschiedet – allerdings mit einer Spitze: Sollte 777 Partners die Windhorst-Anteile übernehmen, wäre das die „zweite Sache“, die Windhorst „in den letzten dreieinhalb Jahren gut für Hertha BSC gemacht hat“.

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