Marko Grujic traf früh zur Hertha-Führung. imago-images/Picture Point

Hertha reitet mit Trainer Bruno Labbadia weiter auf der Erfolgswelle. Fast keiner hat es für möglich gehalten. Doch die Blau-Weißen holen einen starken Punkt beim Topklub RB Leipzig – 2:2 (1:1). Das war ein Spiel der Extraklasse.

Schlusspfiff in der Leipziger Arena: Labbadia pustet durch, macht die Wangen ganz dick und hebt die Siegerfaust. Manager Michael Preetz kommt auf ihn zu und beide machen den Unterarmgruß. Geschafft, wieder ein wichtiger Zähler. Nach dem 3:0 in Hoffenheim und dem 4:0 gegen den 1. FC Union das nächste dicke Ding. Zuvor hatte Hertha gegen Leipzig nur einmal gewinnen können. In den anderen sechs Partien setzte es meistens deftige Klatschen.

Diesmal ist alles ganz anders. Wieviel Gier plötzlich in der Truppe steckt, zeigt Marvin Plattenhardt. Er kracht mit dem Kopf in Leipzigs Tyler Adams, liegt benommen auf dem Platz, will weiter machen. Drei Minuten später schlägt er eine Ecke und Marko Grujic trifft zum 1:0. Während der Torschütze jubelt, ist Platte etwas benommen und kann nicht mehr richtig geradeaus schauen. Weitere zwei Minuten später lässt er sich taumelnd auswechseln. Maxi Mittelstädt ersetzt ihn.

Natürlich machen die Leipziger danach Druck und kommen zum Ausgleich, weil Torschütze Grujic für eine halbe Sekunde bei einer Ecke zu langsam ist. Lukas Klostermann entwischt ihm und köpft zum 1:1 (24.) ein. Ein Dämpfer, aber wer jetzt vermutet, dass die Blau-Weißen geschockt sind und sich ihrem Schicksal ergeben, der irrt gewaltig. Hertha spielt weiter munter mit. Das ist schon etwas erstaunlich gegen diese starken Leipziger, die vom Tempofußball leben.

Auch nach der Pause geht es so weiter. Matheus Cunha ist gegen seinen Ex-Klub besonders heiß. Marcel Halstenberg kann ihn nur mit einer Grätsche stoppen – Gelb-Rot (63.). „Nach dem Platzverweis dachte ich, jetzt haben wir eine Chance zu gewinnen“, erklärt Labbadia. Doch dann leistet sich ausgerechnet Keeper Rune Jarstein einen Bock, schiebt nach einem Schuss von Patrik Schick den Ball mit der Hand im Nachgreifen ins Tor – 1:2 (68.).

„Das war ein ekliger Aufsetzer, den Ball habe ich mir selbst reingeschlagen – das war Pech“, so der Norweger. Selbst das bringt die Blau-Weißen aber nicht aus der Bahn. Labbadia lobt: „Nach dem blöden Gegentor hat die Mannschaft toll reagiert.“ Wieder dreht Cunha auf, diesmal foult ihn Ademola Lookman ziemlich plump im Strafraum – Elfmeter! Der eingewechselte Krzysztof Piatek tritt an, macht ein paar Tippelschritte und verwandelt cool ins linke, untere Eck zum 2:2 (82.). Punkt gerettet.

Piatek glücklich: „In dem Moment habe ich mich selbstbewusst gefühlt.“ Noch glücklicher ist Labbadia: „Wir hätten auch gerne gewonnen, die Möglichkeiten waren da. Der Auftritt meiner Mannschaft war von der ersten Sekunde gut.“ Was für eine Verwandlung dieser Truppe mit diesem Coach.