Ein Foto mit Seltenheitswert: Peter Pekarik (33) erzielte in seinem 189. Liga-Spiel sein erst zweites Tor. Foto:  Ottmar Winter

Er steht bei Bruno Labbadia seit Tag eins hoch im Kurs – und zahlt das Vertrauen des Cheftrainers immer und immer wieder zurück! Neuerdings sogar als Torschütze. Keine Frage, die Verwandlung von Rechtsverteidiger Peter Pekarik stiehlt sogar Herthas neuen Ballermännern die Show. Der Slowake erlebt in seinem neunten (!) Hertha-Jahr ein blau-weißes Märchen.

„Er wird wirklich langsam zum Torjäger“, antwortete Labbadia auf die KURIER-Frage und konnte sich im Bremer Presseraum das Grinsen nicht verkneifen. Pekarik macht seinen Trainer froh – weil er Hertha beim 4:1-Sieg überhaupt erst auf die Siegerstraße brachte, indem er im entscheidenden Moment zur Stelle war und das 1:0 markierte. „Wie er es gemacht hat, war super. Wenn ein Außenverteidiger da noch mitgeht, ist das immer ganz schwierig zu verteidigen. Er macht diese Wege und ist dafür belohnt worden“, lobte Labbadia.

Pekariks Verwandlung ist beeindruckend. Acht Spielzeiten war der 33-Jährige, der 2012 ablösefrei vom VfL Wolfsburg an die Spree wechselte, stets in der Defensive gefragt. Pekarik machte seinen Job meist grundsolide, genießt auch deswegen seit Jahren den Ruf als „Musterprofi“. Im blau-weißen Rampenlicht standen aber immer andere. Dabei will es Pekarik am liebsten auch belassen. „Für mich ist das Wichtigste, dass wir das Spiel gewonnen haben“, erklärte er nach dem geglückten Liga-Start.

Der Teamplayer bleibt demütig. Auch, weil der Vollblutherthaner schon die dunkle Seite des Geschäfts erlebte. Von vielen Verletzungen geplagt machte er in den vergangenen Jahren kaum ein Spiel, verlor seinen Stammplatz an Lukas Klünter – bis Labbadia in der Corona-Zwangspause übernahm.

Unter dem Hessen, dessen Fußball aktiv und nach vorne ausgerichtet sein soll, mutiert Pekarik plötzlich zum Torjäger. Bei Labbadias Hertha-Debüt in Hoffenheim (3:0) wurde ihm das 2. Bundesligator seiner Karriere noch geklaut, indem sein abgefälschter Schuss als Eigentor gewertet wurde. Dafür traf er beim bitteren 4:5 im Pokal in Braunschweig vergangene Woche zum zwischenzeitlichen 3:3 – und feierte nun eine Woche später sein zweites Erfolgserlebnis im 189. Liga-Spiel.

„Das wurde auch mal Zeit“, scherzte Labbadia. „Ich freue mich sehr für ihn. Er ist ein Vorbild für die jungen Spieler. Wie er arbeitet, wie er sich präsentiert. Er ist einfach sehr professionell. Genau das brauchen wir. Dass er so gut spielt, hilft uns, den nächsten Schritt zu machen“, schwärmt Labbadia regelgerecht.

Genau wegen dieser Eigenschaften bekam Pekarik vor der Saison einen neuen Einjahresvertrag. „Die Verlängerung bedeutet mir sehr viel. Ich möchte dem Team wieder helfen, und vor allem haben wir das Ziel, eine bessere Saison spielen!“, erklärte der dienstälteste Herthaner Ende Juni. Dass er daran als Torjäger einen großen Anteil hat, hätte er wohl selbst nicht gedacht.