Matheus Cunha lupfte an Bayerns Keeper Manuel vorbei. Das Leder rollte neben den Pfosten. Tor zum Ausgleich verpasst. Foto: imago images/Koch

Der Fußballgott spielt Schicksal und verteilt in dieser Saison nicht mal eine kleine Portion Glück an Hertha BSC. Nach dem knappen 0:1 gegen den FC Bayern ist klar: Der Abstiegskampf wird bis zum letzten Spieltag ein brutaler Psycho-Krimi. Trainer Pal Dardai weiß es und kämpft mit Optimismus gegen das schleichende Gift der Selbstzweifel bei den Profis an.

Einen Tag nach der Niederlage durch ein abgefälschtes Glücks-Bogenlampe-Tor von Kingsley Coman (28.) und der verpassten Last-Minute-Ausgleichschance durch Matheus Cunha (89.) fasste Dardai die Gefühlslage so zusammen: „Natürlich tut den Spielern das weh, wenn du so ein gutes Spiel machst und genug Torchancen hast. Das hat nicht nach Kampf ausgesehen, sondern nach Fußball – und das gegen Bayern. Aber wenn du keine Punkte holst, fehlt irgendwas.“

Für die Aufbauarbeit in den Köpfen verteilte der Ungar, der seit 13 Tagen im Amt ist, nur Lob: gute Disziplin, die Stürmer spielten Chancen raus, die Truppe arbeitet mit Willen im Training.

„Ich akzeptiere vieles. Aber ich akzeptiere nicht, wenn jemand mit einem griesgrämigen Gesicht rumläuft, wenn er nicht spielt. Ich muss mich darauf verlassen, dass auch die Ersatzspieler, wenn sie raufkommen, sofort 100 Prozent bringen“, sagt Dardai. Es ist verordnete gute Laune in schweren Zeiten.

Der Coach hat im Turbotempo auch die Spielphilosophie geändert. „Für aggressives Gegenpressing haben wir nicht die Profis. Das braucht Zeit, um es zu erlernen. Wir müssen kontrolliert spielen, dann umschalten.“ Für den Abstiegskampf ist das die beste Lösung.

Deswegen hat Dardai auch das Training umgestellt und fährt so mitten in der Saison hohes Risiko: „Wir arbeiten an der Schnellkraft, die wir fürs Umschalten brauchen. Den Platz haben wir schon kaputt trainiert. Die Jungs ziehen voll mit. Aber wir müssen aufpassen, dass es keine Muskelverletzungen gibt.“ Der erste Erfolg war gegen Bayern zu sehen: „Ich bin froh, dass das Mittelfeldzentrum erst mal funktioniert. Santiago Ascacibar und Lucas Tousart machen das gut“, so Dardai.

Doch was passiert dann mit Promi-Zugang Sami Khedira, der auch auf der Sechs spielt? Der Ex-Nationalspieler muss erst richtig fit werden. Beim Kurzauftritt in den Schlussminuten war klar zu sehen: Ihm fehlt noch die Antrittsgeschwindigkeit bei Laufduellen. Khedira: „Ich weiß, dass ich hierher komme und nicht sofort 90 Minuten spiele. Wann das soweit ist, entscheidet der Trainer. Wir sind in sehr, sehr gutem Austausch.“ Der Rio-Weltmeister lässt seine Erfahrung und macht Mut: „Wenn wir so arbeiten, so spielen, werden wir die nächsten Wochen auf jeden Fall Punkte holen.“