Niklas Stark will bei Hertha vorangehen. Doch der Verteidiger muss erst mal wieder Stammspieler werden.  Foto: Ottmar Winter

„Ich spiele dort, wo der Trainer mich aufstellt.“ Kaum ein Spruch gilt in der Fußball-Branche als abgedroschener. Für Hertha-Verteidiger Niklas Stark (25) passt er vor der neuen Saison aber wie die Faust aufs Auge. Stark sagt vor seiner sechsten blau-weißen Saison: „Ich will einfach nur spielen.“

Dass sich der Franke viel vorgenommen hat, kann man im Training beobachten. Stark wirkt drahtig wie selten, kann sogar annähernd mit Laufwunder Vladimir Darida mithalten. Um topfit in die Vorbereitung zu starten, schuftete Stark bereits im Sommerurlaub mit einem Personal Trainer.

Der Grund: Eine Spielzeit wie die vergangene will Stark nicht mehr erleben. „Wir hatten vier Jahre einen Trainer. Dann in einem Jahr vier Trainer“, fasst Stark die turbulente Hertha-Saison zusammen. Der Tiefpunkt für ihn war die Degradierung unter Ex-Trainer Jürgen Klinsmann, just nachdem er nach teils kuriosen Verletzungen im November endlich sein DFB-Debüt gefeiert hatte. Sogar ein Winter-Wechsel stand im Raum.

Jetzt will Stark sich durchbeißen. Noch einmal volle Pulle Hertha, lautet seine Devise. Langt das nicht, um wieder blau-weißer Stammspieler zu werden, könnten sich die Wege trennen. „Wenn ein Angebot kommen sollte, kann ich darüber nachdenken“, sagt Stark. Aber: „Bisher war nichts dabei und es ist auch nicht mein Wunsch.“

Das Problem: Auch unter Trainer Bruno Labbadia ist seine Situation noch die gleiche. Dedryck Boyata (29) und Jordan Torunarigha (23) haben in der Innenverteidigung weiter die Nase vorn. „Ich kann nicht sagen, warum er so ein Jahr hinter sich hatte. Aber die anderen beiden haben es genutzt“, erklärte Labbadia erst zu Wochenbeginn.

Dafür lobt Herthas Cheftrainer Starks Vielseitigkeit: „Niklas’ Vorteil ist, dass er auf zwei Positionen spielen kann.“ Was für Trainer ein Segen ist, ist für Spieler häufig ein Fluch. Stark sieht es anders. Ihm gefällt auch die Position im defensiven Mittelfeld. Doch wie in der Abwehrzentrale tobt dort der größte blau-weiße Konkurrenzkampf.

Was Hertha derzeit noch fehlt, ist eine neue Hierarchie. Und ein Kapitän. Stark weiß, dass er Taten statt Worte sprechen lassen muss. Der U19- und U21- Europameister sagt aber auch: „Es ist meine Art, Führungsspieler zu sein.“

Das will er in den kommenden drei Wochen bis zum Saisonstart beweisen. Dass unmittelbar vor dem ersten Pflichtspiel noch eine Länderspielpause ansteht, gefällt Labbadia nicht. Für Stark könnte es eine Chance sein, um sich in Abwesenheit der Konkurrenten wieder in den Vordergrund zu spielen. Kontakt zu Bundestrainer Löw hatte er vor seiner Saison der Wahrheit nicht.