Bilder, die jeder Blau-Weiße am liebsten vergessen würde: 2012 stieg Hertha mit Peter Niemeyer (vierter v.l.) in der Relegation gegen Düsseldorf ab. Foto: City-Press

Für Peter Niemeyer (36) geht es nach so vielen Jahren in der Bundesliga in Holland eher beschaulich zu. Beim FC Twente war er bis zuletzt  Co-Trainer und Leiter des Nachwuchszentrums. Aber derzeit holt ihn die Vergangenheit mit voller Wucht ein. Sein Herzensverein Werder Bremen muss in den Play-offs gegen den 1. FC Heidenheim (Donnerstag, 20.30 Uhr) ran. Aus schmerzhafter Hertha-Erfahrung weiß Niemeyer: Relegation ist die Hölle.

„Der Abstieg mit Hertha in der Relegation mit all seinen Umständen war der dunkelste Moment meiner Karriere, das wünsche ich niemandem“, erklärt Niemeyer im Interview mit dem Werder-Portal Deichstube über Herthas Abstieg in der Relegation 2012 gegen Fortuna Düsseldorf.

Die Erfahrung hat sich so tief eingebrannt, dass sich der Ex-Hertha-Kapitän noch genau daran erinnert. „Ich glaube nicht, dass wir Düsseldorf damals unterschätzt haben, das war nicht der Punkt“, sagt Niemeyer. Hertha steckte damals in einer Negativ-Spirale, der nicht zu entkommen war. „Wir hatten eine völlig verkorkste Saison gespielt und sind nach dem Abstieg zwei Jahre zuvor und dem direkten Wiederaufstieg mit enormem Druck in die Spiele (1:2 in Berlin, 2:2 in Düsseldorf, d. Red.) gegangen. Woche für Woche haben wir in Krisensitzungen Fehler analysiert, versucht uns wiederaufzurichten – und dann gab es den nächsten Nackenschlag.“

So haben ihn die Hertha-Fans in Erinnerung: Peter Niemeyer gab auf dem Platz immer alles. 
Foto: City-Press

Seit dem Ende seiner Laufbahn 2018 arbeitete Niemeyer bis zuletzt als Co-Trainer bei seinem Jugendklub Twente Enschede. Der Kontakt zu Werder, für die der Defensiv-Allrounder von 2007 bis 2011 spielte, ist nach seinem Hertha-Wechsel 2011 nie abgerissen. In Niemeyers Brust schlagen weiterhin zwei Herzen: Mit Hertha feierte er zwei Aufstiege, mit Werder stand er 2009 im Uefa-Cup-Finale (1:2 n.V. gegen Schachtjor Donezk) und im Endspiel des DFB-Pokals (1:0 gegen Bayer Leverkusen).

Auch die Relegation hat den Charakter eines Finals. Doch der Druck, den man als Spieler spürt, sei nicht zu vergleichen. „Das ist etwas ganz anderes. In der Relegation geht es um Existenzen. Vor der Reise nach Düsseldorf haben wir Spieler damals Mut machende Briefe von den Mitarbeitern des Vereins mitbekommen. Da steckten so viele Emotionen drin, da musste ich schon schlucken“, verrät Niemeyer: „Wir waren uns der Verantwortung bewusst und trotzdem hat es nicht geklappt.“

Jetzt drückt er Werder die Daumen. Zwar kündigte Heidenheims Trainer Frank Schmidt bereits an: „Wir wollen die Sensation und werden alles dafür probieren.“ Doch Niemeyer glaubt, dass das Momentum nach Bremens 6:1-Sieg gegen Köln und Heidenheims 0:3-Pleite in Bielefeld auf Seiten der Elf von Trainer Florian Kohfeldt liegt. „Werder muss seine Vorteile auf den Platz bringen. Der Druck ist immens, es geht für Bremen um die Existenz. Das wissen die Spieler. Kohfeldt wird dafür sorgen, dass alle fokussiert bleiben.“