Herthas Geschäftsführer Fredi Bobic (r.) gab Trainer Tayfun Korkut den Laufpass. Foto: dpa

Am 25. Juli begeht Hertha BSC mal wieder ein Jubiläum – 130 Jahre. Die Feierlichkeiten werden sich in Grenzen halten. Vor fünf Jahren – beim 125-Jährigen – fiel die Party noch größer aus, da glaubten die Blau-Weißen noch an eine goldene Zukunft. Hertha hatte mit Pal Dardai zwei Monate vorher den Einzug in die Europa League geschafft. Und jetzt? Statt zu Athletic Bilbao könnten die Reisen nächste Saison nach Paderborn, Regensburg oder Sandhausen in der Zweiten Liga gehen.

Der Absturz des stolzen Traditionsvereins geht seit Sonntag in die nächste Runde. Erfolglos-Trainer Tayfun Korkut (47) wurde nach dem 0:2 in Gladbach und dem Absturz auf Abstiegsplatz 17 gefeuert – wahrscheinlich viel zu spät. Jetzt soll Felix Magath (68) den Klub in acht Spielen noch vor dem Abstieg retten. Ob es es dem Trainer-Methusalem gelingt?

Bobic: „Es bleiben noch acht Spiele“

Um 11.15 Uhr vermeldete Hertha die Entlassung des Coaches, der eine desaströse Rückrunde mit null Siegen, zwei Unentschieden und neun Pleiten hinlegte. „Nach intensiver Analyse und Bewertung der aktuellen sportlichen Situation hat sich die Geschäftsführung von Hertha BSC dazu entschieden, Tayfun Korkut mit sofortiger Wirkung von seinem Amt als Cheftrainer der Lizenzmannschaft zu entbinden“, hieß es in der offiziellen Mitteilung.

Manager Fredi Bobic gibt die Hoffnung nicht auf, dass der Klub, den er seit Sommer 2021 übernommen hat, doch noch nächste Saison in der Bundesliga spielen darf: „Es bleiben noch acht Spiele, um die nötigen Punkte für den Klassenerhalt zu holen. Dafür werden wir alles tun und wollen mit dieser Entscheidung unterstützen, dass alle Beteiligten noch mal intensiver für die Situation sensibilisiert sind, und setzen auf die positiven Effekte eines Neuanfangs.“

Team zerlegt in knapp drei Jahren

Bei Korkuts letztem Spiel in Gladbach sollten es die Teenies Linus Gechter und Anton Kade richten, aber die beiden konnten sich auch nur trösten. Foto: Imago Images/Räppold/Koch

Versuchte Neuanfänge gab es in den vergangenen knapp drei Jahren schon genug. Nach der ersten Dardai-Ära wurde der Verein ab Sommer 2019 auf allen Ebenen kaputtgedoktert. Korkut ist nach Ante Covic, Jürgen Klinsmann, Alexander Nouri, Bruno Labbadia und Dardai der sechste gescheiterte Trainer. Die 374 Millionen Euro von Investor Lars Windhorst haben Hertha seit dem Sommer 2019 total aus den Fugen geraten lassen. Eine funktionierende Mannschaft wurde im Halbjahresrhythmus zerlegt. Teure Stars, Ich-AGs, kein Teamgeist. Bereits unter Ex-Manager Michael Preetz war die Kohle so gut wie verbraucht.

Bobic übernahm vor neun Monaten einen Sanierungsfall. Angetreten war er mit der treffenden Analyse, dass die ständigen Trainerwechsel alles durcheinandergebracht haben. „Wir wollen auf dem Posten Kontinuität“, sagte er.  Und ergänzte: „Und Entwicklung der Mannschaft.“ Die gab es nach seiner Ansicht nicht ausreichend bei Dardai. Korkut sollte mehr Offensive wagen.

Korkut war ein fataler Fehlgriff

Trainer Tayfun Korkut geht nach dem 0:2 in Gladbach vom Platz. Ein Abgang mit Ansage. Foto: dpa

Das Resultat sieht man jetzt: Bei Dardai gab es in 13 Spielen 13 Tore und 27 Gegentore, bei Korkut waren es in 13 Spielen auch nur 13 Tore, aber 33 Gegentreffer. Dafür aber nur neun Punkte. Das Trainer-Experiment ist krachend gescheitert. Und jetzt? Acht Spiele Existenzkampf – mit wem auch immer als Coach – dauert das blau-weiße Leiden noch an. Der Abstieg ist gerade wahrscheinlicher als der Klassenerhalt. Doch auch das hat ja Tradition. Michael Preetz stieg in seiner ersten Saison als Manager ab. Fredi Bobic könnte das gleiche Schicksal ereilen. Das 130. Hertha-Jahr könnte ganz grausam werden.

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