Bis zum Ende der Corona-Krise verzichtet Labbadia bei seinem Wunschverein auf viel Geld. Foto: Imago Images

Berlin - Berlin Vorhang auf für die erste Corona-Trainer-Vorstellung der Bundesliga-Geschichte. Hertha präsentierte am Ostermontag mit Bruno Labbadia den vierten Cheftrainer der Saison. Im blau-weißen Medienraum, in dem sich im November zig Journalisten und Fotografen bei der ersten Pressekonferenz von Jürgen Klinsmann tummelten, waren bei Labbadias Antrittsrede genau sieben Reporter zugelassen.

„Das ist aber ein Bild“, staunte Labbadia über den leeren Saal. Dass die Journalisten den Corona-Abstand einhielten, „finde ich schon mal gut“, stellte Herthas Neuer mit einem Schmunzeln fest. Labbadias gute Laune war spürbar. Daran änderten auch die ungewöhnlichen Umstände seiner offiziellen Vorstellung nichts.   „Ich habe total Bock darauf“, erklärte der Ex-Nationalspieler über seine neue Aufgabe und verriet: „Ich hatte mehrere Anfragen, auch aus dem Ausland. Hertha war aber mein Wunschverein. Ich sehe in der Mannschaft Potenzial, aber auch im Verein.“

Der skurrile Rahmen, den das Coronavirus der Gesellschaft und dem Fußball vorgibt, ist für Labbadia Fluch und Segen zugleich. Segen, weil er durch die derzeitige Zwangspause überhaupt erst an den Hertha-Job kam, wie Michael Preetz (52) gleich zu Beginn nochmals unterstrich: „Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass keiner so richtig weiß: Wann geht es weiter, wie geht es weiter?“, begründete der Manager die Trennung von Labbadias Vorgänger Alexander Nouri, die eigentlich erst im Sommer geplant war. Preetz: „Wir hoffen alle, dass die Saison zu Ende gespielt wird. Aber eins ist aus unserer Sicht klar: Wir werden diesen Sommer nicht so erleben, wie wir es gewohnt sind. Wir werden keine reguläre Sommerpause haben.“

Schwierige Situation für Labbadia

Aufgrund der Ausnahmesituation verzichtet Labbadia bis zum Ende der Zwangspause auf „weite Teile“ seines Gehalts. „Das ist eine tolle und bemerkenswerte Geste. Sie zeigt, dass er auch in dieser Situation sehr reflektiert die Gesamtzustände im Blick hat“, lobte Preetz.

Gleichzeitig ist die Situation für Labbadia alles andere als einfach. „Wir müssen aus dem, was wir haben, das Beste machen. Das Ziel ist, die Mannschaft optimal auf den Tag X vorzubereiten“, sagte Labbadia vor seiner ersten Trainingseinheit am gestrigen Nachmittag.

Weil das Team nur in Kleingruppen üben darf, habe er   mit seinem Trainerteam ein Konzept entwickelt, wie man trotz des Kontaktverbots vernünftig arbeiten kann – und dabei den Profis die neue Spielphilosophie näher bringt.

Welche Art von Fußball Hertha-Fans zukünftig sehen sollen, wollte Labbadia noch nicht verraten. Der Hesse trocken: „Arbeiten geht vor erzählen.“

Dass viel Arbeit auf ihn zukommt, weiß Labbadia: „Man hat das volle Paket mitgenommen, mehr geht gar nicht“, sagte er mit Blick auf die Stimmung im Team: Das hat jetzt zwar den vierten Trainer vor sich, aber weiterhin nur sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. „Ich bin mir der Situation bewusst, dass es nicht so ist, dass wir hier herkommen, kurz mit den Finger schnipsen und es funktioniert.“

Die blau-weißen Ziele habe sich trotz der Schieflage nicht geändert: Klassenerhalt, internationaler Wettbewerb, Angriff auf die Ligaspitze. „Wir haben die Ambitionen. Bruno will auch in der Tabelle nach oben. Bevor wir die Früchte ernten, sollten wir mit der Arbeit beginnen“, mahnte Preetz.

Die Gesundheit geht vor

Dass Labbadia Teams aus dem Abstiegssumpf bis nach Europa führen kann, hat er bis letzten Sommer in Wolfsburg bewiesen. „Das dort Erreichte hat mir so viel Power und Lust gegeben“, erklärte Labbadia, „dass ich gar keine Auszeit gebraucht hätte.“

Labbadia sprüht vor Tatendrang – weiß aber auch, dass es noch dauern kann, bis die letzten neun Spieltage gespielt werden: „Das kann in drei bis   fünf Wochen oder auch im August sein.“ Wann und wie es weitergeht, entscheidet die Politik, wie Preetz unterstrich: „Die Gesundheit steht über allem.“ Deswegen müssten ausreichend Corona-Tests zu Verfügung stehen, bevor der Ball wieder rollt.

Bis dahin werden die Hertha-Profis ihren neuen Trainer nur auf dem Übungsplatz kennenlernen. Dass das kein Zuckerschlecken wird, kündigte Labbadia bereits an: „Ich kann keine Freude haben, wenn ich keinen Erfolg habe. Wenn ich bereit bin, viel zu tun, wird sich das auszahlen.“