Blicken gemeinsam in die Zukunft: Manager Fredi Bobic hat mit Hertha BSC und Trainer Sandro Schwarz (r.) noch viel vor. 
Blicken gemeinsam in die Zukunft: Manager Fredi Bobic hat mit Hertha BSC und Trainer Sandro Schwarz (r.) noch viel vor.  City-Press

Als ich vor Tagen eine außergewöhnliche Aussage von Herthas Sportchef Fredi Bobic las, erlebte ich ein Déjà-vu. Angesprochen auf mögliche Verstärkungen noch in der Transferperiode bis zum 31. Januar sagte Bobic: „Wir haben keinen Euro!“ Das ist hart.

Mir kamen sofort Erzählungen von altgedienten Hertha-Fans aus dem traditionsreichen „Anhängerclub Oberring“ in den Sinn, die mir einst berichteten, wie sie zu Weihnachten 1985 auf dem Kurfürstendamm vielen Passanten Blechbüchsen unter die Nase hielten und riefen: „Ham se nich mal ne Mark für ne jute Sache? Für unsre klamme Hertha …“

Hertha BSC: Fredi Bobic dreht jeden Euro um

Naja, so schlimm wie einst, als Hertha BSC Mitte der 1980er Jahre zwischen Zweiter Liga und Amateurlager ein tristes Dasein fristete, ist es um den Klub 2023 natürlich nicht bestellt. Die Sammelbüchsen sind längst passé. Doch Bobic muss angesichts finanzieller Altlasten drastisch sparen. Rund um den Jahreswechsel verkaufte er zahlreiche Profis und entlastete so das schmale Budget. Dennoch sollen nun überraschend doch noch einige Euros zur Verfügung stehen, damit der für den Sommer avisierte Stürmer Florian Niederlechner vom FC Augsburg sofort nach Berlin kommen kann.

Fredi Bobic rührt auch in Zukunft die Werbetrommel für Hertha BSC – hier mit Enrique Camacho vom Testspielgegner Millonarios FC in Florida.
City-Press
Fredi Bobic rührt auch in Zukunft die Werbetrommel für Hertha BSC – hier mit Enrique Camacho vom Testspielgegner Millonarios FC in Florida.

Der Spagat für Bobic ist groß: Er muss trotz Sparzwang ein konkurrenzfähiges Team in die zweite Hälfte der Saison schicken, die jetzt binnen acht Tagen drei schwere Gegner parat hält: VfL Bochum, VfL Wolfsburg und 1. FC Union!

Hertha BSC: Projektmanager Bobic hat noch viel vor

Nicht nur wegen seiner Aktivitäten auf dem Transfermarkt steht Fredi Bobic im Fokus. Er stieg gar zum Hauptthema auf, weil er im Personal-Puzzle des Klubs die Schlüsselfigur ist. Der Mann, der den permanenten Umbruch bei Hertha betreibt, wurde zum Objekt von Spekulationen. Fakt ist, dass er einer der Wunschkandidaten des DFB für die Nachfolge des nach der WM zurückgetretenen Sportdirektors Oliver Bierhoff war.

Als das Interesse öffentlich wurde, antwortete Bobic, 51, zuerst mit einem „Jein“. Erst in den letzten Tagen im Trainingslager in Florida bekannte er sich deutlich zu Hertha BSC, wo er bis 2024 unter Vertrag steht. „Ich bin happy bei Hertha. Die Jungs sind mir ans Herz gewachsen. Es gab nie eine Bewerbung von mir beim DFB“, formulierte es der Sportchef.

Als zwischenzeitlich der meist bestens informierte Kicker Bobic als Wunschlösung des DFB nannte, konnte auch ich mir gut vorstellen, dass Bobic das Angebot reizt. Andererseits ist der ehemalige Nationalspieler bekannt dafür, dass er eine Aufgabe, die er ähnlich wie Jürgen Klinsmann als „Projekt“ ansieht, auch gerne zu Ende führt. Beim VfB Stuttgart stand er einst vier Jahre in der Verantwortung, bei Eintracht Frankfurt fünf Jahre. Bobic besitzt den Ruf, ein „Projektentwickler mit begrenzter Verweildauer“ zu sein, der einen Zeitplan von vier bis fünf Jahren als sinnvoll ansieht, um Großes zu bewerkstelligen. Bei Hertha steckt er also erst mittendrin, um mit Geduld und Geschick eine Mannschaft zu schaffen, die im oberen Mittelfeld der Liga angesiedelt sein sollte.

Hertha BSC: Folgt Bobic auf Völler beim DFB?

Nun wird ja Rudi Völler,62, als Haupt-Kandidat für die Bierhoff-Nachfolge gehandelt – wenigstens bis zur EM 2024 im eigenen Land. Als der allseits beliebte „Rudi Nationale“ 2004 während der Europameisterschaft in Portugal als DFB-Teamchef zurücktrat, war ich als Reporter hautnah dabei.

Die deutsche Mannschaft mit Angreifer Fredi Bobic (damals bei Hertha unter Vertrag) war nach der Vorrunde ausgeschieden. Am 24. Juni 2004 verkündete Völler im Hotel „Ria Park Garden“ in Almancil nahe Faro seinen Rücktritt. Jetzt scheint er vor einem überraschenden Comeback beim DFB zu stehen. Bobic aber wird insgeheim als dessen möglicher Nachfolger nach der EM in Deutschland gehandelt – ob er es will oder nicht. Dann würde ein Mittelstürmer und Europameister von 1996 einen anderen Mittelstürmer und Weltmeister von 1990 beerben. Aber: das sind reine Spekulationen. Die befeuern weiter die Fantasie.

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