Marton Dardai (20) gilt als Juwel. Die vergangene Saison lief für den Verteidiger bei Hertha BSC dennoch enttäuschend. Imago

Wenn ein Name für Hertha BSC steht, dann dieser: Dardai. Papa Pal und seine drei Söhne prägen die blau-weiße Familie seit 25 Jahren. Doch langsam, aber sicher ist die Dardai-Dynastie bei Hertha beendet. Der Letzte, der noch im Kader steht, ist Pals zweitältester Sohn Marton. Doch die Frage ist: Wie lange noch?

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Die Erfolgsgeschichte der Dardais bei Hertha BSC ist bekannt: 1997 kam Papa Pal als 21-jähriger Bursche aus Ungarn nach Berlin. Bis heute ist er mit 286 Bundesliga-Einsätzen Herthas Rekordspieler.

Dardai hielt seine Knochen für die Stars hin (allen voran für Marcelinho), lehnte ein Bayern-Angebot ab, sprang 2015 als Trainer und Retter ein, stabilisierte den Klub und kam 2021 abermals als Feuerwehrmann zurück – bis er vergangene Saison nach mächtig Zoff mit Sportchef Fredi Bobic am 13. Spieltag entlassen wurde.

Fredi Bobic hat für Pal Dardai keinen Hertha-Job

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Bekamen sich schnell und trotz der Vermittlung von Sportdirektor Arne Friedrich (l.) bei Hertha in die Haare: Sportchef Fredi Bobic (M.) und Trainer Pal Dardai (r.).

Nun scheint das Tischtuch zwischen den einstigen Mannschaftskollegen zerschnitten. Eine erneute Wiedereingliederung als blau-weißer Jugendtrainer schloss Bobic jedenfalls auf der turbulenten Mitgliederversammlung aus: „Über die Gründe werde ich nicht öffentlich reden. Das mache ich, wenn, dann mit Pal direkt.“

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Bitter, aber dafür schien bei Hertha ein neues Dardai-Märchen wahr zu werden: Während der älteste, Palko (23), den Durchbruch nicht schaffte und nach Ungarn wechselte, erlebte Marton (20) in der Saison 2020/21 einen kometenhaften Aufstieg, schaffte auf Anhieb den Sprung zu den Profis und wurde von Ex-Trainer Bruno Labbadia nicht nur gelobt, sondern auch extrem gefördert. Die Herzen der Fans flogen ihm zu: Marton wurde nach dem geschafften Klassenerhalt zum Herthaner der Saison gewählt, verlängerte seinen Vertrag bis 2025.

Hertha hat zu viele Innenverteidiger

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Unter Cheftrainer Felix Magath (68) bekam Marton Dardai (20) bei Hertha BSC auch nicht mehr Spielzeit als unter Vorgänger Tayfun Korkut.

Kein Jahr später stellt sich seine Situation ganz anders da: Unter den Trainern Tayfun Korkut und Felix Magath sah Marton kaum Land. Nur elf Einsätze (neun davon in der Startelf) sind für den Shootingstar des Vorjahres viel zu wenig. Passend zu seinem verkorksten Jahr, zwang Marton jüngst ein heftiger Infekt zu einer vorzeitigen Abreise von der U21-Nationalmannschaft. „Nichtsdestotrotz habe ich sehr viel gelernt und nehme umso mehr Erfahrung mit in die nächste Spielzeit, auf die ich mich jetzt schon freue“, erklärte Marton Dardai auf Instagram.

Doch die Vorzeichen stehen nicht besonders gut: Mit dem von Bobic verpflichteten Filip Uremovic hat Hertha sechs (!) Innenverteidiger im Kader: Die Rechtsfüße Dedryck Boyata, Linus Gechter, Uremovic und die Linksausleger Dardai, Winter-Zugang Marc Kempf und Jordan Torunarigha, der nach seiner erfolgreichen Leihe nach Belgien mit viel Selbstvertrauen zurückkehrt.

Hertha BSC: Dardai und Torunarigha bringen Millionen

Klar ist: Egal welches System der neue Cheftrainer Sandro Schwarz spielen lässt: Sechs Innenverteidiger sind einer zu viel. Dazu kommt: Bobic gibt offen zu, dass Hertha auf Einnahmen durch Spielerverkäufe angewiesen ist. Torunarigha oder Marton, angesichts ihres Marktwertes (beide 5 Mio. Euro) und ihres Alters bringen sicherlich am meisten Geld.

Bedeutet: Einer muss wohl gehen. Dardai galt bereits im Winter als Wechselkandidat, eine Leihe zum FC Basel kam aber auch wegen des personellen Notstands nicht zustande. Jetzt ist die Situation eine andere.

Übrigens: Mit Bence Dardai (16) stürmt selbst bei einem Marton-Abschied wenigstens noch ein Dardai für die U17. Von einer Dardai-Dynastie kann aber keine Rede mehr sein ...

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