Trainer Huub Stevens (r.) sollte auf dem Schenckendorffplatz eine neue Zeit bei Hertha einläuten. Doch seine Zeit war nach nur anderthalb Jahren abgelaufen. Manager Dieter Hoeneß zog im Dezember 2003 die Reißleine. Foto: Imago Images/Contrast

Ein Bagger und eine Planierraupe schnauben über den Sand auf dem Schenckendorffplatz. Herthas Trainingsfeld wird gerade saniert. Ein neuer Rasen und die Hoffnung nach einer neuen Ära bei den Blau-Weißen. Mythos Schenckendorffplatz. Hier wurde in zwei Jahrzehnten geschwitzt, gekämpft, gestritten und gelitten.

Es war im Sommer 2002. Der Platz an der Hanns-Braun-Straße auf dem Olympiagelände wurde offiziell der Hauptplatz der Hertha-Profis. In den Jahren davor trainierte zwar auch Aufstiegscoach Jürgen Röber (von 1996 bis 2002) schon dort. Aber nicht regelmäßig. Der Schenckendorffplatz war da nur eine gemähte Wiese – mehr nicht.

Dieters drittes Auge

Alles sollte bei Hertha anders werden. Am Ende der erfolgreichen Röber-Ära wurde kräftig auf dem Schenckendorffplatz gebaut. Eine moderne Drainage und eine Rasenheizung auf einem Feld wurden im Erdreich installiert. Eine Schwenkkamera wurde auf dem Platz mit einer Kabelverbindung zur Geschäftsstelle installiert und erhielt den Spitznamen „Dieters drittes Auge“. Der frühere Manager Dieter Hoeneß wollte so auch vom Büro aus sehen, wie trainiert wird.

Huub Stevens war bei seinem Dienstantritt im Juli 2002 der erste Coach, der den neuen heiligen Platz einweihen durfte. Eine neue Trainer-Ära sollte beginnen, doch diese scheiterte schon nach anderthalb Jahren. Nach Stevens folgten 17 (!) weitere Fußballlehrer, die auf diesem Trainingsplatz ihr Glück versuchten: Andy Thom, Hans Meyer, Falko Götz, Karsten Heine, Lucien Favre, Rene Tretschok, Friedhelm Funkel, Markus Babbel, Rainer Widmayer, Michael Skibbe, Otto Rehhagel, Jos Luhukay, Pal Dardai, Ante Covic, Jürgen Klinsmann, Alexander Nouri, Bruno Labbadia.

Hans Meyer brachte sogar die Grashalme zum Lachen

Die Grashalme des Platzes haben alles gehört und gesehen. Den kautzigen Hertha-Retter Hans Meyer, der 2004 im Januar übernahm und bei seiner ersten Trainingseinheit in seiner charmant-burschikosen Art die Spieler anredete. „Na, du kroatischer Nationalspieler“, sagte er zu Niko Kovac, um ihn zu provozieren, um mehr aus ihm herauszukitzeln. „Mensch Marko, du hast dich in den Jahren ganz schön verändert“, bekam Nationalspieler Marko Rehmer zu hören.

Lucien Favre überraschte bei seinem Amtsantritt 2007 alle, als er die Spieler Labyrinthrunden laufen ließ und dabei die Zeit eigenhändig stoppte. So einen Konditionstest hatte bisher keiner gesehen. „Impossibile“, so kommentierte er Fehler der Spieler. Der sonst zurückhaltende Taktikfuchs hatte Erfolg. Im Mai 2009 schnupperte Hertha an der Meisterschale. Vier Monate später Entlassung!

Funkel und der Winterfrost

Friedhelm Funkel übernahm. Hertha war trotzdem Tabellenletzter in der Winterpause, aber hatte den Rückrundenauftakt mit 3:0 bei Hannover gewonnen. Neue Hoffnung war da. Doch dann folgte am 23. Janaur ein 0:0 im Olympiastadion gegen Gladbach. Der nächste Tag war frostig. Minus 20 Grad und Schneegestöber. Der Schenckendorffplatz, eigentlich immer zügig und kalt, glich einer Polarstation im arktischen Eis. Funkel und alle Journalisten gingen ins warme Pförtnerhaus am Eingang des Geländes. Funkel verteidigte das enttäuschende Unentschieden so: „Man muss nicht jedes Heimspiel gewinnen.“ Die kleine auflodernde Flamme der Hoffnung war erloschen. Hertha stieg vier Monate später ab.

Es gab Markus Babbel, der den Wiederaufstieg 2011 schaffte und sich aus dem Vertrag fragwürdig herausdribbelte. Sein letzter Auftritt war auf dem Schenckendorffplatz am Sonntag nach dem 0:0 in Hoffenheim. Nachmittags wurde er gefeuert.

„Attack, Attack, go!“

Nach dem Trainerdesaster Michael Skibbe folgte Otto Rehhagel. Auf dem Trainingsplatz hieß es ab da „Attack, Attack, go!“ Reichte nicht, Hertha stieg wieder ab.

Jos Luhukay stieg mit den Blau-Weißen wieder auf, aber musste im Februar 2015 gehen. Der Schenckendorffplatz wurde von Vereinsdenkmal Pal Dardai wieder betreten. Nicht mehr als Spieler, sondern als Cheftrainer. „Ich werde die Fans hinter mir haben. Sie wissen, dass ich immer für den Verein gearbeitet habe“, erklärte er und schaffte als einziger eine Ära von viereinhalb Jahren.

Der Rest ist bekannt: Hertha verschenkte zwei Jahre mit vier Trainerexperimenten und der Schenckendorffplatz kam in die Jahre. Maulwürfe, Schimmelbefall und ein festgetretener, harter Boden. Jetzt wird saniert, das Erdreich aufgelockert, ein neuer Rollrasen verlegt. Zum Saisonstart soll alles fertig sein. Fertiggestellt für neue blau-weiße Hoffnungen, für eine neue Dardai-Ära.

Lesen Sie hier mehr über Hertha BSC!