Hertha-Manager Michael Preetz BK

Doppelter Sieg für Hertha BSC! Erst im Derby den Lokalrivalen 1. FC Union mit 4:0 verhauen, dann gestern den Kampf mit der Technik eindrucksvoll auf ganzer Linie gewonnen. Die Blau-Weißen hatten den Mut, als erster Bundesligist wegen der Corona-Krise die geplatzte Mitgliederversammlung in der Messehalle digital am Computer abzuhalten. Ein Wagnis, das ohne Störungen klappte. Die Notlösung wurde zum vollen Erfolg: Über 1700 Herthaner nahmen teil!

Das rege Interesse war verständlich. Schließlich wollten die Mitglieder genau hören, wie es zu vier Chefcoaches in der noch laufenden Saison kommen konnte. Manager Michael Preetz erklärte das Trainerkarussell. Ante Covic löste Pal Dardai im Sommer ab, musste dann im November gehen. Preetz: „Als wir uns das letzte Mal bei der Mitgliederversammlung gesehen haben, war Ante Covic noch Trainer. Die Trennung von Ante bedauere ich am meisten. Er ist ein Herthaner, ein feiner Mensch, ein guter Trainer. Wir haben ihm die Chance gegeben, die er verdient hatte durch jahrelange gute Arbeit im Verein. Es hat leider nicht funktioniert. Ich übernehme die Verantwortung für die Demission und dafür, dass es nicht funktioniert hat.“

Das klang noch sehr versöhnlich. Das nahm Preetz auf seine Kappe. Dann ging es um den Ego-Trainerclown Jürgen Klinsmann. Preetz: „Ich hatte mit Jürgen ja schon über längere Zeit Kontakt. Im Sommer war er nicht bereit. Dann im November sagte er zu, bis zum Sommer zu machen. Wir sahen uns zunächst auf einem guten Weg. Sportlich lief es wieder besser. Es gab viel öffentliche Aufmerksamkeit, von der wir profitiert haben. Später dann nicht mehr.“ Nach diesem Satz flog der Stecker vom Mikro auf dem Podium heraus. Preetz war für einen Moment sprachlos. Passte irgendwie zu Klinsmanns Amokabgang im Februar. Dann setzte der Manager fort: „Seine Fähigkeit zu einer konstruktiven Zusammenarbeit war nicht gegeben. Ich hätte nie in meinem Leben gedacht, dass es zu so einem abrupten Ende kommt. Ich kann es nicht verstehen, wie man als Trainer Knall auf Fall den Verein verlassen kann.“

Klinsmanns Nachfolger wurde sein Assistent Alexander Nouri. Dafür hatten einige Mitglieder kein Verständnis und wollten dafür eine Begründung. Auch die lieferte Preetz: „Dienstag 10.30 Uhr geht die Tür auf und der Trainer sagt: Ich bin dann mal weg. Und wir haben ein wichtiges Spiel in Paderborn. Die einzig logische Entscheidung war, dass es in der kurzen Zeit nur der Co-Trainer machen kann.“ Eigentlich sollte Nouri bis zum Saisonende irgendwie den Klassenerhalt schaffen. Nouri holte in vier Spielen enttäuschende fünf Punkte (inklusve einer 0:5-Heimklatsche gegen Köln). Dann kam die Corona-Zwangspause. „Das war eine gefühlte Sommerpause und wir haben uns entschlossen, jetzt einen neuen Cheftrainer zu verpflichten, die Entscheidung vorzuziehen“, begründet Preetz die Blitzverpflichtung von Bruno Labbadia, die sich gerade als Glücksfall darstellt.

Grußbotschaft von Bruno Labbadia

Zwei Spiele, zwei Siege, 7:0 Tore. Das Abstiegsgespenst rückt ganz weit weg. Preetz: „Ich freue mich besonders, dass Bruno so ein Einstand gelungen ist. Wir haben schnell eine gemeinsame Sprache gefunden. Er arbeitet akribisch, schaut aufs Detail ohne das große Ganze aus dem Auge zu verlieren. Er ist empathisch beim Umgang mit den Spielern.“ Und auch mit den Fans. Mit einer Grußbotschaft wurde ein Video eingespielt. Labbadia richtete sich an die Anhänger: „Die Situation wegen Corona ist schon komisch. Der Fußball braucht die Fans. Aber leider geht es gerade nicht. Ich hoffe, dass ich bald näheren Kontakt zu euch habe, wenn das Stadion wieder voll ist.“

Ja, diese Sehnsucht haben wohl alle. Präsident Werner Gegenbauer zur Digital-Premiere der Mitgliederversammlung: „Ja, es war etas emotionsfrei. Wir würden auch lieber im Saal Rede und Antwort stehen. Doch so haben wir ein Stück das Vereinsleben aufrecht gehalten.“ Der heimliche Star bei dieser Veranstaltung war wieder mal Hans-Joachim Bläsig. Der Boss der Tischtennisabteilung, die immer für Speis und Trank zuständig ist, sprach mit launigen Worten aus, was viele dachten: „Wir haben da einen neuen Freund, dieses Virus, der hindert uns daran zusammenzusein. Ich hoffe, beim nächsten Mal können wir wieder Würstchen und Salat anbieten. Dann gibt es doppelte Portionen.“