Kämpfte erfolgreich gegen den Krebs, machte es den Kollegen erst neben und dann auf dem Platz vor: Hertha-Stürmer Marco Richter.
Kämpfte erfolgreich gegen den Krebs, machte es den Kollegen erst neben und dann auf dem Platz vor: Hertha-Stürmer Marco Richter. Imago/kolbert-press

Chapeau, Marco Richter!

Herthas Angreifer ließ sich durch die Hiobsbotschaft Hodenkrebs nicht hängen, schöpfte in einer der wohl dunkelsten Stunden seines Lebens neuen Mut und stand keine zwei Monate nach der brutalen Diagnose wieder auf dem Rasen.

Das allein verdient großen Respekt. Doch wie der 24-Jährige mit seiner Erkrankung umgegangen ist, offen und ehrlich seine Angst, aber auch seine Hoffnung mit der Öffentlichkeit geteilt hat und dabei stets positiv geblieben ist – das verdient allerhöchste Anerkennung.

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Marco Richter tut Hertha BSC doppelt gut

Und Richters Umgang mit dem Schicksalsschlag tut auch Hertha gut. Nicht nur, dass er mit seiner Qualität jetzt wieder helfen kann. Nein, die Schocknachricht schweißte die Mannschaft von Trainer Sandro Schwarz und alle im Klub offensichtlich so richtig zusammen. „Ich hatte große und gute Unterstützung von allen, vom Team bis nach ganz oben, von Fredi Bobic und Kay Bernstein und natürlich von meiner Familie. Deswegen freut es mich heute noch mehr“, sagte Richter nach Spielschluss über die vielen und wichtigen Stützen in seinem Leben.

Setzte das i-Tüpfelchen auf sein Comeback: Marco Richter feierte nach überstandener Hodenkrebserkrankung sein Tor und Herthas Auswärtssieg in Augsburg.
Setzte das i-Tüpfelchen auf sein Comeback: Marco Richter feierte nach überstandener Hodenkrebserkrankung sein Tor und Herthas Auswärtssieg in Augsburg. Imago/Sven Simon

Hertha lässt sich nicht mehr hängen

Fehlte es Hertha in den vergangenen drei Krisenjahren vor allem an Mentalität, ist nun endlich ein Ruck durch die Truppe gegangen. Dabei scheinen sich so einige eine Scheibe von Richter abgeschnitten zu haben.

Dodi Lukebakio, von Ex-Trainer Bruno Labbadia wegen seiner Lustlosigkeit und Weinerlichkeit noch „Dackel“ getauft, sprintet unvermutet zurück und verliert auch nach harten Zweikämpfen nicht sofort die Lust. Rekordeinkauf Lucas Tousart zeigt plötzlich nicht nur seine Technik, sondern auch sein Temperament, welches ihm viele zwischenzeitlich zu Recht schon abgesprochen hatten.

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Kurzum: Das Spiel in Augsburg hatte genügend Momente, die Hertha in den vergangenen Spielzeiten erst aus dem Tritt und dann verdammt schnell auf die Verliererstraße gebracht haben. Die Hoffnung der Hertha-Fans, dass es diese Saison anders läuft, ist dank Marco Richter und den anderen Mentalitätsmonstern plötzlich berechtigt.

Hertha BSC: Marco Richter krönt sein Comeback

Und was sagt Richter, der den Ball von Davie Selke nur noch über die Linie drücken musste, selbst? „Es war sehr, sehr emotional. Für mich persönlich war das Tor das i-Tüpfelchen. Aber am meisten freut mich, dass wir uns als Mannschaft endlich mal belohnt haben“, erklärte Richter und fügte mit breitem Grinsen an: „Ich hatte auf dem Weg zum Tor ein bisschen Bammel. Ich habe so einen schon mal vergeben.“

Zeiten ändern sich. Chapeau, Marco Richter!

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