Herthas Lukas Klünter (l.) malte in der Quarantäne und zählte im Endspurt zu den Stützen im Team von Trainer Pal Dardai. Privat/Imago

Dass Lukas Klünter nicht der klassische Fußball-Profi ist, hat er bereits mehrfach bewiesen. Aus der Reihe tanzte Herthas Verteidiger auch während der Corona-Quarantäne. Während viele seiner Mitspieler vor und nach den virtuellen Trainingseinheiten an der Spielkonsole zockten, griff Klünter mal wieder zu Pinsel und Spachtel.

Deswegen habe er die 14-tägige häusliche Isolation genutzt, um zwei Bilder zu malen. Stilrichtung: Abstrakte Kunst. „Es macht mir Spaß und bringt mich runter. Insofern war die Quarantäne gar nicht schlecht“, erklärt Klünter, der im Abitur Kunst als Leistungsfach hatte und zusammen mit seiner Freundin Rebecca die Acrylmalerei für sich entdeckte.

Lukas Klünter berichtet von ehrlichen Gesprächen

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Auch sportlich hat sich die Zeit in den eigenen vier Wänden ausgezahlt. Was viele für den K.o.-Schlag im Kampf um den Klassenerhalt hielten, war für Klünter der Grund für Herthas Wiederauferstehung. Das Team fand trotz der räumlichen Trennung wieder zusammen und legte so den Grundstein für die nun seit acht Spielen ungeschlagene Serie, die zur Rettung am vorletzten Spieltag führte.

„Der Teamspirit hat vorher nicht gestimmt. Das muss man ehrlich sagen“, berichtet Klünter. Dass nicht alle beste Freunde sind, sei klar, „wichtig war aber, dass wir das Ziel nur gemeinsam erreichen. Dazu mussten Gespräche geführt und verschiedene Dinge aus der Welt geschafft werden.“

Farbenfroh statt düster: Das Werk von Lukas Klünter. privat

Lukas Klünter wirbt für Pal Dardai

Großen Anteil daran, dass endlich Tacheles geredet wurde, haben für Klünter Chefcoach Pal Dardai und sein Trainerteam sowie Sportdirektor Arne Friedrich: „Es war sicher nicht einfach, das Ruder in dieser Situation rumzureißen. Genau diese Leute haben wir gebraucht – und der Spirit, den sie mitgebracht haben, hat uns gepusht.“

Neben Dardais zur Schau gestellten Ruhe habe seine Art dem Team den Rücken gestärkt. „Die Ehrlichkeit und Offenheit, mit der Pal Dardai Dinge anspricht, das ist ein sehr wichtiger Punkt, dass das Ganze läuft, und das beherrscht er optimal“, lobt Klünter, der unter dem Ungarn wieder erste Wahl war, nachdem ihm dessen Vorgänger Bruno Labbadia bereits die Wechselfreigabe erteilt hatte.

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Entsprechend froh wäre Klünter, wenn Dardai Cheftrainer bleibt. „Er hat bewiesen, dass er die Mannschaft führen kann und erreicht. Für mich ist er ein sehr talentierter Trainer und ein sehr ehrlicher Mensch. Das sind für mich sehr wichtige Punkte, die für ein erfolgreiches Spiel gegeben sein müssen.“

Dabei weiß die eloquente Defensivkraft natürlich, dass ein Ausbau der erwähnten Serie zum Saisonabschluss bei der TSG Hoffenheim (Sonnabend, 15.30 Uhr, Sky) Dardais Position weiter stärken würde: „Wir werden versuchen, da noch einen Sieg zu holen.“