Luca Netz springt bei seinem Torjubel in Stuttgart in die Luft. Doch sonst hat das Talent aus Wandlitz Bodenhaftung.  Foto: imago images/Ulmer

Hertha-Trainer Pal Dardai hatte am Tag nach dem 1:1 in Stuttgart gute Laune. Grund: Luca Netz (17). Das Supertalent holte mit seinem Tor auch Dardais ersten Punkt. Luca ist in der blau-weißen Krise der Lichtblick. Abheben gibt es bei dem Jungen aus Wandlitz nicht.

„Luca ist nicht der Junge, der nächste Woche mit dem Ferrari vor die Kabine fährt“, weiß Dardai. Nicht nur, weil Luca einen schnellen, italienischen Flitzer mangels Führerschein sowieso noch nicht fahren darf.

Dardai erklärt den Jungen mit Bodenhaftung so: „Sein Papa bringt ihn oft zum Training oder er fährt mit der S-Bahn. Wenn er bei uns auf den Hof kommt, zieht er sich eine dicke Mütze auf den Kopf, kommt schnell in die Kabine und will nur trainieren. Das ist Luca.“

Netz hat eine lange Strecke vor sich. Er wohnt mit Vater André in Wandlitz. Beim FSV Bernau spielte er in der E-Jugend. Als er sieben war, holte ihn Hertha in die Akademie. Netz: „Ich wollte immer Profifußballer werden.“

Sein Traum wurde wahr. Papa Netz ist stolz auf seinen Filius, nicht nur wegen der ersten Schritte in der Bundesliga, auch wegen des Charakters: „Luca ist nicht der Typ, der abhebt. Er ist ein guter Junge, der weiß, wo er herkommt. Er ist freundlich zu allen, das wird auch so bleiben.“

Das kann Dardai nur bestätigen: „Seine Bodenständigkeit schätzen wir an ihm. Ich habe Pläne mit unseren jungen Spielern. Luca ist unser Riesenrohdiamant. Er soll jetzt erst mal spielen, Erfahrungen sammeln und Fehler machen. Die darf er machen, die gehören dazu.“

Der größte Fehler wäre ein schneller Wechsel. Bayern hat ein Auge auf den Linksverteidiger geworfen. Doch dazu wird es (erst mal) nicht kommen. Netz hat einen Kombi-Vertrag (bis 18 Jahre Nachwuchskontrakt, dann Profi) bis 2023. Der wird in den nächsten Tagen bis 2025 verlängert – mit einer ordentlichen Gehaltserhöhung.

Dardai: „Ich hoffe, Luca bleibt lange hier. In so einem Alter entscheiden die Eltern, Berater und die Umgebung. Für mich war Geld als junger Spieler nicht das Wichtigste, sondern die sportliche Perspektive.“

Die ist gerade hervorragend. Doch Luca musste nach seinem ersten Bundesliga-Treffer erst mal tief in die Tasche greifen. Dardai lacht: „Das erste Tor zu machen, ist immer teuer. Da muss man einen ausgeben. Die Mannschaft ist froh darüber. Hoffentlich kommen noch ein paar mehr Tore dazu.“ Ja, Gas gibt dieser Junge nur auf dem Platz, aber bestimmt nicht im Ferrari.