Daumen hoch für die Hertha-Fans: Kevin-Prince Boateng (34) fühlt sich nach seiner Berlin-Rückkehr pudelwohl.  City-Press

Man spürt es jeden Tag: Für Kevin-Prince Boateng ging mit seiner Hertha-Rückkehr tatsächlich ein Traum in Erfüllung. Der mittlerweile 34 Jahre alte Junge aus dem Wedding fühlt sich pudelwohl – und gibt in der zuletzt führungslosen Truppe von Trainer Pal Dardai bereits den Ton an. Lockere Sprüche und knallharte Ansagen: So interpretiert Boateng seine Prinzenrolle.

Plötzlich herrschte blau-weiße Alarmstimmung. Ein lauter Schrei und Boateng lag zum Ende einer Trainingseinheit auf dem Boden. Physiotherapeut Michael Becker eilte samt Eisbox über das Feld, doch Boateng sprang schnell wieder auf. „Kleiner Scherz, ich wollte dich mal sprinten sehen“, flachste der Berliner, der damit die Lacher auf seiner Seite hatte. Keine Frage, hier sorgt jemand für gute Stimmung. Und das seit Tag eins seit seiner Rückkehr nach 14 Jahren.

Prince Boateng gibt bei Hertha den Ton an 

Denn trotz seines Wandels vom Rüpel zum eloquenten TV-Experten, seinen Hang zur Extrovertiertheit hat Boateng nicht verloren. Nach seiner Witzelei mit Unions Max Kruse beschallte er im Trainingslager in Neuruppin das schicke Teamhotel mit Hits der Backstreet Boys und spendierte dem ganzen Team einen Grillabend – und kommt so bei seinen Kollegen gut an.

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Besonders die jungen Spieler machen große Augen, mit wem sie da nun in einer Mannschaft spielen. Dabei scheut sich Boateng auch nicht, knallharte Ansagen zu machen: „Du schießt wie mein Sohn. Hau das Ding einfach rein“, rief er Nachwuchsspieler Jonas Michelbrink zu.

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Zwei, die sich offensichtlich gut verstehen: Stürmer Davie Selke (l.) und Prince Boateng. 

Gleichzeitig merkt man, wie er sein Wissen weitergeben will. Im Training wie bei den Testspielen. Mit Verteidiger Niklas Stark tauschte er sich über die Spieleröffnung aus, forderte von ihm aber auch, mehr mit den Kollegen zu sprechen. 

Dardai sieht Prince Boateng auf einem guten Weg

Das kommt gut an. Marvin Plattenhardt sagt dem KURIER: „Er ist ganz klar ein Führungsspieler. Er redet mit jedem, macht auch seinen Mund auf, wenn es nicht so läuft und scheut sich nicht, jemanden zusammenzuscheißen. Gleichzeitig ist er witzig, sorgt für Stimmung.“ Platte weiter: „Solche Typen brauchen wir. Er weiß, wie es in dem Geschäft läuft und kann uns bestimmt noch viel beibringen.“ Zweiflern, die Boateng nach einem Jahr in Italiens zweiter Liga die Bundesliga nicht mehr zutrauen, nimmt Plattenhardt den Wind aus den Segeln: „Er zieht mit und macht einen guten Eindruck.“ 

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Ganz schön anstrengend: Prince Boateng leidet in der Vorbereitung, um Hertha in der neuen Saison auch auf dem Platz weiterzuhelfen. 

Auch Dardai sieht den Mittelfeldmann auf einem guten Weg. Beim 4:4 gegen Hannover stand Boateng erstmals über 60 Minuten in einem Testspiel auf dem Platz, bewies, was für ein feiner Fußballer er ist. „Offensiv sind seine Pässe einfach geil. Das bringt uns weiter. Aber defensiv muss er noch mehr machen, wenn er frisch und fit ist. Er ist Profi und wird es hinbekommen“, ist sich Dardai sicher. 

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Wechselt auch Jérôme Boateng zu Hertha? 

Boatengs neue Prinzenrolle skizziert Dardai so: „Torbeteiligung, letzter Pass, vorletzter Pass, die Mannschaft beruhigen, dafür ist er da.“

Und wer weiß, welche Kräfte bei ihm noch freigesetzt werden, sollte es tatsächlich zur Wiedervereinigung mit seinem Bruder Jérôme kommen. Herthas Sportchef Fredi Bobic schließt eine Verpflichtung des beim FC Bayern aussortierten 32 Jahre alten Verteidigers aus – Stand jetzt wohlgemerkt: „Mal sehen, welche Türen am Ende des Transfersommers noch aufgehen.“

Happy und demütig ist der Prince bereits jetzt. Boateng: „Ich will nicht nur Hertha, sondern auch Berlin etwas zurückgeben. Es wird kleine Überraschungen geben, die ich jetzt noch nicht preisgeben kann. Es wird auf jeden Fall ein buntes Jahr.“

Besonders, wenn Boateng Hertha nach oben führt...

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