Waren in Leipzig bedient und bekamen am Dienstagabend gefühlt einen weiteren Tiefschlag: Trainer Pal Dardai und seine Hertha-Profis. Imago

Hertha-Trainer Pal Dardai will so schnell wie möglich die böse 0:6-Klatsche bei RB Leipzig vergessen. Der gesamte Fokus soll Freiburg (Sonnabend, 15.30 Uhr) gelten. Doch ganz so einfach ist das nicht.

Denn am Dienstagabend holte die am Wochenende kassierte sächsische Abreibung die Blau-Weißen noch mal ein. Der FC Brügge, seit Jahren Kanonenfutter in der Königsklasse und in der Hammergruppe mit RB, Manchester City und Paris St. Germain krasser Außenseiter, zeigte, wie man Leipzig schlägt – und den Herthanern, wie schlecht sie waren.

In Anlehnung an den bekannten Film „Brügge sehen … und sterben?“, hieß es für Hertha auf der Couch: Brügge sehen … und weinen! Die Belgier bewiesen, was gegen einen individuell haushoch überlegenen Gegner möglich ist, wenn man als Team auftritt und den Kopf frei hat.

Hertha muss Abwehr dicht machen

Beides fehlt Hertha noch immer. Trainer Pal Dardai: „Ich hatte das Gefühl, dass jeder mit sich selbst beschäftigt war. Das habe ich den Jungs auch gesagt.“ Der Coach weiter: „Solche Gegner kannst du nur besiegen, wenn du mit den Kollegen zusammenspielst. Einer hilft, einer dirigiert, alle machen mit.“

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Davon war Hertha aber meilenweit entfernt. Nach der blau-weißen Horrorshow muss es gegen Freiburg verdammt viel besser werden. Erste Herthaner-Pflicht: Die Gegentorflut stoppen (18 in 6 Spielen). Dardai: „Wir haben jetzt so viele Tore kassiert. Das reicht fast für ein ganzes Jahr.“

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Kapitän Dedryck Boyata (30) fehlte in Leipzig und könnte Hertha helfen, die Defensiv-Probleme in den Griff zu bekommen.

Was dagegen hilft? Eng und kompakt verteidigen. Das wurde am Dienstag mehr als eineinhalb Stunden lang geübt. Dardai zufrieden: „Wer uns heute beobachtet hat, versteht nicht, wie wir solche Ergebnisse bekommen haben.“

Die akute Personalnot mindern könnte Abwehrchef Dedryck Boyata, der am Mittwoch erstmals wieder mit den Kollegen übte. Der Belgier darf selbst entscheiden, ob er nach seinem Muskelfaserriss wieder mitmacht. Dardai: „Die Erfahrung hat er.“

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Was sonst noch dafür nötig ist? Laufen! Gegen RB lief Hertha nur 104 Kilometer – rund zehn weniger als der Bundesliga-Durchschnitt und viel zu wenig, um das Credo von Sportchef Fredi Bobic zu verkörpern: Mentalität schlägt Qualität. Ruft Hertha gegen den stark gestarteten Sportclub nicht alles ab, droht die nächste Pleite.

Hertha ist Flanken-Schlusslicht 

Um die Stimmung an der Hanns-Braun-Straße aber nachhaltig zu verbessern, muss Hertha gewinnen. Dardai weiß das, sagt: „Mit einem Sieg vor der Länderspielpause kann man in Ruhe arbeiten.“

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Stevan Jovetic verletzte sich am dritten Spieltag beim 0:5 bei den Bayern an der Wade. Jetzt ist der Montenegriner wieder fit.

Dafür muss Hertha aber auch im Angriff wieder gefährlich werden (vier mickrige Torschüsse bei RB, kein Abschluss im Strafraum). Davie Selke und Ishak Belfodil hängen in der Luft – auch, weil kein Team in der Liga weniger flankt als Hertha!

Helfen könnte die Rückkehr von Offensiv-Allrounder Stevan Jovetic (Wade). Dardai: „Er hat seine Verletzung, die nicht einfach war, auskuriert. Wir werden ihn diese Woche beobachten und darauf achten, wie wohl er sich bei Sprints fühlt.“

Aber ganz egal, ob mit Boyata und Jovetic oder ohne: Nötig ist eine Reaktion von allen Herthanern!

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