Kopf hoch: Bruno Labbadia (r.) macht Hertha-Stürmer Kris Piatek Mut. Foto: Imago Images

Bruno Labbadia hat derzeit allerhand zu tun. Die wichtigste Aufgabe für Herthas Cheftrainer ist allerdings, den gordischen Knoten bei Stürmer Kris Piatek (25) zu durchschlagen. Denn nur wenn der „Pistolero“ endlich scharf schießt, kommt Hertha aus dem Keller raus.

„Wir müssen ihn mehr einbinden, aber er muss sich auch mehr zeigen. Beide Seiten müssen aufeinander zugehen“, forderte Labbadia nach dem 2:5 gegen den BVB. Keine Frage, Piatek konnte da nur wenige Akzente setzen. Doch die Pleite nur am Polen festzumachen, wäre zu einfach – und nicht gerecht.

Piatek zeigt sich verbessert

Denn Piatek zeigte sehr wohl verbesserte Ansätze, riss mit cleveren Laufwegen Löcher in die BVB-Abwehr und schmiss sich in Zweikämpfe. Wie beim 1:0 durch Matheus Cunha, als er das wichtige Kopfball-Duell zuvor gegen Emre Can gewann und so überhaupt erst Herthas Führung ermöglichte.

Zur Wahrheit gehört auch, dass Piatek – wie seine Sturmkollegen – den BVB in der zweiten Halbzeit nicht mehr genug am Spielaufbau störte. Entsprechend verteilt Labbadia Lob und Tadel: „In der ersten Halbzeit hatte er gute Pass-Stafetten. Es liegt auch am Spieler, sich selbst zu zeigen, sich so in Situationen zu bringen.“

Klar, Hertha hat sich vom 23-Millionen-Mann vom AC Mailand mehr versprochen, insbesondere nach dem Hinrunden-Aus von Nummer-eins-Stürmers Jhon Cordoba. Dass er den Torriecher hat, bewies er in Italien, wo er sein Markenzeichen, den Pistolen-Jubel, 26-mal in 55 Spielen zelebrieren durfte.

Ex-Stürmer Labbadia kennt sich aus 

Theorien, wonach Piatek ein reiner Strafraumstürmer ist, der gefüttert werden muss und mit einem entscheidenden Kontakt die Tore erzielt, widerspricht Labbadia: „Er kann es auch, wenn er das Spiel vor sich hat und zu Abschlüssen im Umschaltspiel kommt.“ So wie beim 3:0-Sieg in Augsburg, als Piatek für Cordoba mit einer Vorlage und einem Treffer richtig Alarm machte.

Darauf hofft Labbadia nun in Leverkusen (Sonntag, 15.30 Uhr). Als Alternative im Angriff steht nur Nachwuchstalent Jessic Ngankam parat – oder Cunha rückt in die Spitze.

Gedanken, die Labbadia wohl verwerfen wird. Als ehemaliger Vollblutstürmer weiß er genau, wie man mit einer Durststrecke umgeht. Und eben auch, wie man eine Torflaute beendet. Deswegen kündigt er weitere Einzelgespräche an: „Ich hoffe, dass er die Dinge beherzigt.“

Helfen könnten Piątek dabei auch seine Erinnerungen an die Werkself. Ende Juni, beim 2:0-Sieg gegen Bayer, zeigte Piatek sein bisher bestes Spiel mit der Fahne auf der Brust. Dabei erzielte er zwar kein Tor, war jedoch omnipräsent und bereitete beide Treffer vor.