Im Olympiastadion fühlt sich Bruno Labbadia offensichtlich wohl. Am 31. März 2018 war er mit dem VfL Wolfsburg hier zu Gast. Foto: Bernd König/Imago Images

Berlin - Nun ist das Geheimnis gelüftet: Hertha BSC hat Bruno Labbadia als neuen Cheftrainer verpflichtet. Der 54 Jahre alte erfahrene Fußball-Lehrer wird den Bundesligisten schon am Ostermontag übernehmen und löst damit Interimstrainer Alexander Nouri ab. Labbadia ist in dieser Spielzeit der vierte Cheftrainer bei Hertha nach Ante Covic, Jürgen Klinsmann und Nouri. Manager Michael Preetz sagt: „Er passt mit seiner Idee von offensivem Fußball, seiner Akribie und seinem Ehrgeiz perfekt zu Hertha BSC und unseren Zielen. Wir freuen uns, dass er sich für unseren Verein entschieden hat. Ich habe in den Gesprächen mit ihm eine große Leidenschaft und Bereitschaft und zudem eine große Vorfreude auf unseren Verein gespürt."

Quelle: Twitter/Hertha BSC

Sein Vorgänger Nouri war im November als Assistent von Jürgen Klinsmann nach Berlin gekommen und hatte den Job als Cheftrainer nach dessen unrühmlichen Abgang bei Hertha übernommen. Überzeugen konnte Nouri dabei nicht. In vier Spielen unter seiner Leitung gab es einen Sieg, zwei Remis und die deftige 0:5-Heim-Niederlage gegen den 1. FC Köln. Eigentlich wollte Manager Michael Preetz mit Nouri die Saison zu Ende spielen und danach einen neuen Trainer präsentieren – am liebsten den ehemaligen Hertha-Profi  Niko Kovac, den auch das Gros der Hertha-Fans favorisiert hatte. Doch Nouri war nun eine Lame Duck, als Preetz schon Mitte März angekündigt hatte, im Sommer einen neuen Coach zu verpflichten.

Kein Vertrauen in Nouri

Doch wegen der Saisonunterbrechung wegen des Coronavirus hat bei Hertha BSC ein Umdenken stattgefunden. Man traute Nouri eine Wende zum Besseren nicht mehr zu. Die Unwägbarkeiten, sollte es im Mai tatsächlich zu Geisterspielen in der Liga kommen, waren zu groß. Nouri besitzt im Abstiegskampf, in dem sich Hertha noch immer befindet, keine Erfahrung – im Gegensatz zu Labbadia. Hertha steht nach 25 Spieltagen auf Rang 13 mit 28 Punkten und ist nur sechs Zähler von der Abstiegszone entfernt. Man erlebe „gerade eine Art vorgezogene Sommerpause", lässt Preetz mitteilen, „wir haben uns dazu entschlossen, diese Chance, die Mannschaft in den nächsten Wochen auf eine mögliche Fortführung der Saison vorbereiten zu können, zu nutzen und unsere Entscheidung auf der Trainerposition vorzuziehen."

Der erneute Trainerwechsel ist nachzuvollziehen und könnte im richtigen Moment passieren. Alle Gremien bei Hertha stimmten der Aktion einstimmig zu. Labbadia ist ein sogenanntes „Kind der Bundesliga“, wurde einst als torgefährlicher Mittelstürmer mit dem 1. FC Kaiserslautern und dem FC Bayern München Deutscher Meister und schaffte in 328 Bundesligaspielen stattliche 103 Treffer.

Als Trainer arbeitete er in der Liga bei Bayer Leverkusen, beim Hamburger SV,  VfB Stuttgart und zuletzt beim VfL Wolfsburg. Das sind durchaus schwierige Standorte. „Mit Bruno bekommen wir jemanden, der die Bundesliga durch viele Jahre als Spieler und Trainer im Detail kennt und bei seinen Stationen gezeigt hat, dass er Teams stabilisieren und entwickeln und im nächsten Schritt ins obere Tabellenregionen führen kann", lobt Preetz. Den VfL führte er vergangene Saison in die Europa League, allerdings trennten sich die Wege, weil es zahlreiche Differenzen mit Sportchef Jörg Schmadtke gab. Seit knapp einem Jahr war Labbadia ohne Job.

Labbadia rettete den HSV

Labbadia besitzt nicht den Ruf eines „Bessermachers“ oder großen Taktik-Fuchses wie etwa der Schweizer Lucien Favre, er hat auch keinen Stallgeruch wie der gebürtige Berliner Niko Kovac, aber Labbadia ist ein guter Bundesliga-Trainer, ein emotionaler Mann, der Erfolge aufweisen kann. Den Hamburger SV rettete er 2015/16 in einer dramatischen Relegation gegen den Karlsruher SC vor dem Abstieg und entwickelte den VfL Wolfsburg zu einem starken Team.

Die Verpflichtung eines Trainers aus dem Ausland, eines Mannes mit einem anderen Blickwinkel, wie etwa von Gerardo Seoane vom Schweizer Meister Young Boys Bern, kam nicht in Frage, da Hertha sofort einen neuen Coach holen wollte. Nochmalige Gespräche mit Kovac führten zu keinem Ergebnis.

Ob die hohen Ziele, die Herthas Führung samt Investor Lars Windhorst vor der Coronakrise publik gemacht hatten (Klassenerhalt, in der neuen Saison Europa League, danach Angriff auf die Spitzengruppe der Liga) mit Labbadia zu erreichen sind, wird sich zeigen müssen. Eine Chance hat er auf jeden Fall verdient.