Was soll das? Herthas Trainer Labbadia fragt sich, warum sein Team erst gut und dann schlecht spielt. Foto: City-Press

Der Tag nach Herthas Demontage, nach diesem 2:5 gegen Borussia Dortmund. Die blau-weißen Spieler geben immer mehr Rätsel auf, auch ihrem Trainer Bruno Labbadia. Erste Halbzeit stark gespielt, zweite Halbzeit alles falsch gemacht. Labbadia machte mit den Profis am Sonntagmorgen eine Gruppen-Gesprächstherapie.

Normalerweise bittet der Coach nach einem Spiel zur Videoanalyse und seziert alle Szenen noch mal. Diesmal war es etwas anders. Die Profis sollten Stellung nehmen, wie sie sich den Leistungsabfall in der zweiten Halbzeit erklären. Labbadia fasst das Gruppengespräch so zusammen: „Wir haben eine längere Besprechung gehabt und die Mannschaft mit einbezogen. Die Spieler sollten sagen, wie sie es gesehen haben.“

Labbadia ist gerade mal wieder als Pädagoge gefragt. Nach dem Zwischenhoch mit dem 3:0 in Augsburg und der 1:0-Führung zur Halbzeit gegen Dortmund waren einige Profis wohl zu übermütig und dann in die zweite Halbzeit dann zu nachlässig gegangen. Dortmunds Wunderstürmer Erling Haaland wurde erst abgemeldet, dann schlug er mit vier Toren zu.

Labbadia sagt es ganz ehrlich: „In der Pause waren alle euphorisiert. Doch in der zweiten Halbzeit haben vier, fünf Spieler nicht voll mitgemacht. Da wurde nicht mehr konsequent in die Zweikämpfe gegangen. Diese zweite Halbzeit hat gezeigt, warum wir nur sieben Punkte nach acht Spielen haben.“

Wieder mal gibt es Frust – und die nächsten drei Spiele haben es auch so richtig in sich. Nächsten Sonntag in Leverkusen, danach das Derby gegen die bärenstarken Unioner und dann nach Gladbach. Doch die Zeit der Samt-Handschuhe ist bei Hertha jetzt erst mal vorbei. „Wir werden jetzt einen Mix machen. Auf Dinge reagieren, die nicht passen, sie deutlich ansprechen. Ein paar haben nicht konsequent verteidigt. Aber wir werden weiterhin auch die Spieler bestärken in dem, was sie gut gemacht haben“, so Labbadia.

Das heißt: In der nächsten Woche wird der Chefcoach ganz genau im Training hinschauen, wer Vollgas gibt und wer nicht. Wahrscheinlich werden sich ein paar Spieler, die gegen Dortmund noch erste Wahl waren, in Leverkusen auf der Bank wiederfinden. „Wir werden den Finger in die Wunde legen. Es kann nicht sein, dass wir uns ständig um den Lohn der Arbeit bringen. Das ist Mist“, sagt der Coach.

Nach dem Gruppengespräch kann jetzt jeder Profi am freien Montag noch mal genau darüber nachdenken, ob er wirklich alles gegeben hat. Denn es bleibt ein Rätsel, wie man so verschiedene Gesichter zeigen kann, wie es diese Mannschaft tut.