Hertha-Stürmer Stevan Jovetic ist der einzige blau-weiße Profi, der es in die Kategorie „Nationale Klasse“ geschafft hat.  Imago

Insgesamt 78 Profis schafften es in der rein nach Leistung (und nicht nach Potenzial) erstellten Bestenliste der Hinrunde in die Kategorien „Weltklasse“, „Internationale Klasse“ und „Nationale Klasse“. Mit dem Montenegriner Stevan Jovetic, 32, gelangte lediglich ein Herthaner unter die Stürmer der „Nationalen Klasse“ – und das aus meiner Sicht völlig verdient.

Stevan Jovetic erinnert an Marco Pantelic

Der Edeltechniker mit der exzellenten Schusstechnik erzielte fünf Tore, die meisten waren sogar für das „Tor des Monats“ geeignet. Und er schlug zudem viele entscheidende Pässe. Mich erinnern die Treffer des Strategen oft an Tore des extrovertierten Serben Marko Pantelic, der auch das Spektakuläre liebte. Jovetic ist übrigens nach dem Dänen Christian Poulsen und dem Rumänen Florin Raducioiu erst der dritte Profi, der in allen Top-5-Ligen Europas spielte (Bundesliga, Premier League, Serie A, La Liga und Ligue 1). Bleibt Jovetic körperlich fit und ohne größere Verletzungen, besitzt er das Zeug zum Anführer einer runderneuerten Hertha. Er taugt durchaus zum Publikumsliebling, einem Spieler mit einem gewissen Extra, den die Fans zuletzt vermissten. Nachbarn in der Rangliste von Jovetic sind übrigens die beiden Unioner Max Kruse und Taiwo Awoniyi.

Auch die von Hertha an andere Vereine ausgeliehenen Profis (Arne Maier, Jessic Ngankam/verletzt, Eduard Löwen und Dodi Lukebakio) konnten sich nicht ins Rampenlicht spielen. Nur am Rande diskutiert wurde von den strengen Juroren des „Kicker“ noch über Mittelfeldmann Suat Serdar und Angreifer Marco Richter.

Niklas Stark und Marton Dardai fallen durch

Fakt ist: Nur ein Herthaner in der aktuellen Bestenliste ist ein Armutszeugnis für den Hauptstadtklub, aber angesichts einer zu Beginn miesen und später bestenfalls durchwachsenen Hinrunde nicht verwunderlich. Noch im Sommer 2021 standen mit Niklas Stark und Marton Dardai immerhin zwei Innenverteidiger in der Liste der Besten, die tatsächlich ein objektives Barometer der Leistungsstärke der Profis darstellt.

Herthas Sportchef Fredi Bobic wird mit seinem großen Stab „hinter dem Team“ die Hinrunde genau analysiert haben und wahrscheinlich noch auf dem Transfermarkt tätig werden. Der personelle Umbruch ist noch längst nicht abgeschlossen.

Die Tage um den Jahreswechsel werden gern genutzt, um in die Zukunft zu schauen. Ich glaube, dass einige Spieler nur noch geringe Chancen besitzen, über den Sommer 2022 hinaus bei Hertha beschäftigt zu sein: Marvin Plattenhardt, Deyovaiso Zeefuik, Lukas Klünter, Kevin-Prince Boateng, Rune Jarstein und Krzysztof Piatek. Mittelstürmer Piatek scheint vor einem Wechsel zurück nach Italien zu stehen. Hinzu kommen meine „Wackelkandidaten“ Lucas Tousart und Niklas Stark. 

Natürlich gab es auch zahlreiche positive Beispiele, Spieler, die gefielen. Meine persönlichen Top 3 der Hertha in der Hinrunde sehen so aus:

Marco Richter und Santi Ascacibar überzeugen

Platz 1: Stevan Jovetic (die Gründe siehe im Text oben); Platz 2: Marco Richter (der verkörpert mit seinem Einsatzwillen, seinem Offensivdrang und seiner Unbekümmertheit eine Spielweise, die Hertha anstrebt); Platz 3: Santiago Ascacibar (der einst von Jürgen Klinsmann geholte und von diesem hochgelobte Mittelfeldrenner hat sich nach langer Anlaufzeit und zahlreichen Verletzungen zum unentbehrlichen Stabilisator im defensiven Mittelfeld entwickelt). Das ist eine subjektive Sicht und Widerspruch erlaubt.

Eine für den Verein emotionale Entscheidung steht wahrscheinlich im Frühjahr an. Dann will Fredi Bobic Gespräche mit Klub-Legende Pal Dardai und dem einstigen Publikumsliebling Andreas „Zecke“ Neuendorf führen, ob sie weiter im Verein eingebunden werden. Ich hoffe es, aber vielleicht suchen sie auch eine neue Herausforderung und nehmen ein lukratives Angebot außerhalb Berlins an. Sie sind ja im besten Alter.

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