Herthas Sami Khedira klatscht nach seiner Auswechslung in Mainz mit Trainer Pal Dardai ab. dpa

Keine Demontage nach der Corona-Zwangspause, sondern ein ganz wichtiger Mutmacher-Punkt im Abstiegskampf! Hertha BSC erkämpfte sich ein 1:1 in Mainz, weil alle endlich als Team zusammen kämpfen. Rio-Weltmeister Sami Khedira (34) ist glücklich: Hurra, endlich spielt eine Familie auf dem Platz!

Der erfahrene Ex-Nationalspieler ist der Leitwolf, trotzdem wurde er ausgewechselt. Sein Ego kratzt das aber überhaupt nicht. Der Mittelfeld-Organisator sagt: „Mein Akku war bei meiner Auswechslung nicht leer, aber wir müssen das Große und Ganze sehen und dafür hat Trainer Pal Dardai ein sehr gutes Gefühl.“ Das sind gleich zwei Botschaften. Khedira sieht, dass es durch die Nachholspiele ein Hammerprogramm bis zum Saisonschluss wird und die Kräfte vernünftig aufgeteilt werden müssen. Auf alle. Und ganz nebenbei spricht er sich für den Verbleib des Trainers nach der Saison aus, weil Dardai seine Qualität als Teamgeist-Erwecker seit Monaten unter Beweis stellt.

Khedira war beim Schlusspfiff des ersten Spiels nach der Zwangspause sogar ein bisschen euphorisiert: „Unsere Leistung hat gezeigt, dass noch nicht alles richtig rund läuft, aber dass wir als Team kämpfen. Denn es geht immer nur, wenn du merkst, dass eine Familie auf dem Platz steht. Dessen ist sich unsere junge Mannschaft immer bewusster geworden.“

Besonders 1:0-Torschütze Lucas Tousart (36.) fühlt sich mit dem neuen Spirit viel wohler. Am Anfang der Saison fremdelte er noch, jetzt ist er plötzlich ein ganz wichtiger Spieler geworden, trifft und bleibt bescheiden: „Über mein erstes Tor bin ich natürlich sehr froh. Ich freue mich einfach, dem Team geholfen zu haben. Wir haben auf dem Platz zusammen dagegengehalten und gemeinsam gearbeitet, das ist in unserer Lage das absolut Entscheidende.“

Schon morgen (18.30 Uhr) folgt die nächste Nachholpartie im Heimspiel gegen den SC Freiburg. Vielleicht sind dann nicht nur Teamgeist und Kampf Trumpf, sondern auch spielerische Qualität. In Mainz sah es wenigstens in der letzten halben Stunde schon mal so aus, dass sich die Blau-Weißen für die Aufholjagd einspielen. Khedira geht mit Optimismus in den Klassenerhalts-Endspurt: „Wir haben noch viele wichtige Spiele vor uns – unser großer Vorteil ist, dass wir einen sehr guten und breiten Kader haben. Wir können jederzeit wechseln.“ Vielleicht ist das der größte Trumpf.