Gábor Király, hier für Hertha BSC beim Legenden-Turnier am Ball, wird als Torwart-Trainer bei den Blau-Weißen gehandelt. Foto: Imago

Tabula rasa bei Hertha BSC. Durch das Skandal-Interview von Zsolt Petry mussten die Blau-Weißen mit dem Rausschmiss des Torwart-Trainers eine Baustelle in Kauf nehmen. Plötzlich brennt es bei den Keepern. Hatten Herthas Bosse vor den Konsequenzen im Fall Petry noch keine Ahnung, wie es mit den Torhütern weitergehen könnte, taucht jetzt ein ganz helles Licht am Ende des Tunnels auf: Gabor Kiraly!

Das mögliche Comeback der Schlabberhose elektrisiert die Fans. Der Keeper genießt Kult-Status, stand zwischen 1997 und 2004 insgesamt 252 Mal zwischen den Pfosten. Und auch für die aktuelle Mannschaft wäre Kiraly kein Unbekannter. So soll er unlängst dem Team seines ehemaligen Mitspielers Pal Dardai ein Motivations-Video für den Saisonendspurt zukommen lassen haben.

Die Rückkehr von Kiraly hätte nicht nur Charme. Der 45-Jährige würde vor allem das blau-weiße Chaos im Kasten vor den entscheidenden Wochen im Abstiegskampf beenden. Herthas Drähte nach Ungarn glühen. Die Idee begeistert. Doch dann geht die Tür zu. Aus persönlichen Gründen kann Kiraly dem Herzenswunsch seines Lieblingsvereins nicht folgen. „Ich habe tägliche Aufgaben, von denen es nicht möglich ist, sich von einem Moment zum nächsten zu lösen“, sagt er der ungarischen Zeit „Blikk“.

Somit steht Hertha nach großen Emotionen wieder am Anfang der Suche. Während sich Rune Jarstein (36) weiter in Corona-Quarantäne befindet, trainiert derzeit Team-Leiter Nello di Martino (69) Herthas Keeper. Das soll definitiv nicht die Lösung sein. Nicht einmal nur bis Saisonende.

Die Entlassung Petrys ist sportlich ein herber Verlust. Trainer Pal Dardai vertraute seinem Landsmann was die T-Frage anging blind, betonte stets, Petry habe das letzte Wort darüber, wer bei Hertha im Tor steht.

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Schwolow als Teamplayer

Auch für Jarstein, der nach positivem Covid-19-Test zwar weiterhin symptomfrei sein soll, aber noch zehn Tage in Quarantäne verbringen muss, war Petry eine ganz wichtige Bezugsperson. Als Petry von Jürgen Klinsmann im Herbst 2019 ausgebootet und kurzzeitig durch DFB-Torwart-Trainer Andreas Köpke ersetzt wurde, wirkte Jarstein verunsichert und gestand im Wintertrainingslager in Florida: „Ich vermisse Zsolt. Er hat mir sehr viel geholfen, auf dem Platz und auch daneben.“

Am Anfang dieser Saison hatte dennoch Alexander Schwolow (28) die Nase vorn. Zwar leistete sich der Hesse, als Fünf-Millionen-Wechsel vom SC Freiburg geholt, keine groben Patzer. Doch Dardai setzte als Nachfolger von Bruno Labbadia Ende Januar diverse Impulse – und nach Rücksprache mit Petry wieder auf Jarstein. Gleichzeitig betonte er zuletzt: „Alex gehört die Zukunft. Er ist die Nummer eins, auch wenn Rune im Moment spielt.“

Weil Jarstein unmittelbar vor dem Derby in häusliche Isolation musste, rückte Schwolow wieder zwischen die Pfosten. „Das ist bitter für Rune und schön für mich“, erklärt Schwolow und gibt sich ganz als Teamplayer: „In unserer Situation spielt es keine Rolle, wer spielt.“

Trotz der vielen Turbulenzen, klar ist: Sowohl gegen Mönchengladbach (Sonnabend, 15.30 Uhr) als im Abstiegs-Krimi in Mainz in der Woche danach wird Schwolow das blau-weiße Gehäuse hüten.

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Nervenspiel zum Schluss

Wer dagegen danach in der heißen Phase im Hertha-Tor steht, wenn die Partien gegen die direkten Konkurrenten im Tabellenkeller zum Nervenspiel werden, ist völlig offen. Ebenso, wer die beiden Keeper trainiert und die Entscheidung fällen könnte.

Wie wichtig eine schnelle Lösung wäre, unterstreicht Kiraly. „Eine Torhüter-Trainer-Beziehung ist per Definition eine enge Arbeitsbeziehung, sie vertrauen sich gegenseitig“, sagt er und erklärt: „Sieben Spieltage vor Saisonende ist das keine normale und einfache Situation für eine Mannschaft, die darum kämpft, in der Liga zu bleiben.“

Helfen kann Kiraly dabei derzeit nicht. Höchstens per Video.