Unions Robert Andrich und Herhas Jhon Corodba rieben sich die meiste Zeit in Zweikämpfen auf.  Foto: Michael Hundt

Stadt-Duell wie immer – und doch ein wenig anders als sonst. Die Stadtmeisterschaft geht wie schon in der Vorsaison nach Charlottenburg, das schon. Auch haben die Blau-Weißen das bisherige Gesetz der kleinen Serie in den Stadt-Derbys in der Bundesliga, in denen es bisher nur Heimsiege gegeben hat, durchbrochen. So richtig hilft das 1:1 (1:1) der „Alten Dame“ beim 1. FC Union im Kampf um den Klassenerhalt trotzdem nicht. Es bleibt hier eng, während die Rot-Weißen wohl endgültig im sicheren Hafen sind.

Deshalb ist Pal Dardai gar nicht zufrieden mit seinem Team. „Wir nehmen mit, was wir mitnehmen können“, sagt Herthas Trainer, „trotzdem habe ich meine Mannschaft am Anfang nicht wiedererkannt. Genau das, was Union zunächst gemacht hat, wollten wir machen. Aber wir waren bis auf eine kleine Phase wie gelähmt. Vor allem in der zweiten Halbzeit sind wir nur hinterhergerannt. Darüber müssen wir reden.“

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Gefährliches Feuerwerk

Das Derby elektrisiert, obwohl zum dritten Mal ohne Zuschauer ausgetragen, auch wenn es am Ende nicht zu einer Gala reicht und mehr und mehr Stückwerk bleibt. Trotzdem knallt es ein wenig außerhalb des Stadions mit einem dreiminütigen Feuerwerk und dem einen oder anderen kleinen Techtelmechtel auf dem Rasen, so zwischen Grischa Prömel und Matteo Guendouzi. Dass Union-Trainer Urs Fischer für das Ausfahren des Ellbogens für den Franzosen lautstark „Rot“ fordert, ist ebenso unprofessionell wie die „Gelbe-Karten-Geste“ von Jhon Cordoba und Guendouzi bei anderen Gelegenheiten. Das ist hier wie da nicht die beste Schule …

Dafür sind die Köpenicker früher auf Betriebstemperatur als die Männer aus Westend. Grischa Prömels Kopfball kommt noch aus dem Abseits (1.), aber dann: Weil sowohl Jordan Torunarigha und Deyovaisio Zeefuik nicht klar genug klären, schmettert Robert Andrich, im Hinspiel mit Rot vom Platz geflogen, die Kugel aus 22 Metern an den rechten Innenpfosten – das klasse 1:0 (9.) und ein Baby-Jubler des Torschützen. Die Blau-Weißen sind durcheinander, lassen Julian Ryerson zum Schuss kommen (Latte) und haben doppelt Glück, weil Petar Musa den Abpraller aus bester Position über die Hütte haut (12.).

Schwache zweite Halbzeit

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Personell geht’s bei beiden etwas anders zur Sache als zuletzt. Die Eisernen lassen zunächst Joel Pohjanpalo und Marcus Ingvartsen auf der Bank, beginnen dafür mit Musa und Christian Gentner, die Blau-Weißen müssen auf Marton Dardai (Knieprobleme) und Rune Jarstein verzichten. Für Dardai junior steht Torunarigha erstmals seit Ende Januar in Herthas Startelf, für den positiv auf Corona getesteten Norweger kehrt Alexander Schwolow in den Kasten zurück.

Viel bekommt Herthas ursprüngliche Nummer 1 fortan nicht zu tun. Erst einmal haben die Männer aus der Wuhlheide ihr Pulver ein wenig verschossen. Dafür bekommt die „Alte Dame“ Oberwasser. Matheus Cunha visiert mit einem Freistoß den rechten Dreiangel an (18.), Torunarigha setzt im Anschluss an einen Kopfball die Kugel auf die Latte (19.), bevor die Eisernen beim Ausgleich ein wenig selbst mitspielen. Weil Christopher Trimmel einen eigentlich sicheren Ball nicht aus dem eigenen Drittel bringt, geht’s in den Strafraum. Dort stellt sich Marvin Friedrich gegen Guendouzi ziemlich ungelenk an – Elfmeter! Dodi Lukebakio lässt nichts anbrennen. Das 1:1 fällt nicht nur souverän, es ist auch verdient (35.).

Das ist die Phase, in der Hertha die Partie komplett drehen kann. Wie die Blau-Weißen nach dem Rückstand um Struktur kämpfen, so schwimmen jetzt die Eisernen. Das Übergewicht der Gäste ist kurzzeitig fast erdrückend. Es bleiben dennoch die wenigen Momente, in denen etwas zu gehen scheint für die Gäste. Spätestens mit Wiederbeginn ist es vorbei mit der Herrlichkeit. Da gibt es kaum etwas Positives. Wie es die Herthaner nicht mehr schaffen, ihren Rhythmus durchzuziehen, erreichen die Platzbesitzer Übergewicht. Sie schlagen daraus einfach kein Kapital, sind trotzdem einigermaßen zufrieden. „Wir haben erreicht“, sagt Manager Oliver Ruhnert, „dass wir weiterhin 14 Punkte vor Hertha stehen und in der zweiten Halbzeit die deutlich dominierende Mannschaft waren.“

Viel Tiefe erreichen die Eisernen trotzdem nicht und bleiben sozusagen auf halbem Wege stehen. Außerdem verliert die Partie mehr und mehr an Unterhaltungswert. Der speist sich allein aus der Brisanz, dass es ein Derby ist. In Erinnerung als ein Spiel, das in die Historie eingeht, wird es jedoch hier wie da kaum bleiben.