Salomon Kalou bat seine Hertha-Kollegen unter Tränen um Entschuldigung. Foto: imago images/Matthias Koch

Er war der große Sündenbock! Salomon Kalou löste mit seinem Corona-Regeln ignorierenden Live-Video aus der Hertha-Kabine ein deutschlandweites Beben aus, kassierte von allen Seiten Prügel. Doch in der schwersten Krise seiner Karriere halten Fans und Mitspieler zum Ivorer. Auch Hertha wird ihn nicht fallen lassen.

„Ich war schockiert. Er hat einen schweren Fehler gemacht“, war auch Manager Michael Preetz außer sich. Immerhin zeigte Kalou keine 24 Stunden nach seinem irren Video Größe, sprach vor versammelter Mannschaft über seinen  Hygiene-Bock. Dicke Tränen kullerten bei ihm, als das Team seine Entschuldigung annahm.

Mehr als das: Die Kollegen wissen, was er eigentlich für ein feiner Mensch  ist. Ondrej Duda (bis Saisonende an Norwich City verliehen) war der erste, der Kalou aufbaute: „Denk daran, dass niemand perfekt ist. Niemand!“ Der Slowake weiter: „Ich weiß, wie groß und warm dein Herz ist. Ich stehe hinter dir.“ Karim Rekik schrieb bei Instagram: „Du bist einer der nettesten, ehrlichsten Menschen, die ich kenne. Deshalb bist du mehr als mein Freund, sondern mein Bruder.“

Interessant: Auch die Fans halten zu Kalou, kritisieren Hertha und vor allem Vedad Ibisevic. Der Bosnier motzte im Video über das um ein Prozent zu viel gekürzte Gehalt. Weil das nicht gut ankam, suchte der Vedator das Gespräch mit Preetz: „Er wusste nicht, dass er gefilmt wurde, wir haben das besprochen.“ Fraglich, ob das die Sache besser macht. Für viele Fans steht Ibisevic mit seiner Haltung für die negativen Auswüchse der Fußball-Branche. In dieser galt Kalou immer als eine Ausnahme.

Das weiß auch Preetz: „Er ist ein tadelloser Sportsmann und jemand, der über den Tellerrand hinausguckt. Er ist  mir ans Herz gewachsen.“ Deswegen steht Kalou auch nach dem Video-Eklat die Hertha-Tür weiter offen. Zwar endet sein Vertrag im Sommer. Preetz kann sich aber weiter eine Rolle als Klub-Botschafter vorstellen, wenn Kalou seine Karriere in ein, zwei Jahren beendet: „Wir werden ihn nicht verdammen.“  Das wäre für Kalou nach all dem Wirbel doch noch ein würdiges Ende.