Ex-Trainer Jürgen Klinsmann (55) blickt mit mächtig Groll auf seine kurze Hertha-Amtszeit zurück und rechnet gandenlos mit dem gesamten Klub ab. Foto: Imago Images/Revierfoto

Berlin - So einen schlechten Verlierer hat die Bundesliga noch nie erlebt! Ex-Trainer Jürgen Klinsmann (55) rechnet nach seinem verlorenen Machtkampf gnadenlos mit Hertha BSC ab und eröffnet eine üble Schlammschlacht. Besonders scharf schießt Klinsi 15 Tage nach seinem stillosen Abgang gegen Manager Michael Preetz (52). Der kontert in aller Deutlichkeit.

Preetz betrat das Podium in Herthas gut gefülltem Medienraum mit finsterer Miene, holte zwei Sekunden lang tief Luft – und nahm dann kein Blatt vor den Mund: „Ich möchte die gleichermaßen widerlichen und unverschämten Anschuldigen auf das Schärfste zurückweisen. Die Angriffe sind perfide und ungehörig.“

22-seitiges, wirres Protokoll

Was war passiert? Die „Sportbild“ hatte ein 22 (!)-seitiges, wirres Protokoll von Klinsmann über seine Amtszeit veröffentlicht, das wie eine Art Tagebuch daherkommt. Tatsächlich ist eine gnadenlose Abrechnung, wie sie es in der Bundesliga-Geschichte noch nie gegeben hat.

„Die Geschäftsleitung muss sofort komplett ausgetauscht werden“, fordert Klinsmann. Im Klub habe es „jahrelange katastrophale Versäumnisse von Michael Preetz in allen Bereichen, die mit Leistungssport zusammenhängen gegeben“, kritisiert der Ex-Bundestrainer. Im Klub herrsche eine „Lügenkultur“ ohne „Anspruchsdenken“. Rums!

Laut Klinsi „werden auch die tollsten Neuzugänge nach einer gewissen Zeit Durchschnittsspieler“. Preetz und sein Geschäftsführer-Kollege Ingo Schiller seien „unterer Durchschnitt“, Hertha könne „in dieser Konstellation niemals Richtung Europa“ aufbrechen.

Deswegen wollte Klinsi als Berater von Investor Lars Windhorst zunächst Ralf Rangnick als Trainer verpflichten. Der ehemalige Leipzig-Coach sei interessiert gewesen, soll angeblich aber nicht mit Preetz zusammenarbeiten wollen.

Preetz gibt sich nach den Angriffen kämpferisch. „Ich halte das aus. Ich bin stabil“, erklärte er und kündigte an, dass Hertha sich rechtliche Schritt gegen Klinsmann vorbehält. Gleichzeitig betonte Preetz, dass Klinsmann die Anschuldigungen „zu keiner Zeit gegenüber irgendjemanden im Verein persönlich“ geäußert habe.

Auch Gegenbauer ergreift das Wort 

Werner Gegenbauer (69), den Klinsmann einen „völlig übel gelaunten Präsidenten“ nennt, reagierte mit einem Brief an die Mitglieder. Auf die Vorwürfe wolle er nicht eingehen, „da sie entweder falsch oder einfach nur unsinnig sind“. Eines stellte auch Gegenbauer klar: „Die schäbigen Anschuldigungen gegen die Mitarbeiter der Abteilungen Medizin und Medien weisen wir entschieden zurück.“ Im Protokoll wird Herthas medizinische Betreuung als „zerstritten, inkompetent und den Anforderungen des modernen Profifußballs nicht gewachsen“ dargestellt.

Klinsmanns Management bestätigte die Echtheit des Protokolls, rätselt aber darüber, wie es an die Öffentlichkeit kam. Herthas Pressesprecher Max Jung kommentierte es nur süffisant: „Wie ihr alle mitbekommen habt, ist unser ehemaliger Trainer mit seinem engsten Umfeld unter die Autoren gegangen. “

Nur eins ist nun noch klarer: Klinsmann trug zwar 77 Tage die Fahne auf der Brust. Den Klub im Herzen hatte er nie.