Torhüter Rune Jarstein (35) galt schon als Auslaufmodell. Doch der Norweger könnte auch in der neuen Saison Herthas Nummer eins sein.  Foto: Imago Images

Ob Rune Jarstein (35) mitgezählt hat? Fast täglich überschlugen sich zuletzt die Meldungen, Hertha habe seinen Nachfolger gefunden. Doch einen neuen Keeper haben die Blau-Weißen bis heute nicht verpflichtet. Stattdessen ist plötzlich Jarstein der Gewinner von Herthas Torhüter-Trubel.

„Wir sind nicht in Not. Wir planen mit Rune“, erklärt Manager Michael Preetz. Vor dem Trainingsstart am Montag haben sich damit die Vorzeichen gravierend geändert. 

Fast fünf Jahre lang zählte der ruhige Norweger zu den besten Keepern der Liga. „Ich will spielen bis ich 40 bin“, erklärte er im KURIER-Interview. Doch nach einer schwachen Rückrunde drohte sein Traum, bei Hertha in Rente zu gehen, zu platzen. Die Situation schien klar: Zur neuen Saison soll eine neue Nummer eins her.

Die Liste der Jarstein-Nachfolger schien auch dank 374-Millionen-Investor Lars Windhorst endlos lang: Der von Liverpool an Besiktas verliehene Loris Karius (27) machte bereits im März die Runde. Die erste Ente. Danach folgten Freiburgs Alexander Schwolow (28), Bayerns-Ersatzkeeper Sven Ulreich (31), Stuttgarts Gregor Kobel (22), Leipzigs zweiter Mann Yvon Mvogo (26), Frankfurts Kevin Trapp (30) und zuletzt Bremens Jiri Pavlenka (28).

Fakt ist: Nur an Kobel war Hertha wirklich dran. Der Schweizer Leihspieler der TSG Hoffenheim will lieber beim VfB bleiben, wenngleich man am Neckar die fixe Ablöse von fünf Millionen Euro bisher nicht stemmen kann.

Zumindest angeklopft hat Preetz bei Kobels Landsmann Mvogo. Weil Leipzigs Ersatzkeeper beim Champions-League-Turnier in Lissabon fest eingeplant ist, könnte er erst Ende August bei Hertha aufschlagen. 

Dabei wird er genau wie andere Kandidaten Preetz’ Aussage registriert haben. Mvogo drängt wie Ulreich auf einen Wechsel, um bei einem Klub regelmäßig zu spielen. Alle anderen genannten Kandidaten haben sowieso das Selbstverständnis, die Nummer eins zu sein. 

Doch einen Freifahrtschein für das blau-weiße Tor wird es nicht geben. Alle müssen sich dem Konkurrenzkampf stellen. Hertha-Trainer Bruno Labbadia befürwortet sogar ein offenes Duell. Zwei, die sich gegenseitig anstacheln und zur Höchstform antreiben. „Und dann wird der Beste spielen“, erklärt Labbadia.

Was ein starker Herausforderer bewirkt, weiß Hertha selbst. Ersatzkeeper Thomas Kraft (32) trieb Jarstein über Jahre an. Doch in seiner letzten Saison war Kraft fast so oft verletzt wie einsatzfähig. Der fehlende Druck war neben dem Zoff zwischen Torwart-Trainer Zsolt Petry und Ex-Coach Jürgen Klinsmann (KURIER berichtete) einer der Gründe für Jarsteins Wackler.

Fest steht: Zum Trainingsstart am Montag ist Jarstein plötzlich der Gewinner. Der aus Osnabrück zurückgekehrte Nils Körber (23) wird dritter Keeper, verdrängt Dennis Smarsch (21), um den Drittligist Türkgücü München buhlt. Weil Kraft seine Karriere beendete, soll ein Torwart kommen. Ob Stammkeeper oder zweiter Mann, wird sich zeigen. Ganz nach Labbadias Geschmack.