Aus der Kurve in den Chefsessel: Ex-Ultra Kay Bernstein (42) ist seit Sommer Präsident von Hertha BSC. 
Aus der Kurve in den Chefsessel: Ex-Ultra Kay Bernstein (42) ist seit Sommer Präsident von Hertha BSC.  Imago/camera4+

Dass es nach dem turbulenten Wahlkampf um die Nachfolge von Werner Gegenbauer ruhiger werden würde, damit hat auch Kay Bernstein nicht gerechnet. Bei Hertha BSC gibt es schlicht zu viele Baustellen. Jetzt spricht der Ex-Ultra über seine ersten sechs Monate als Hertha-Präsident. Intrigen, Sparkurs und der 1. FC Union: So erlebt Bernstein seine neue Hertha-Welt.

Fast täglich ist Bernstein in der Geschäftsstelle an der Hanns-Braun-Straße. Dort hat der 42-Jährige mittlerweile ein eigenes Büro – und leistet vor allem Überzeugungsarbeit. „Wenn ich Menschen abholen und für etwas begeistern will, geht das am besten über den persönlichen Austausch. Was ich einfordere, muss ich vorleben“, erklärt Bernstein im Gespräch mit dem Kicker.

Direkt nach seiner Wahl kündigte Bernstein an, er werde Hertha „entgiften“. Wie er damit vorankommt? „Es ist ein Prozess, aber wir sind auf einem sehr guten Weg. Das Gift lag vor allem in der Gewohnheit“, sagt Bernstein und schiebt hinterher: „Ich spüre jetzt, dass es ein immer größeres Miteinander wird. Wir haben ein Wirgefühl geschaffen und den Verein wieder geeint.“

Kay Bernstein: Hertha wollte zu schnell zu viel

Gesagt, getan: Kay Bernstein pflanzte als neuer Hertha-Präsident einen Apfelbaum neben der Geschäftsstelle und packt auch sonst viel an. 
Gesagt, getan: Kay Bernstein pflanzte als neuer Hertha-Präsident einen Apfelbaum neben der Geschäftsstelle und packt auch sonst viel an.  IMAGO/Nordphoto

Die Aufbruchstimmung wurde allerdings mal wieder massiv durch Investor Lars Windhorst gestört. War Windhorst stets für Schlagzeilen gut, stellte die Spionageaffäre alles Bisherige in den Schatten. Für Bernstein die „Feuertaufe“ als Hertha-Präsident. Der Klub beauftragte eine Kanzlei, um die Vorwürfe zu prüfen. Bald wird wohl Licht ins Dunkel kommen. Bernstein: „Der Abschlussbericht liegt vor, unsere Gremien befassen sich jetzt damit.“

Apropos Windhorst: Von der Kohle des 374-Millionen-Investors ist bekanntlich nicht mehr viel übrig. Den Megaverlust von 210 Millionen Euro in drei Spielzeiten erklärt Bernstein so: „Hertha hat den zweiten vor dem ersten Schritt gemacht und sich brutal verhoben. Der Klub wollte zu schnell zu viel – und ist zu spät in die Realität zurückgekehrt.“  

Hertha-Vorteile mit Investor 777 Partners

Zwar sei die Liquidität und damit auch die Lizenz für die nächsten zwei Spielzeiten gesichert. Dennoch braucht Hertha wohl bald frisches Geld. Bernstein, das Kind aus der Kurve, würde am liebsten auf einen neuen Investor verzichten, „aber ich bin kein Träumer, sondern Realist. Investoren sind inzwischen Teil des Fußballs.“

Die Verhandlungen mit 777 Partners, dem US-Investor, der die Windhorst-Anteile kaufen will, laufen. „Die Gespräche in Miami und Berlin waren harmonisch, respektvoll und konstruktiv“, berichtet Bernstein, der die Vorteile eines neuen Deals nennt: „Es wäre für uns der Schritt hin zu mehr Ruhe, mehr Internationalisierung und mehr Know-how.“

Kay Bernstein setzt Spitze gegen den 1. FC Union

Ein Investor könnte auch dabei helfen, den Traum von eigenen Stadion wahr werden zu lassen. Statt 2025 soll es nun 2030 klappen.  Vorausgesetzt, die Politik spielt mit. Der kommende Sommer werde entscheidend. Bernstein:„ Dann werden wir Aufschluss über die grundsätzliche Machbarkeit eines Neubaus auf unserem Wunschareal im Olympiapark haben.“

Dass auch der Rivale 1. FC Union eigene Stadionpläne verfolgt, hat Bernstein natürlich mitbekommen. Auch, dass die Köpenicker während des Umbaus der Alten Försterei im Olympiastadion spielen wollen. Bernstein wundern die konkreten Pläne: „Soweit ich weiß, hat Union noch kein Baurecht – und noch keinen unterschriebenen Vertrag mit der Betreibergesellschaft des Olympiastadions. Das hat Dirk Zingler (Präsident des 1. FC Union, Anm. d. R.) ein bisschen sehr schnell vermeldet.“

Was Bernstein zum möglichen Wechsel von Fredi Bobic zum DFB sagt, lesen Sie hier.

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