Seit dem vergangenen Sommer hat Herthas Trainer Sandro Schwarz aus Dodi Lukebakio einen echten Leistungsträger im Team gemacht.
Seit dem vergangenen Sommer hat Herthas Trainer Sandro Schwarz aus Dodi Lukebakio einen echten Leistungsträger im Team gemacht. imago images/nordphoto/Engler

Alle staunen über die wunderbare Wandlung von Herthas Dodi Lukebakio (25). Der belgische Stürmer, der lange als Problemspieler galt, zeigte in der Hinrunde Top-Leistungen mit sieben Toren. Welchen Trick hat Chefcoach Sandro Schwarz (44) angewandt? Der KURIER-Reporter trifft sich mit Schwarz in einem Besprechungsraum der Hertha BSC Geschäftsstelle. Was dann passiert, ist der lustigste Interview-Crash des Jahres, denn Lukebakio kommt mitten im Interview plötzlich zur Tür rein …

Der Reihe nach: Herthas Geschäftsstelle hat nach dem Umbau moderne, offene Büros. Neben der Kaffeeküche ist ein Raum mit Wänden aus Glasscheiben. Sandro Schwarz sitzt an diesem Vormittag drin. Er schaut in den Laptop, ein digitales Video-Gespräch, dann hat er Zeit für die bohrenden Fragen. Was ist der Trick bei Lukebakio?

Schwarz wundert sich etwas über die Frage: „Trick? Da gibt es keinen besonderen Trick. Ich kann sagen, was wir gemacht haben. Wir haben zu Beginn der Saisonvorbereitung ein sehr klares Gespräch gehabt, was Erwartungshaltung angeht. Klar, wussten wir, was Dodi an Qualität hat. Wir haben klar definiert, wie wir ihn mit seinem Profil auf dem Platz brauchen. Aber auch genau aufgezeigt, wie wir uns das Verhalten in der Gruppe vorstellen und was man zu investieren hat.“

Hertha-Coach Schwarz: „Bei Dodi muss die Leine extrem kurz sein“

Harte Ansagen! Die gibt es immer wieder von Sandro Schwarz für Dodi Lukebakio ...
Harte Ansagen! Die gibt es immer wieder von Sandro Schwarz für Dodi Lukebakio ... imago images/Contrast

Das kann aber doch nicht alles sein. Das haben alle anderen Trainer vor Schwarz auch so oder ähnlich Lukebakio erklärt und haben ihn nicht so in die Spur bekommen. Es ist die Frage, wie man Inhalte vermittelt? Schwarz erklärt es so: „Bei Dodi ist es wichtig, ihm immer ein Feedback zu geben, dranzubleiben und ihm Hilfestellungen zu geben. Es ist ein Spiel zwischen langer und kurzer Leine. Aber diese kurze Leine muss manchmal dann auch extrem kurz sein.“ (lacht)

Aha, harte, konkrete und ehrliche Ansagen, aber im richtigen Ton. Schwarz ergänzt dann: „Ich kann nur sagen, wie ich als Mensch bin: offen und klar. Wir haben das Gefühl füreinander gefunden, wie wir miteinander umzugehen haben. Er weiß, was er von mir bekommt. Und ich weiß, was ich von ihm bekomme. Und ich muss sagen: Er gibt viel zurück.“

Da stimmt also die Chemie zwischen Trainer und Spieler perfekt. Schwarz: „Es ist nicht so, dass ich mir große Gedanken gemacht habe, wie gehe ich jetzt mit Dodi Lukebakio um. So wie ich bin, habe ich mit ihm kommuniziert. Wir haben einen Nenner gefunden.“

Herthas Dodi lacht: „Immer locker bleiben!“

... doch die beiden verstehen sich prima. Schwarz ist Herthas erster Coach, der Lukebakio zur Topform bringt.
... doch die beiden verstehen sich prima. Schwarz ist Herthas erster Coach, der Lukebakio zur Topform bringt. imago images/Simon

Dieser Satz und paar mehr sind gesprochen, dann betritt plötzlich Lukebakio den Großraum, schaut zum Büro und strahlt mit guter Laune übers ganze Gesicht, als er durch die Glasscheibe seinen Trainer im Interview sieht. Und was macht er? Er öffnet die Tür, schaut Schwarz an und scherzt: „Immer locker bleiben!“ Alle lachen und Schwarz sagt dann Folgendes zum Stürmer: „Dodi, ich werde jedes Mal gefragt, wie wir beide das geschafft haben, dass du so gut geworden bist. Ich kann es nicht beantworten. Kannst du es?“

Dodi zeigt mit einem zufriedenen Grinsen mit dem Finger auf Schwarz, dann geben sie sich die Hand und lachen herzlich. Gesten sagen oft mehr als Worte.

Lesen Sie morgen, was Sandro Schwarz über Nackenschläge, Teamgeist, seine Hertha-Freude und die WM sagt.

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