Vedad Ibisevic und Peter Pekarik, hier im Duell mit Mathew Leckie, (v.l.) machten sich für Hertha zuletzt unverzichtbar.
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Herthas Oldies rocken die Bundesliga! Seitdem Bruno Labbadia (54) das blau-weiße Zepter schwingt, stehen bereits aussortierte Routiniers wieder hoch im Kurs. Vor dem Kracher beim BVB (Sonnabend, 18.30 Uhr) sind die Abstiegssorgen durch die Vier-Spiele-ohne-Pleite-Serie passé, Hertha schnuppert sogar an Europa. Gelingt Herthas Oldies in Dortmund der nächste Coup, steht Manager Michael Preetz vor einem kniffligen Transfer-Sommer. Der KURIER erklärt, warum bei den blau-weißen der Grundsatz gelten könnte: Im Zweifel für den Oldie.

Kein Bock auf Rente! Mit der Renaissance von Peter Pekarik (33) und Vedad Ibisevic (35) hätte wohl im Herbst keiner mehr gerechnet. Der Abwehrmann und der Stürmer feierten ihr Comeback vom Dauerreservisten zum Dauerbrenner. In allen vier Spielen nach der Corona-Pause stand das Duo in der Startelf – und lieferte: Rechtsverteidiger Pekarik verdrängte Lukas Klünter (24), ließ zusammen mit seinen Kollegen nur zwei Gegentreffer zu. „Peter ist jemand, der total unterschätzt wird. Er ist ein Top-Profi, der immer ein gewisses Level abruft und uns Stabilität verleiht“, lobt Labbadia.

Das gilt auch für Ibisevic. Der graue Leitwolf, unter Jürgen Klinsmann trotz der beharrlichen Ladehemmungen des mittlerweile nach Bremen verliehenen Davie Selke (25) nur zweite Wahl, bedankte sich bei Labbadia mit zwei Toren und zwei Vorlagen, verdrängte so sogar 24-Millionen-Euro-Einkauf Krzysztof Piatek (24) auf die Bank.

Dass Erfahrung Trumpf sein kann, weiß Labbadia, der selbst erst mit 37 Jahren seine Stürmer-Stiefel an den Nagel hängte. Über Ibisevic sagt er: „Ich weiß, dass er ein Torjäger ist. Das verlernt man nicht.“

Mit der Ruhe von Pekarik und der Routine von Ibisevic will Labbadia Dortmunds Tempo-Teenies einfangen. Überzeugen die beiden auch beim BVB, wird die Aufgabe für Manager Michael Preetz immer kniffliger: Denn die Verträge des Slowaken und des Bosniers laufen aus. Beide verschwenden jedoch keinen Gedanken an ein Karriereende, hoffen vielmehr auf einen neuen Hertha-Vertrag.

Die Zwickmühle: Hertha will nächstes Jahr oben mitspielen. Preetz wird genau abwägen müssen, ob und zu welchen Bedingungen er den beiden ein neues Angebot unterbreitet, ob sie ihre starke Form auch noch nächstes Jahr auf den Rasen bringen, welchen Wert sie auch für das Innenleben des Teams haben.

Wie wichtig eine ausgewogene Altersstruktur ist, beweist der kommende Gegner. Beim BVB stehen fast immer die Jungen Wilden im Fokus. Dabei achten die Borussen stets auf die richtige Mischung. So verlängerten die Schwarz-Gelben jüngst mit Ex-Herthaner Lukas Pisczek um ein weiteres Jahr bis 2021. Der Pole, der gestern seinen 35. Geburtstag feierte, kämpfte sich ähnlich wie Herthas Altherren zurück ins Team, gilt dort in dieser Saison in der Innenverteidigung als unverzichtbar.

Mit Per Skjelbred (32), der wie Pekarik und Ibisevic seinen x-ten Frühling erlebt und 100 Prozent (!) seiner  Zweikämpfe gegen Augsburg gewann, aber nach sechs Jahren in seine Heimat nach Trondheim zurückkehrt, verliert Hertha bereits einen wichtigen Routinier im Sommer. Gleich auf drei erfahrene Säulen im kommenden Jahr zu verzichten, könnte ein zu hohes Risiko sein. Deswegen sollte es heißen: Im Zweifel für die Oldies.