Beide Daumen hoch: Herthas Prince Boateng spielte beim 1:0-Sieg in Augsburg endlich stark auf. Foto: Imago

Totgesagte leben länger! Hertha-Routinier Prince Boateng spielte in dieser Saison sportlich kaum eine Rolle. Am 1:0-Sieg der Blau-Weißen beim FC Augsburg am 30. Spieltag, an der Wiederauferstehung Herthas im Abstiegskampf der Bundesliga, hatte der 35 Jahre alte Mittelfeldmann dafür entscheidenden Anteil. Endlich Leader statt weiter Bankdrücker. Hertha-Trainer Felix Magath lässt Boateng mit drei Worten explodieren.

„Der Trainer hat mir gesagt: ,Ich brauche Dich‘“, erklärte Boateng nach dem wichtigen Sieg im Kellerduell beim FCA am Sky-Mikrofon. Boateng weiter: „Ich habe immer gesagt, ich gebe alles. Ich habe die vergangenen Wochen hart trainiert, dafür wurde ich heute belohnt.“

Boateng hilft Hertha endlich

Zur Erinnerung: Der Junge aus dem Wedding kehrte nach einer beeindruckenden internationalen Karriere und vielen Stationen bei absoluten Top-Klubs im Sommer zu Hertha BSC zurück – und spuckte große Töne. Insbesondere dem 1. FC Union wollte er zeigen, wer Berlins Nummer eins. Doch statt voranzugehen war Boateng entweder verletzt oder nicht fit genug. Weder Pal Dardai noch Magath-Vorgänger Tayfun Korkut trauten ihm mehr 90 Minuten Bundesliga-Fußball zu.

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Prince Boateng schmiss sich in viele Zweikämpfe und scheute auch diverse Wortgefechte mit den Spielern des FC Augsburg nicht.

Jetzt, nach drei Derby-Pleiten in dieser Saison und fünf Spieltage vor Schluss, lieferte Boateng erstmals so richtig. 12 von 14 Zweikämpfen (86 Prozent) gewann er, spielte dazu viele kluge, direkte Pässen und verlagerte so immer wieder geschickt Herthas Spiel. Vor allem ging Boateng aber endlich auch als emotionaler Leader voran, knüpfte sich hier und da mal einen Augsburger vor, und riss seine Hertha-Kollegen so mit.

Magath mit Sonderlob für Boateng

Entsprechend groß war das Lob des Trainers. Magath über Boateng, der das erste Mal seit Oktober in der Startelf stand: „Er ist ein klasse Spieler, der Verantwortung übernimmt. Der Selbstvertrauen hat. Er organisiert. Er redet mit den Spielern und führt sie. So eine Figur haben wir gebraucht. Es ist jammerschade, dass er nicht 100 Prozent fit ist, sonst wäre er immer noch ein Riese.“

Boateng verriet fast zeitgleich, dass Magath ihm vor dem Spiel quasi einen Freifahrtschein ausstellte: „Der Trainer kam zu mir, fragte mich aus Spaß, wo ich spielen will.“ „Auf der 10 (offensives Mittelfeld, d. Red.), meiner Lieblingspostion“, antwortete Boateng - und durfte genau da in Augsburg 68 Minuten lang ran.

Nach seiner guten Leistung konnte sich Boateng einen kleinen Seitenhieb gegen seine Kritiker nicht verkneifen: „Ich sehe doch noch nicht aus wie ein Spieler, der schon fertig ist.“

Boateng will mit Hertha Spaß

Ausruhen sollte sich Hertha nach dem Sprung auf Platz 15 allerdings nicht. Das weiß auch Boateng, der nun aber von einer schnellen Rettung träumt: „Wir habe noch vier Spiele, vier Finals. Ich hoffe, wir machen den Sack so schnell wie möglich zu. Dann haben wir die letzten Spiele vielleicht noch ein bisschen Spaß.“

Den hatten Hertha und Boateng in dieser Saison wahrlich selten. Dafür lebt die Hoffnung auf den Klassenerhalt wieder – auch dank  Boateng.

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