So leidet Kapitän Niklas Stark nach dem Abpfiff. Er kämpfte bis zur letzten Minute und war bitter enttäuscht. Foto: Koch

Chapeau für Dennis Aogo! Der Ex-Nationalspieler brachte Herthas Lage als Sky-Experte auf den Punkt: „Wenn ist ein gefährlicher Konjunktiv. Wenn man das Potenzial abruft, dann läuft es. Darauf kann man sich aber nicht verlassen. Für Hertha ist die Situation brandgefährlich.“

Die Fakten spiegeln eine gruselige Gegenwart wider. Mittlerweile acht Spiele ohne Sieg. Das Abstiegsgespenst heult ganz laut im und um das Olympiastadion herum. Die Blau-Weißen haben echtes Potenzial, die Klasse nicht zu halten.

Ich kann nicht so richtig erkennen, dass wirklich alle Spieler den Ernst der Lage verinnerlicht haben. Ich nenne keine Namen. Aber ich will keine Hackentricks und sinnlosen Sololäufe mehr sehen, sondern Grätschen, Kampf und Rennen für den nächsten Ball, den nächsten Zweikampf. Es ist nicht die Zeit für Kunst und Selbstüberschätzung.

Genau diese Fehleinschätzung macht Hertha nicht mal mehr zum Geheimfavoriten auf den direkten Abstieg. Denn so steigt man ab. „Es wird noch alles gut gehen.“ Das haben schon andere Teams in der Bundesligageschichte gedacht und flogen aus dem Oberhaus.

Umso befremdlicher war für mich ein Interview des neuen Geschäftsführers Carsten Schmidt in einer großen Sonntagszeitung, der zwar die brisante Lage richtig einschätzt, aber dann doch über Zukunftspläne für den Verein plauderte. Falsches Timing! Falsches Signal! Es geht nur um das Hier und Jetzt. Ich glaube, die Fans interessieren Visionen gerade wenig, die zittern in der Gegenwart um ihren Verein – von Spiel zu Spiel.